Was ist ein Orderbuch?
Ein Orderbuch ist die Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsorders für ein Wertpapier an einem Handelsplatz, sortiert nach Preis. Kauforders (Geld) stehen auf der einen Seite, Verkaufsorders (Brief) auf der anderen. Ein Geschäft kommt zustande, wenn eine neue Order zu einem passenden Preis auf eine Order der Gegenseite trifft. Englisch heißt es order book.
Das Orderbuch in Kürze
| Begriff | Orderbuch; an Börsen meist ein zentrales Limit-Orderbuch (Central Limit Order Book, CLOB). Englisch: order book. |
|---|---|
| Ausführungsregel | Preis-Zeit-Priorität auf Xetra (Frankfurt) und bei SIX (Zürich). |
| EU-Recht, Aktien | Artikel 3 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 (MiFIR): Handelsplätze veröffentlichen aktuelle Geld- und Briefkurse und die Tiefe zu diesen Kursen. |
| EU-Recht, Krypto | Artikel 76 Absatz 9 der Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), gilt seit 30. Dezember 2024. |
| Aufsicht | Börsenaufsichtsbehörde Hessen und BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz. |
| Eine Zahl | Im fortlaufenden Handel zeigt Xetra je Seite die zehn besten Limits mit der Zahl der Orders und dem Volumen je Limit. |
Wie funktioniert ein Orderbuch?
Ein Orderbuch prüft jede neue Order gegen die Orders, die auf der Gegenseite warten. Auf Xetra wird jede neue Order sofort daraufhin geprüft, ob sie gegen Orders der anderen Seite ausgeführt werden kann. Die Software, die das erledigt, ist die Matching Engine. Passen die Preise, kommt sofort ein Geschäft zustande. Sonst wartet die Order im Buch, bis eine passende Gegenorder kommt oder der Händler sie löscht.
Die wartenden Orders folgen der Preis-Zeit-Priorität. Eine Kauforder mit höherem Limit und eine Verkaufsorder mit niedrigerem Limit kommen zuerst. Bei gleichem Limit geht die ältere Order vor. Auf Xetra haben Market Orders, die kein Limit tragen, Vorrang vor Limit Orders. SIX in Zürich folgt demselben Prinzip und sortiert alle Orders nach Preis und Eingangszeit.
Was ist ein Limit-Orderbuch?
Ein Limit-Orderbuch ist ein Orderbuch aus Limit Orders, jede mit einem Limit, das der Käufer nicht überschreitet und der Verkäufer nicht unterschreitet. So sieht das Orderbuch an einer Börse üblicherweise aus. Das höchste Kauflimit ist der beste Geldkurs, das niedrigste Verkaufslimit der beste Briefkurs, die Lücke dazwischen ist der Spread. Ein Beispiel: Bei einem besten Geldkurs von 100,00 Euro und einem besten Briefkurs von 100,05 Euro beträgt der Spread 0,05 Euro.
Schicken alle Teilnehmer ihre Orders in ein Buch, ist es ein zentrales Limit-Orderbuch. Xetra führt den fortlaufenden Handel so, und SIX bietet ein Central Limit Order Book als eines von drei Marktmodellen. Am einfachsten erklärt man das Buch als Warteschlange von Limit Orders je Preisstufe: Bedient wird vom besten Preis an und je Preis nach Eingangszeit.
Was bedeuten Markttiefe und Ungleichgewicht im Orderbuch?
Die Markttiefe ist das Volumen, das jenseits des besten Geld- und Briefkurses auf jeder Preisstufe wartet; das Ungleichgewicht ist die Differenz zwischen dem Volumen auf der Kauf- und auf der Verkaufsseite. Die Tiefe zeigt, wie groß eine Order sein kann, bevor sich der Preis bewegt. Wer ein Orderbuch richtig lesen will, schaut deshalb über den letzten Kurs hinaus: Das Buch zeigt die Tiefe auf jeder Stufe.
