Was ist ein Market Maker?
Ein Market Maker ist ein Unternehmen, das für ein Wertpapier gleichzeitig einen Kauf- und einen Verkaufskurs stellt und zu diesen Kursen mit eigenem Geld handelt. Anleger können dann während der Handelszeit jederzeit kaufen oder verkaufen. MiFID II definiert den Market Maker in Artikel 4 Absatz 1 Nummer 7. Der deutsche Begriff ist ebenfalls Market Maker.
Market Maker in Kürze
| Begriff | Market Maker; die Tätigkeit heißt Market Making. Englisch: market maker. |
|---|---|
| EU-Definition | Artikel 4 Absatz 1 Nummer 7 der Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II). |
| Market-Making-Strategie | Artikel 17 Absatz 4 MiFID II; schriftliche Vereinbarung mit dem Handelsplatz nach Artikel 17 Absatz 3. |
| EU-Mindestpräsenz | Verbindliche Geld- und Briefkurse in mindestens 50 % der täglichen Zeit des fortlaufenden Handels (Delegierte Verordnung (EU) 2017/578, gilt seit 3. Januar 2018). |
| Aufsicht | BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz. |
| Eine Zahl | Market Maker an der Wiener Börse quotieren im Monatsschnitt mindestens 80 % der Zeit von 9:00 bis 17:30 Uhr, mit einem Spread von höchstens 0,65 % bis 5 %. Für globale Aktien und ETFs gelten geringere Pflichten. |
Was macht ein Market Maker?
Ein Market Maker stellt für dasselbe Wertpapier zur selben Zeit zwei Kurse: einen Geldkurs, zu dem er kauft, und einen Briefkurs, zu dem er verkauft. Der Briefkurs liegt über dem Geldkurs, die Differenz ist der Spread. Wer verkaufen will, findet im Market Maker einen Käufer, auch wenn gerade kein anderer Anleger kauft.
Die Definition steht in Artikel 4 Absatz 1 Nummer 7 MiFID II: eine Person, die an den Finanzmärkten fortlaufend ihre Bereitschaft zeigt, Finanzinstrumente mit eigenem Kapital für eigene Rechnung zu selbst gestellten Kursen zu kaufen und zu verkaufen. Ohne Juristendeutsch heißt das: ein Händler, der immer Kurse zeigt und das Risiko der Positionen trägt, die er dabei eingeht.
Was ist ein Market Maker bei Aktien und im Handel?
Im Aktienhandel hält ein Market Maker eine Aktie oder einen ETF an der Börse handelbar, indem er verbindliche Kurse ins Orderbuch stellt. Auf Xetra heißen diese Market Maker Designated Sponsors. Die Deutsche Börse beschreibt sie als Marktteilnehmer, die für weniger liquide Wertpapiere verbindliche Kauf- und Verkaufsangebote stellen. Eine Aktie, die die Xetra-Liquiditätskriterien verfehlt, braucht für die Zulassung zum Xetra-Handel mindestens einen Designated Sponsor, ein ETF-Emittent mindestens einen je Produkt.
An der Wiener Börse müssen Market Maker in den meisten Segmenten im Monatsschnitt mindestens 80 % der täglichen Beobachtungszeit von 9:00 bis 17:30 Uhr quotieren, in Mindestgrößen von 7.500 bis 35.000 Euro und mit einem Spread von höchstens 0,65 % bis 5 %. Liquiditätsgeber, die ihre Pflichten erfüllen, zahlen dort geringere Transaktionsentgelte.
Was ist Market Making nach MiFID II?
Nach MiFID II ist Market Making eine Strategie einer Firma mit algorithmischem Handel, und diese Strategie bringt Pflichten gegenüber dem Handelsplatz. Artikel 17 Absatz 4 beschreibt sie so: Die Firma stellt an einem oder mehreren Handelsplätzen feste, zeitgleiche Geld- und Briefkurse vergleichbarer Größe zu wettbewerbsfähigen Preisen und versorgt so den Gesamtmarkt regelmäßig und häufig mit Liquidität.
Eine solche Firma muss während eines festgelegten Teils der Handelszeit fortlaufend Kurse stellen und mit dem Handelsplatz eine verbindliche schriftliche Vereinbarung schließen (Artikel 17 Absatz 3). Nach der Delegierten Verordnung (EU) 2017/578 ist die Vereinbarung Pflicht, sobald eine Firma an der Hälfte der Handelstage eines Monats mindestens 50 % der täglichen Zeit des fortlaufenden Handels so quotiert.
