Was ist Kontrahentenrisiko?

Kontrahentenrisiko ist das Risiko, dass die andere Partei eines Geschäfts ausfällt, bevor das Geschäft abgewickelt ist. Die EU-Kapitaladäquanzverordnung nennt es Gegenparteiausfallrisiko (CCR) und definiert es in Artikel 272. Es entsteht aus Derivaten, Repos und Wertpapierleihe.

Kontrahentenrisiko im Überblick

BegriffGegenparteiausfallrisiko (CCR), auch Kontrahentenrisiko. Die MaRisk der BaFin sprechen bei den Limits von Kontrahentenlimiten.
Rechtliche DefinitionDas Risiko, dass die Gegenpartei eines Geschäfts vor der abschließenden Abwicklung der Zahlungen ausfällt (Artikel 272 Nummer 1 CRR).
EU-RechtVerordnung (EU) Nr. 575/2013 (CRR), Teil 3, Titel II, Kapitel 6; Verordnung (EU) Nr. 648/2012 (EMIR) für das Clearing.
Zentrales ClearingClearingpflicht für festgelegte Klassen von OTC-Derivaten (Artikel 4 EMIR).
Margins der CCPMüssen mindestens 99 % der Forderungsschwankungen über einen angemessenen Zeithorizont abdecken (Artikel 41 Absatz 1 EMIR).
AufsichtEZB für bedeutende Banken im Euroraum, BaFin und Bundesbank in Deutschland, FMA und OeNB in Österreich, FINMA in der Schweiz.

Was bedeutet Gegenparteiausfallrisiko?

Kontrahentenrisiko bedeutet, dass ein Handelspartner ausfällt, solange das Geschäft noch offen ist. Die Definition in Artikel 272 Nummer 1 CRR: das Risiko, dass die Gegenpartei eines Geschäfts vor der abschließenden Abwicklung der Zahlungen aus dem Geschäft ausfällt. Das Basler Rahmenwerk ergänzt, dass es um ein beidseitiges Verlustrisiko geht: Jede Seite kann am Ende Geld zu fordern haben (CRE51.2).

Das Basler Rahmenwerk nennt vier Beispiele für Quellen des Kontrahentenrisikos bei Banken: einen Kredit gegen Sicherheiten, ein Repo, bei dem die Bank Wertpapiere gegen Geld gibt, eine Wertpapierleihe gegen Geld und ein Derivat wie einen Swap oder eine Option. Bei einem Derivat kann sich der Wert mit den zugrunde liegenden Marktfaktoren im Zeitverlauf ändern (CRE51.3). Das ist das Kontrahentenrisiko bei Derivaten: Heute schuldet die Bank, nächsten Monat kann sie Gläubigerin sein.

Was ist der Unterschied zwischen Kontrahentenrisiko und Kreditrisiko?

Kontrahentenrisiko ist eine Form des Kreditrisikos, bei der die Forderung in beide Richtungen laufen kann und sich mit den Marktpreisen bewegt. Ein Kredit belastet nur den Kreditgeber; das Basler Rahmenwerk nennt diese Forderung einseitig (CRE51.3). Gemessen am Kreditrisiko im engen Sinn eines Kredits unterscheidet sich das Kontrahentenrisiko in fünf Punkten.

MerkmalKreditrisiko eines KreditsGegenparteiausfallrisiko
Wer verlieren kannNur der KreditgeberBeide Seiten
Höhe der ForderungDer verliehene Betrag, vorab bekanntÄndert sich bis zur Abwicklung mit den Marktpreisen
Typische GeschäfteKredite, Anleihen, GarantienDerivate, Repos, Wertpapierleihe, Wertpapierkredite
CRRTeil 3, Titel II, Kapitel 2 und 3Teil 3, Titel II, Kapitel 6 (ab Artikel 272)
Wichtigste MinderungSicherheiten, GarantienNetting, Margins, zentrales Clearing

Wie unterscheidet sich Kontrahentenrisiko vom Abwicklungsrisiko?

Kontrahentenrisiko ist ein Ausfall vor der Abwicklung; Abwicklungsrisiko ist ein Ausfall bei der Abwicklung, wenn eine Seite geliefert hat und die andere nicht. Die CRR regelt die Eigenmittel für das Abwicklungsrisiko in Teil 3, Titel V. Für ein Geschäft, das nach dem Fälligkeitstag noch offen ist, wendet Artikel 378 einen Faktor auf die Preisdifferenz an: 8 % bei 5 bis 15 Arbeitstagen Verzug, bis zu 100 % ab 46 Arbeitstagen. Artikel 379 regelt Vorleistungen, bei denen eine Bank gezahlt oder geliefert hat, bevor sie die Gegenleistung erhält.

Wie senkt zentrales Clearing nach EMIR das Kontrahentenrisiko?

