Was sind Finanzmarktinfrastrukturen?

Finanzmarktinfrastrukturen sind gemeinsame Systeme und Regeln für Zahlungen und Wertpapiergeschäfte. Dazu zählen Zahlungssysteme, zentrale Gegenparteien, Wertpapierzentralverwahrer, Abwicklungssysteme und Transaktionsregister. Das Kernbankensystem einer Bank ist daran angeschlossen, gehört aber nicht selbst zur gemeinsamen Marktinfrastruktur.

Glasfaserverbindungen in einer Anlage für Finanzgeschäfte.

Finanzmarktinfrastruktur im Überblick

BegriffFinanzmarktinfrastruktur (FMI)
FunktionVerarbeitet, verrechnet und verbucht Zahlungen und Wertpapiergeschäfte zwischen Marktteilnehmern.
BeispieleZahlungssysteme, zentrale Gegenparteien, Wertpapierzentralverwahrer und Transaktionsregister.
RisikoDer Ausfall eines gemeinsamen Dienstes kann viele Teilnehmer gleichzeitig treffen.
RegelnDie Prinzipien von CPMI und IOSCO behandeln Governance, Kredit-, Liquiditäts- und operationelle Risiken.
VertiefungFinanzmarktinfrastrukturen im Detail

Wie funktioniert eine Finanzmarktinfrastruktur?

Eine Finanzmarktinfrastruktur nimmt Aufträge mehrerer Teilnehmer entgegen und führt sie nach gemeinsamen Regeln aus. Beim Clearing wird festgestellt, was jeder Teilnehmer schuldet. Das Settlement überträgt Geld oder Wertpapiere endgültig. Danach gleichen Banken und Broker die Bestätigungen mit ihren eigenen Büchern ab.

Im Euroraum übernehmen T2, T2S und TIPS verschiedene Aufgaben im Zahlungs- und Wertpapierverkehr. Sie buchen in Zentralbankgeld. Die Bank muss ihre internen Kontobewegungen über Schnittstellen mit diesen externen Buchungen abgleichen.

Warum brauchen Banken gemeinsame Marktinfrastruktur?

Banken brauchen gemeinsame Marktinfrastruktur, damit Zahlungen und Wertpapiere zwischen verschiedenen Instituten übertragen werden können. Das Kernbankensystem führt die Konten einer einzelnen Bank; T2 oder T2S verbindet dagegen Teilnehmer über Institutsgrenzen hinweg. Eine klare Trennung hilft bei der Architektur, der Fehleranalyse und der Abstimmung offener Posten.

Welche Risiken entstehen bei der Abwicklung?

Ein Ausfall im Settlement kann Teilnehmern erwartete Liquidität entziehen, obwohl ihre eigenen Anwendungen laufen. Bei der Wiederherstellung muss geklärt werden, welche Nachrichten bereits gesendet und welche Geschäfte endgültig abgeschlossen wurden. Die internationalen FMI-Prinzipien verlangen deshalb Regeln für Betriebsstörungen sowie Kredit- und Liquiditätsrisiken.

Welche Regeln gelten für Finanzmarktinfrastrukturen?

Je nach Infrastruktur gelten eigene europäische Regeln für Zahlungssysteme, zentrale Gegenparteien oder Wertpapierzentralverwahrer. Die DORA-Verordnung regelt zusätzlich IKT-Risiken vieler Betreiber und Teilnehmer. Die Prinzipien von CPMI und IOSCO beschreiben internationale Erwartungen an fünf Arten von Finanzmarktinfrastruktur.

Welche Aufsicht gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

In Deutschland überwacht die Bundesbank Zahlungssysteme zusammen mit der EZB; die BaFin beaufsichtigt regulierte Unternehmen. In Österreich teilen sich OeNB und FMA die Aufgaben. In der Schweiz überwacht die SNB systemrelevante Finanzmarktinfrastrukturen, während die FINMA Institute beaufsichtigt. Frankfurt ist Sitz der EZB, der Bundesbank und von Unternehmen wie Deutsche Börse, Eurex Clearing und Clearstream.

Über Finance Loop: Finanzmarktinfrastruktur

Finance Loop verbindet Fachleute aus Banken, Zahlungsverkehr, Kapitalmärkten und Aufsicht, die an Finanzmarktinfrastrukturen arbeiten. In Frankfurt sind mit EZB, Bundesbank, Börse und Clearing wichtige Teile dieses Geschäfts vertreten.

Die Seite zu Finanzmarktinfrastrukturen erläutert die beteiligten Systeme genauer. Bei Finance-Loop-Veranstaltungen treffen Fachleute aus Finanzwirtschaft und Technologie aufeinander und können die Folgen technischer Entscheidungen für den Betrieb besprechen.

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