DEX vs. CEX: Was ist der Unterschied?

Eine DEX (Decentralized Exchange, dezentrale Börse) ist eine Kryptobörse aus Smart Contracts, an der Nutzer aus ihren eigenen Wallets handeln; eine CEX (Centralized Exchange, zentrale Börse) ist eine Handelsplattform, deren Betreiber Kundenwerte verwahrt und Aufträge zusammenführt. Nach EU-Recht braucht eine CEX eine Zulassung nach MiCA, eine DEX ohne jeden Intermediär fällt nicht darunter.

DEX und CEX im Überblick

BegriffeDEX, dezentrale Börse; CEX, zentrale Börse. Rechtsbegriff für eine CEX: Handelsplattform für Kryptowerte.
RechtsgrundlageArtikel 3 Absatz 1 Nummer 16 Buchstabe b und Nummer 18 der Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA): Betrieb einer Handelsplattform für Kryptowerte. Erwägungsgrund 22 für vollständig dezentrale Dienste.
GeltungsbeginnMiCA gilt seit dem 30. Dezember 2024 (Artikel 149 Absatz 2).
Eine ZahlÜber dezentrale Börsen laufen 10 % des weltweiten Spot-Handelsvolumens mit Kryptowerten (EBA und ESMA, 13. Januar 2025).
AufsichtBaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz.

Was ist eine Kryptobörse, und was machen Kryptobörsen?

Eine Kryptobörse ist ein Handelsplatz, der Käufer und Verkäufer von Kryptowerten zusammenbringt, so wie eine Wertpapierbörse es für Aktien tut. MiFID II definiert einen geregelten Markt als multilaterales System, das die Interessen einer Vielzahl Dritter am Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten zusammenführt oder das Zusammenführen erleichtert. MiCA wählt fast dieselben Worte: Artikel 3 Absatz 1 Nummer 18 definiert den Betrieb einer Handelsplattform für Kryptowerte als Verwaltung eines oder mehrerer multilateraler Systeme, die Kauf- und Verkaufsinteressen Dritter an Kryptowerten zusammenführen.

Die ESMA teilt Kryptobörsen in zwei Gruppen ein, CEXs und DEXs. Eine CEX hat eine zentrale Instanz oder einen Betreiber und arbeitet ähnlich wie eine klassische Börse. Die ESMA zählte in öffentlichen Quellen weltweit mehr als 650 Kryptobörsen, von denen mehr als 400 als DEX gelten würden (ESMA, 11. Oktober 2023).

Was ist eine DEX, und wie funktioniert der Handel dort?

Eine DEX ist eine Börse, deren Handelslogik in Smart Contracts auf einer Blockchain liegt. Nach der Definition der ESMA nutzen DEXs Smart Contracts für den Handel zwischen Nutzern und ermöglichen Handel ohne Verwahrung: Nutzer müssen der Börse die Kontrolle über ihre Werte nicht überlassen. Eine DEX ist eine Anwendung von DeFi; wer DeFi mit einer DEX vergleicht, stellt ein ganzes Feld einem seiner Werkzeuge gegenüber.

Den Handel auf DEXs gibt es in zwei Formen. Orderbuch-Börsen führen ein Orderbuch, oft von einem Betreiber außerhalb der Chain, und nutzen die Blockchain für die Abwicklung. Automated Market Maker (AMMs) halten Liquidity Pools und setzen den Preis per Formel; nach der ESMA dominieren AMMs inzwischen. Weil DEXs kein Fiatgeld unterstützen, ist jedes Handelspaar Krypto gegen Krypto, oft gegen einen Stablecoin. Wie Pools funktionieren, erklärt die Seite Was ist ein Liquidity Pool?

Wie unterscheiden sich DEX und CEX?

DEX und CEX unterscheiden sich darin, wer den Handelsplatz betreibt und wer die Werte hält.

MerkmalDEXCEX
BetreiberSmart ContractsEin Unternehmen
VerwahrungNutzer behalten ihre Werte in eigenen WalletsDie Plattform verwahrt Kundenwerte
PreisbildungMeist eine Pool-Formel (AMM)Ein Orderbuch mit Geld- und Briefkursen
FiatgeldNein, nur Krypto-Krypto-PaareOft, auch in Euro
KostenPool-Gebühren und Slippage, die Differenz zwischen angezeigtem und gezahltem KursGebühren nach Vorgabe des Betreibers
IdentitätsprüfungKeine im ProtokollKnow-your-Customer-Prüfung, üblich bei etablierten CEXs
EU-RechtAußerhalb von MiCA, wenn vollständig dezentral (Erwägungsgrund 22)Zulassung und Pflichten nach Artikel 76 MiCA

DEX vs. CEX: Wo ist mehr Volumen?