Das EU-Recht macht das sichtbar. Für Aktien, Hinterlegungsscheine, ETFs und Zertifikate verlangt Artikel 3 Absatz 1 MiFIR, dass Handelsplätze während der üblichen Handelszeiten fortlaufend die aktuellen Geld- und Briefkurse und die Tiefe der Handelsinteressen zu diesen Kursen veröffentlichen. Artikel 3 Absatz 2 passt die Regel für Orderbuch-, Quote-, Hybrid- und periodische Auktionssysteme an. Die Wiener Börse beschreibt die Aufgabe ihrer Liquiditätsgeber so: Sie gleichen Ungleichgewichte zwischen Kauf- und Verkaufsorders im Orderbuch aus. Im Trading zeigt die Tiefe, wie weit eine große Order den Preis bewegen würde.
Was ist ein Orderbuch bei Krypto, und was macht ein AMM anders?
Ein Orderbuch bei Krypto funktioniert wie an der Börse: Eine Handelsplattform für Kryptowerte sammelt Limit Orders und führt sie zusammen. Nach Artikel 76 Absatz 9 MiCA veröffentlicht ein Plattformbetreiber in der EU während der Handelszeit fortlaufend die Geld- und Briefkurse und die Tiefe der Handelsinteressen zu diesen Kursen.
Ein Automated Market Maker (AMM) hat kein Orderbuch. Die Uniswap-Dokumentation stellt beides gegenüber: Die meisten Märkte nutzen ein zentrales Limit-Orderbuch, in dem Käufer und Verkäufer Orders nach Preisstufen anlegen, während Uniswap Trades aus den Beständen eines Pools mit der Formel x * y = k bepreist. Beim AMM ist der Pool Gegenpartei jedes Trades, und ein großer Trade bewegt den Preis entlang der Formel.
Orderbuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland führt Xetra das zentrale Limit-Orderbuch der Frankfurter Wertpapierbörse, und die Handelsüberwachungsstelle, ein unabhängiges Organ der Börse, überwacht den Handel darin. Die Börsenaufsichtsbehörde Hessen wacht über den ordnungsgemäßen Handel, die BaFin verfolgt Verdachtsfälle von Insiderhandel und Marktmanipulation. Die Wiener Börse in Österreich handelt ebenfalls in einem Orderbuch auf Xetra T7, und ihre Betreiberin hat eine Konzession der FMA nach § 3 Abs. 2 Börsegesetz 2018. MiFIR ist eine EU-Verordnung und gilt in beiden Ländern unmittelbar.
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, MiFIR gilt dort nicht. SIX erlässt ihre Handelsregeln nach Artikel 27 des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes (FinfraG) selbst und legt sie der FINMA zur Genehmigung vor. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- Deutsche Börse: Continuous Trading with Auctions, abgerufen am 29. September 2026
- SIX: On-order-book Trading, abgerufen am 29. September 2026
- Wiener Börse: Market maker in trading, abgerufen am 29. September 2026
- Uniswap: How Uniswap works, abgerufen am 29. September 2026
- Europäische Union: Verordnung (EU) Nr. 600/2014 über Märkte für Finanzinstrumente, 15. Mai 2014
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte, 31. Mai 2023
- Deutsche Börse: Supervisory bodies of the Frankfurt Stock Exchange, abgerufen am 29. September 2026
- Republik Österreich, RIS: Börsegesetz 2018, § 3, Fassung vom 29. September 2026
- FINMA: Supervision of trading venues, abgerufen am 29. September 2026
Über Finance Loop: Orderbuch
Finance Loop ist der Treffpunkt für Händler, Börsenbetreiber und die Entwickler von Matching-Engines. Das Netzwerk verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo Xetra das zentrale Limit-Orderbuch der Frankfurter Wertpapierbörse führt und je Seite die zehn besten Limits zeigt.
Finance Loop war Partner der Crypto Assets Conference 2026, die Frankfurt School of Finance & Management und die Gruppe Deutsche Börse, Betreiberin der Frankfurter Wertpapierbörse, am 25. März 2026 ausrichteten. Das Programm behandelte Marktinfrastruktur und Tokenisierung.