Was sind tokenisierte Fonds?

Tokenisierte Fonds sind Investmentfonds, deren Anteile als Token auf einem Distributed Ledger erfasst sind. Der Fonds hält weiter Anleihen, Aktien oder Geldmarktinstrumente; nur das Register der Anteilsinhaber ändert sich. Im deutschen Recht heißen solche Anteile Kryptofondsanteile nach der KryptoFAV.

Tokenisierte Fonds kompakt

BegriffTokenisierter Fonds, auch Fonds-Token: ein Fonds, dessen Anteilsregister auf einem Ledger liegt. Deutsch: Kryptofondsanteil
Deutsches RechtVerordnung über Kryptofondsanteile (KryptoFAV) vom 3. Juni 2022, gestützt auf § 95 Abs. 5 KAGB
EU-RechtOGAW-Anteile mit weniger als 500 Mio. Euro verwaltetem Vermögen dürfen auf eine DLT-Marktinfrastruktur (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EU) 2022/858)
AufsichtBaFin, FMA, FINMA
Typisches BeispielGeldmarktfonds, die in US-Schatzwechsel investieren (FSB)
Eine ZahlMehr als 1 Mrd. US-Dollar in tokenisierten Geldmarktprodukten auf öffentlichen Blockchains im Mai 2024, etwa doppelt so viel wie im Mai 2023 (FSB)

Wie arbeiten tokenisierte Fonds?

Tokenisierte Fonds funktionieren wie andere Fonds, mit einem Unterschied: Die Transferstelle oder die Verwahrstelle führt das Anteilsregister auf einem Ledger. Die Tokenisierung ändert den Eigentumsnachweis, Portfolio und Fondsstruktur bleiben gleich. Das FSB schreibt zu Geldmarktfonds: „it is the shares of the fund itself that are being tokenised, and not the assets (such as Treasuries) in which the fund predominantly invests“ (FSB, 22. Oktober 2024).

Ein Beispiel ist der Franklin OnChain U.S. Government Money Fund. Laut Kurzprospekt vom 1. August 2025 führt die Transferstelle das offizielle Anteilsregister in einem eigenen, an die Blockchain angebundenen System, das eine oder mehrere öffentliche Blockchains nutzt. Sie lässt Wallets über eine Whitelist zu, kann Fehler berichtigen und Übertragungen beschränken. Im Prospekt steht auch: „The recording of Fund shares on the blockchain will not affect the Fund's investments.“

Was sind tokenisierte Geldmarktfonds?

Tokenisierte Geldmarktfonds sind Geldmarktfonds, deren Anteile als Token existieren. Das FSB beschreibt sie als Token für einen Anspruch auf einen Geldmarktfonds, der in Finanzwerte wie Schatzwechsel investiert. Der Franklin-Fonds legt mindestens 99,5 % seines Vermögens in US-Staatspapiere, Bargeld und voll besicherte Pensionsgeschäfte an und strebt einen stabilen Anteilspreis von 1,00 US-Dollar an.

Warum sollte ein Anbieter Geldmarktfondsanteile auf einen Ledger bringen? Das FSB nennt allgemeine Argumente der Befürworter: digitale Kanäle rund um die Uhr und weniger Hürden, einen Wert als Sicherheit zu nutzen. Viele dieser Vorteile seien aber noch nicht voll belegt („have yet to be fully proven“). Ein tokenisierter Treasury-Fonds unterliegt dem Wertpapierrecht; ein Stablecoin fällt unter MiCA, als E-Geld-Token oder vermögenswertreferenzierter Token, auch auf derselben Blockchain.

Tokenisierte Fonds und ETFs: Was ist der Unterschied?

Ein ETF ist ein Fonds, dessen Anteile an der Börse gehandelt werden; ein tokenisierter Fonds ist ein Fonds, dessen Anteilsregister auf einem Ledger liegt. Die beiden Merkmale sind voneinander unabhängig. Der Franklin-Fonds oben ist ein Geldmarkt-Publikumsfonds mit tokenisiertem Register. In Europa lässt die DLT-Pilotregelung der EU OGAW-Anteile auf einem DLT-Handelsplatz zu, wenn der Fonds weniger als 500 Mio. Euro verwaltet.

Sind tokenisierte Fonds sicher?

Ein tokenisierter Fonds trägt die Risiken des Fonds und die seines Ledgers. Der Franklin-Prospekt nennt die Blockchain-Technik für Publikumsfonds „relatively new and still evolving“. Das CPMI schreibt, dass bei tokenisierten Werten das Verwahrrisiko „may therefore apply to both the token and any underlying assets“ (BIS CPMI, 21. Oktober 2024). Zu beachten ist daher der Prospekt: Er nennt, wer das Register führt und berichtigt und wer das Fondsvermögen verwahrt. Diese Seite ist keine Anlageberatung.

Tokenisierte Fonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland erlaubt die KryptoFAV, die Anteile eines Sondervermögens oder einzelne Anteilklassen ganz oder teilweise als Kryptofondsanteile zu begeben (§ 1). Das sind elektronische Anteilscheine in einem Kryptowertpapierregister, für die Teile des eWpG gelten, das die Tokenisierung im deutschen Wertpapierrecht regelt (§ 2). Das Register führt die Verwahrstelle oder ein von ihr beauftragtes Unternehmen mit Erlaubnis für die Kryptowertpapierregisterführung nach KWG oder Wertpapierinstitutsgesetz (§ 3).

In Österreich können OGAW-Anteile nach der unmittelbar geltenden DLT-Pilotregelung der EU auf DLT-Marktinfrastrukturen gehandelt werden. Zuständig für Kryptowerte ist nach dem MiCA-VVG die FMA.

In Frankfurt hat die EZB am 21. September 2026 Pontes gestartet. Der Dienst wickelt Großbetragsgeschäfte mit tokenisierten Werten in Zentralbankgeld ab; DekaBank und DZ Bank gehören zu den ersten Teilnehmern (EZB, 21. September 2026).

In der Schweiz muss das Vermögen Schweizer kollektiver Kapitalanlagen nach Art. 72 KAG bei einer Schweizer Depotbank liegen, laut FINMA grundsätzlich auch direkte Anlagen in kryptobasierte Vermögenswerte (FINMA-Aufsichtsmitteilung 01/2026, 12. Januar 2026). Diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Quellen

Über Finance Loop: tokenisierte Fonds

Finance Loop ist der Treffpunkt für Fondsmanager und Verwahrstellen, die das Anteilsregister eines Fonds auf ein Ledger bringen. Das Netzwerk verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt und in ganz Deutschland, wo die KryptoFAV vom 3. Juni 2022 erlaubt, Fondsanteile als Kryptofondsanteile auszugeben.

Finance Loop war Partner des Forums für Digitale Vermögenswerte am 26. Februar 2026, eines deutschsprachigen Forums für Investmentfonds, Family Offices und Vermögensverwalter. Zu seinen Themen gehörten tokenisierte Wertpapiere und digitale Verwahrung.

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