Was ist KI-Trading?

KI-Trading ist der Einsatz von maschinellem Lernen und anderen KI-Modellen, um Märkte zu analysieren und Orders in Finanzinstrumenten zu entscheiden, zeitlich zu steuern oder auszuführen. Legt das Modell die Parameter einer Order mit wenig oder ohne menschliches Zutun fest, gilt das im EU-Recht als algorithmischer Handel nach Artikel 17 MiFID II. Man spricht auch von KI im Wertpapierhandel.

KI-Trading im Überblick

BegriffKI-Trading, auch KI im Trading oder Trading mit künstlicher Intelligenz. Englisch: AI in trading.
EU-RechtRichtlinie 2014/65/EU (MiFID II): Definition des algorithmischen Handels in Art. 4 Abs. 1 Nr. 39, Pflichten der Firma in Art. 17.
Anwendung seit3. Januar 2018, nach der Verschiebung durch Richtlinie (EU) 2016/1034.
Eine ZahlIn einer ESMA-Umfrage von 2025 betrafen 10 von 847 gemeldeten KI-Anwendungsfällen den algorithmischen Handel und 3 den Hochfrequenzhandel (ESMA, 20. Februar 2026).
AufsichtBaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz.

Wie wird KI im Trading genutzt?

KI kommt in jeder Phase eines Geschäfts zum Einsatz: bei der Analyse vorab, bei der Entscheidung, bei der Ausführung und bei der Abwicklung danach. ESMA beschreibt die Rolle von KI im Handel in ihrem Artikel über KI an den EU-Wertpapiermärkten (ESMA, 1. Februar 2023).

PhaseKI im Trading
Analyse vor dem HandelSprachmodelle lesen Nachrichten und bilden daraus Stimmungsindikatoren; andere Modelle suchen Signale in Kursen.
AnlageentscheidungAlgorithmen, die Anlageentscheidungen treffen und selbst ausführen, genutzt von Hochfrequenzhändlern, Eigenhändlern und quantitativen Hedgefonds.
AusführungIm Aktienhandel schätzen Ausführungsalgorithmen den Markteinfluss einer großen Order und teilen sie in kleinere Orders auf, um die Kosten zu senken.
NachhandelModelle verteilen die Liquidität im Abwicklungszyklus.

Diese Beispiele für KI-Trading stammen von Brokern und Firmen der Buy-Side. ESMA zitiert außerdem einen Branchenbericht: Der algorithmische Handel von Banken und großen Market Makern außerhalb des Bankensektors beruhe meist noch auf relativ transparenten, regelbasierten Modellen.

Wie funktioniert KI-Trading unter MiFID II?

Unter MiFID II ist KI-Trading algorithmischer Handel, sobald das Modell die Parameter einer Order festlegt. Art. 4 Abs. 1 Nr. 39 definiert algorithmischen Handel als Handel, bei dem ein Computeralgorithmus einzelne Auftragsparameter automatisch bestimmt, etwa ob eine Order erteilt wird, wann, zu welchem Preis und in welcher Menge, mit wenig oder ohne menschliches Eingreifen. Ein System, das Orders nur an einen Handelsplatz weiterleitet, fällt nicht darunter.

Art. 17 regelt die Pflichten einer Wertpapierfirma, die so handelt:

  • Systeme und Risikokontrollen mit Handelsschwellen und Obergrenzen, die fehlerhafte Aufträge und einen gestörten Markt verhindern
  • Notfallvorkehrungen für den Geschäftsbetrieb sowie vollständig getestete und überwachte Systeme
  • eine Anzeige bei der zuständigen Behörde des Herkunftsmitgliedstaats und beim Handelsplatz
  • beim Hochfrequenzhandel zeitlich geordnete Aufzeichnungen aller Aufträge, auch der stornierten

Hochfrequenzhandel ist die Variante mit Kollokation oder anderem Zugang mit geringer Latenz, ohne menschliches Eingreifen bei einzelnen Aufträgen und mit hohem Mitteilungsaufkommen (Art. 4 Abs. 1 Nr. 40). Die Definition nennt keine Methode: Ein KI-Modell und ein festes Regelwerk fallen unter denselben Artikel.

Wie verbreitet ist quantitatives KI-Trading in der EU?