CEXs tragen den Großteil des Volumens. Die ESMA stellte fest, dass mehr als 80 % der gemeldeten Spot-Handelsvolumina auf die zehn größten Börsen entfallen, die bis auf eine alle CEXs sind; die Ausnahme ist Uniswap. Nach dem Zusammenbruch von FTX im November 2022 ging das Spot-Volumen auf CEXs leicht zurück, das Volumen auf DEXs blieb relativ stabil. EBA und ESMA schätzten im Januar 2025, dass die Flüsse über dezentrale Börsen 100 Milliarden Euro im Monat übersteigen können. Mit 10 % des weltweiten Spot-Volumens kommen DEXs auf einen Marktanteil von etwa einem Zehntel des Spot-Handels.

Welche Risiken haben eine DEX und eine CEX?

Das Hauptrisiko einer CEX ist der Betreiber, das Hauptrisiko einer DEX sind der Code und die Anonymität ihrer Nutzer. Bei einer CEX hängt der Kunde von dem Unternehmen ab, das die Werte hält; die ESMA verweist auf die Veruntreuung von Kundenwerten bei FTX. Eine DEX hält keine Kundenwerte, was nach der ESMA das Gegenparteirisiko gegenüber dem Börsenbetreiber senkt. DeFi-Protokolle, DEXs eingeschlossen, werden trotzdem angegriffen, und Trades auf der Chain sind langsam.

EBA und ESMA sehen ein Geldwäscherisiko: Auf einer DEX können Kryptowerte aus möglicherweise illegitimen Quellen von Nutzern verarbeitet werden, die weder identifiziert noch überprüft sind. Das Risiko sinkt, ohne zu verschwinden, wenn Transfers über regulierte Plattformen laufen.

DEX und CEX in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland und Österreich braucht eine CEX eine Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen für den Betrieb einer Handelsplattform, Artikel 3 Absatz 1 Nummer 16 Buchstabe b MiCA. Die BaFin beaufsichtigt nach § 3 des Kryptomärkteaufsichtsgesetzes, in Österreich die FMA. Artikel 76 regelt die Pflichten, darunter Betriebsvorschriften, ein Verbot des Handels auf eigene Rechnung auf der Plattform und die Veröffentlichung von Geld- und Briefkursen. Ein Kreditinstitut darf den Dienst nach einer Anzeige gemäß Artikel 60 Absatz 1 anbieten, ein Marktbetreiber nach MiFID II nach einer Anzeige gemäß Artikel 60 Absatz 6, jeweils mindestens 40 Arbeitstage vor dem Start. Die BaFin stellt klar, dass die Definition auch Systeme erfasst, die das Zusammenführen von Handelsinteressen nur erleichtern; der Vertrag muss nicht im System geschlossen werden (BaFin, 3. Januar 2025).

In Frankfurt startete die Deutsche Börse am 5. März 2024 ihre regulierte Spot-Plattform für Kryptowerte, die Deutsche Börse Digital Exchange (DBDX). Gehandelt wird zunächst auf Anfrage (Request for Quote), multilateraler Handel soll folgen; die Crypto Finance (Deutschland) GmbH wickelt ab und verwahrt (Deutsche Börse, 5. März 2024).

Für eine DEX gilt Erwägungsgrund 22 von MiCA: Werden Kryptowerte-Dienstleistungen vollständig dezentral ohne Intermediär erbracht, fallen sie nicht unter die Verordnung. Derselbe Erwägungsgrund lässt Tätigkeiten im Anwendungsbereich, wenn nur ein Teil davon dezentral erbracht wird. Ein Unternehmen, das einen Teil einer DEX betreibt, etwa ihr Frontend, kann also dennoch unter MiCA fallen. Die Schweiz gehört nicht zur EU, MiCA gilt dort nicht; die FINMA beaufsichtigt Handelsplätze nach Schweizer Recht. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Quellen

Über Finance Loop: DEX und CEX

Finance Loop verbindet Händler, Börsenbetreiber und Compliance-Verantwortliche, die eine regulierte Handelsplattform gegen ein Protokoll ohne Betreiber abwägen. In Frankfurt startete die Deutsche Börse am 5. März 2024 ihre regulierte Spot-Plattform für Kryptowerte, die Deutsche Börse Digital Exchange (DBDX).

Finance Loop unterstützte die German Blockchain & AI Week 2025 in Berlin, deren Programm am 12. Juni 2025 ein Panel zu DEX und CEX enthielt. Die Kryptobörse OKX, die mit einer MiCA-Lizenz arbeitet, wurde 2025 Partner von Finance Loop und lud am 16. März 2025 zu einem Workshop in Frankfurt.

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