Beim zentralen Clearing tritt eine zentrale Gegenpartei (CCP) zwischen die beiden Seiten, sodass jeder Händler nur der CCP gegenübersteht. EMIR definiert eine CCP als juristische Person, die Käufer für jeden Verkäufer und Verkäufer für jeden Käufer wird (Artikel 2 Nummer 1). Artikel 4 verpflichtet Gegenparteien, OTC-Derivate der Klassen zu clearen, für die eine Clearingpflicht gilt, etwa zwischen zwei finanziellen Gegenparteien.

Die CCP fordert Margins ein, die Verluste aus mindestens 99 % der Forderungsschwankungen über einen angemessenen Zeithorizont decken müssen (Artikel 41 Absatz 1). Fällt ein Clearingmitglied aus, nutzt die CCP zuerst dessen Margins, dann dessen Beitrag zum Ausfallfonds (Artikel 45). Für OTC-Derivate ohne Clearing verlangt Artikel 11 eine tägliche Bewertung zu Marktpreisen und einen rechtzeitigen Austausch von Sicherheiten.

Was ist Kontrahentenrisikomanagement?

Das Management des Kontrahentenrisikos setzt für jeden Handelspartner ein Limit und misst, wie weit es ausgeschöpft ist. Die MaRisk der BaFin erlauben Geschäfte grundsätzlich nur mit Kontrahenten, für die ein Kontrahentenlimit besteht, und jedes Geschäft mit dieser Partei wird darauf angerechnet, Wiedereindeckungs- und Erfüllungsrisiken eingeschlossen (BTR 1). Der Basler Ausschuss hat im November 2024 Leitlinien für das Management des Gegenparteiausfallrisikos beschlossen und im Folgemonat veröffentlicht. Sie reagieren auf Schwächen, die Stressphasen bei Finanzintermediären außerhalb des Bankensektors offengelegt haben (BIZ, 20. November 2024).

Was ist Kontrahentenrisiko bei Kryptowerten?

Bei Kryptowerten ist Kontrahentenrisiko das Risiko, dass die Börse oder der Verwahrer, bei dem die Coins eines Kunden liegen, ausfällt. Die MiCA begrenzt es: Nach Artikel 75 Absatz 7 sind verwahrte Kryptowerte rechtlich vom Vermögen des Anbieters getrennt, sodass dessen Gläubiger in einer Insolvenz keinen Zugriff darauf haben. Für Banken hält der Basler Standard für Kryptowerte fest, dass der Rücktauschprozess eines Stablecoins ein Kontrahentenrisiko hinzufügen kann, das bei einer direkten Position in einem traditionellen Vermögenswert nicht besteht (SCO60.39).

Kontrahentenrisiko in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland und Österreich gelten CRR und EMIR unmittelbar. In Deutschland teilen sich Bundesbank und BaFin die Bankenaufsicht, und die MaRisk regeln den Limitprozess. In Österreich beaufsichtigt die FMA die Banken mit der OeNB (OeNB).

Eine solche CCP sitzt im Raum Frankfurt. Die Eurex Clearing AG ist beim Amtsgericht Frankfurt am Main eingetragen, hat ihre Büros in Eschborn und wird von der BaFin als Kreditinstitut beaufsichtigt (Eurex Clearing, Impressum). Sie tritt zwischen Käufer und Verkäufer, betreut rund 200 Clearingmitglieder in 22 Ländern und cleart Geschäfte im Wert von mehr als 11 Billionen Euro im Monat (Eurex Clearing).

Die Schweiz gehört nicht zur EU, EMIR gilt dort nicht. Das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG), in Kraft seit dem 1. Januar 2016, enthält Regeln, die die FINMA als sehr ähnlich beschreibt: Abrechnung von OTC-Derivaten über eine CCP (Artikel 97 Absatz 1 FinfraG), Meldung an ein Transaktionsregister (Artikel 104 Absatz 1) und Risikominderung bei OTC-Derivaten (Artikel 107 Absatz 1) (FINMA-Aufsichtsmitteilung 01/2016). Diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Über Finance Loop: Kontrahentenrisiko

Finance Loop ist der Treffpunkt für Clearing-Fachleute und Risikomanager, die für jeden Handelspartner ein Limit setzen. Finance Loop verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo Eurex Clearing eingetragen ist. Eurex Clearing steht für rund 200 Clearing-Mitglieder zwischen Käufer und Verkäufer.

Finance Loop hat mit 21X eine strategische Kooperation. 21X eröffnete am 8. September 2025 das erste voll regulierte DLT-Handels- und Abwicklungssystem der EU. Es wickelt tokenisierte Aktien, Anleihen und Fonds per Smart Contract atomar ab. 21X spricht von Handel ohne Kontrahenten- und Kreditrisiko.

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