Market Maker, Broker, Liquiditätsgeber: der Unterschied
Ein Market Maker handelt auf eigene Rechnung, ein Broker führt Aufträge für seine Kunden aus. MiFID II trennt beides: Artikel 4 Absatz 1 Nummer 5 regelt die Ausführung von Aufträgen im Namen von Kunden, Nummer 6 den Handel für eigene Rechnung. Ein Broker verdient eine Provision und trägt kein Kursrisiko. Ein Market Maker verdient den Spread und hält die Position.
Liquiditätsgeber (Liquidity Provider) ist der weitere Begriff. Die Wiener Börse nutzt ihn für jeden Teilnehmer mit Quotierungspflicht. Neben Market Makern und MiFID-Market-Makern kennt sie BBO Market Maker, die einen ganzen Korb von Instrumenten quotieren. Im fortlaufenden Handel mit Auktionen können bis zu drei Liquiditätsgeber ein Instrument quotieren.
Was ist ein Market Maker bei Krypto und DeFi?
Ein Market Maker bei Krypto stellt auf einer Handelsplattform für Kryptowerte Kauf- und Verkaufskurse, wie an einer Börse. Nach Artikel 76 Absatz 9 von MiCA muss ein Plattformbetreiber in der EU die Geld- und Briefkurse und die Markttiefe während der Handelszeit fortlaufend veröffentlichen.
Decentralized Finance ersetzt den Market Maker durch Software. Die Uniswap-Dokumentation beschreibt das Protokoll als „automated market maker (AMM)“, der ohne Orderbuch auskommt. Händler tauschen Token gegen einen Liquidity Pool, und der Pool setzt den Preis mit der Formel x * y = k, wobei x und y die Bestände der beiden Token sind. Ein im Verhältnis zum Pool großer Trade bewegt den Preis stärker als ein kleiner.
Market Maker in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland beantragt ein Handelsteilnehmer bei der Frankfurter Wertpapierbörse die Zulassung als Designated Sponsor auf Xetra. Xetra ist der Handelsplatz der Frankfurter Wertpapierbörse für Aktien, ETFs und ETPs, geöffnet von 9:00 bis 17:30 Uhr; Designated Sponsors ermöglichen dort fortlaufenden Handel in weniger liquiden Wertpapieren. Die BaFin beaufsichtigt Wertpapierinstitute, die Börsenaufsichtsbehörde Hessen den ordnungsgemäßen Handel an der Börse. In Österreich schließen Liquiditätsgeber einen Quotierungsvertrag mit der Wiener Börse, und die Börsenbetreiberin braucht nach § 3 Abs. 2 Börsegesetz 2018 eine Konzession der FMA. MiFID II gilt in beiden Ländern.
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, diese Regeln gelten dort nicht. SIX betreibt für ETFs, ETPs und Sponsored Funds einen Quote Driven Market, in dem die Kurse aus Quotes stammen und der Handel ruht, wenn kein Quote vorliegt. Börsen bewilligt die FINMA nach Artikel 4 des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- Europäische Union: Richtlinie 2014/65/EU über Märkte für Finanzinstrumente, 15. Mai 2014
- Europäische Union: Delegierte Verordnung (EU) 2017/578 zu Market-Making-Vereinbarungen und -Systemen, 13. Juni 2016
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte, 31. Mai 2023
- Deutsche Börse: Designated Sponsor and Market Maker, abgerufen am 29. September 2026
- Deutsche Börse: Designated Sponsor Requirements, abgerufen am 29. September 2026
- Wiener Börse: Market maker in trading, abgerufen am 29. September 2026
- SIX: On-order-book Trading, abgerufen am 29. September 2026
- Uniswap: How Uniswap works, abgerufen am 29. September 2026
- Deutsche Börse: Supervisory bodies of the Frankfurt Stock Exchange, abgerufen am 29. September 2026
- Republik Österreich, RIS: Börsegesetz 2018, § 3, Fassung vom 29. September 2026
- FINMA: Swiss financial market infrastructures, abgerufen am 29. September 2026
Über Finance Loop: Market Maker
Finance Loop ist der Treffpunkt für Händler, Market Maker und Börsenmitarbeiter, die Kurse für Aktien, ETFs und Token stellen. Das Netzwerk verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo Designated Sponsors auf Xetra, dem Handelsplatz der Frankfurter Wertpapierbörse, den fortlaufenden Handel in weniger liquiden Wertpapieren ermöglichen.
21X, ein Frankfurter Handelsplatz für tokenisierte Wertpapiere und seit März 2026 strategischer Partner von Finance Loop, nennt Market Maker und Handelsfirmen unter den Nutzern seines Handels- und Abwicklungssystems.