Quantitatives KI-Trading ist in der EU noch selten, verglichen mit anderen KI-Anwendungen. ESMA und 15 nationale Behörden befragten Finanzmarktteilnehmer zwischen Juni und September 2025; 728 Unternehmen antworteten, und 395 Firmen meldeten 847 KI-Anwendungsfälle.

Am häufigsten ging es um das Entwerfen und Zusammenfassen von Informationen, mit 239 Fällen oder 29 % der Gesamtzahl. Auf den algorithmischen Handel entfielen 10 Fälle, auf den Hochfrequenzhandel 3 und auf Robo-Advice 2. Laut ESMA sind solche Kernanwendungen im Investmentgeschäft noch relativ selten, die meisten stecken in der Entwicklung oder im Versuchsstadium (ESMA, 20. Februar 2026).

Welche Risiken hat KI-Trading?

Ein Risiko, das ESMA nennt: Viele Firmen nutzen ähnliche Modelle weniger Anbieter und handeln dann in dieselbe Richtung. ESMA verweist auf Studien, nach denen diese Konzentration im algorithmischen Handel systemische Risiken auslösen kann, durch Herdenverhalten, ähnliche Anlagestrategien und Kettenreaktionen, die in Schocks die Volatilität erhöhen. Konkrete Belege, dass KI diesen Prozess antreibt, gibt es laut ESMA noch nicht.

In ihrer Erklärung vom 30. Mai 2024 nennt ESMA weitere Risiken für Wertpapierfirmen: Verzerrungen durch Algorithmen, Datenqualität, undurchsichtige Entscheidungen von Mitarbeitern und zu viel Vertrauen von Firmen und Kunden in KI. Am 26. Februar 2026 gab ESMA den nationalen Behörden ein Supervisory Briefing zum algorithmischen Handel an die Hand. Es behandelt Pre-Trade-Kontrollen, Governance, Tests und Auslagerung und hat einen eigenen Abschnitt zum Einsatz von KI.

Handelsalgorithmen stehen nicht auf der Hochrisiko-Liste des EU AI Act. Anhang III Nummer 5 erfasst unter anderem die Kreditwürdigkeitsprüfung und die Preisbildung bei Lebens- und Krankenversicherungen.

KI-Trading in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Für den algorithmischen Handel in Deutschland setzt § 80 Abs. 2 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) Artikel 17 MiFID II um. Wer algorithmisch handelt, braucht Systeme, die nach Kapitel II von DORA belastbar sind und Handelsschwellen und Obergrenzen unterliegen. Die Aufsicht führt die BaFin.

Die Deutsche Börse betreibt die primären Back-End-Systeme ihrer Handelsplätze Xetra und Eurex im Rechenzentrum Equinix FR2 in Frankfurt. Über den Co-Location-Service der Deutschen Börse können Handelsfirmen eigene Server im selben Gebäude betreiben. Das ist der Zugang mit geringer Latenz, den Art. 4 Abs. 1 Nr. 40 MiFID II für den Hochfrequenzhandel nennt (Deutsche Börse).

In Österreich regelt § 27 des Wertpapieraufsichtsgesetzes 2018 (WAG 2018) dieselben Pflichten. Eine Firma, die algorithmisch handelt, muss das der FMA und der Behörde des Handelsplatzes melden. Die FMA kann eine Beschreibung ihrer algorithmischen Handelsstrategien verlangen.

Die Schweiz gehört nicht zur EU, MiFID II gilt dort nicht. Artikel 31 der Finanzmarktinfrastrukturverordnung (FinfraV) verlangt von Handelsplätzen, Aufträge aus algorithmischem Handel zu erkennen. Teilnehmer müssen solche Aufträge kennzeichnen und Risikokontrollen haben, die ihre Systeme innerhalb der Handelsschwellen halten. Die Aufsicht führt die FINMA. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Quellen

Über Finance Loop: KI im Wertpapierhandel

Finance Loop bringt Händler und Quants von Banken, Brokern und Vermögensverwaltern zusammen, die KI-Modelle im Handel einsetzen. Viele von ihnen arbeiten in Frankfurt: Dort betreibt die Deutsche Börse die Back-ends von Xetra und Eurex im Rechenzentrum Equinix FR2 und bietet Handelsfirmen Co-Location an.

Finance Loop unterstützte am 12. März 2026 das Meetup AI & Financial Market Data in Paris, einen Abend zu KI und Marktdaten. Unter den Sprechern waren drei Quant-Spezialisten der Deutschen Bank und der Leiter Financial Engineering von Amundi.

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