Was ist Tokenisierung von Assets?
Die Tokenisierung von Vermögenswerten ist der Vorgang, eine Anleihe, eine Aktie, einen Fondsanteil oder einen Sachwert als digitalen Token auf einem programmierbaren Ledger zu erfassen. Der Token trägt den Eigentumsnachweis und kann Regeln für Übertragung und Zahlung enthalten. Englisch heißt das asset tokenization.
Tokenisierung in Kürze
| Begriff | Tokenisierung von Vermögenswerten, englisch: asset tokenization. Die BIZ beschreibt die Bedeutung als Erzeugung und Erfassung einer digitalen Abbildung traditioneller Vermögenswerte auf einer programmierbaren Plattform |
|---|---|
| EU-Recht | Ein tokenisiertes Finanzinstrument bleibt ein Finanzinstrument (Artikel 4 Absatz 1 Nummer 15 MiFID II, geändert durch Verordnung (EU) 2022/858) |
| DLT-Pilotregime | Gilt seit 23. März 2023 |
| Deutsches Recht | Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG), in Kraft seit 10. Juni 2021 |
| Aufsicht | BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz |
| Eine Zahl | 2,15 Mrd. US-Dollar: geschätzter Marktwert tokenisierter Werte auf öffentlichen Blockchains im Mai 2023, zitiert vom FSB |
Was bedeutet Tokenisierung von Vermögenswerten?
Tokenisierung von Vermögenswerten bedeutet, dass der Eigentumsnachweis von einer Papierurkunde oder einer Bankdatenbank in einen Token auf einem gemeinsamen Ledger wandert. Das Financial Stability Board stellt fest, dass es für Tokenisierung keine allgemein anerkannte Definition gibt, und beschreibt zwei Formen (FSB, 22. Oktober 2024). Bei der ersten erzeugt ein Emittent den Wert direkt auf dem Ledger, etwa eine Anleihe. Bei der zweiten ist der Token die digitale Abbildung eines anderswo ausgegebenen Werts, etwa eines Gebäudes oder eines Fondsanteils bei einer Verwahrstelle.
Eine Blockchain ist eine Art von Ledger, und Tokenisierung ist das, was ein Emittent darauf tut. Der CPMI nennt die Distributed-Ledger-Technologie als heute prominente Plattform und stellt klar, dass sein Bericht keine bestimmte Technologie empfiehlt (BIZ CPMI, 21. Oktober 2024).
Wie funktioniert die Tokenisierung?
Die Tokenisierung von Assets lässt sich am einfachsten in sechs Schritten erklären, vom Recht zum Token und zurück zum Anleger.
- Rechtsform. Der Emittent legt fest, wofür der Token steht: für den Wert selbst, wie beim Kryptowertpapier nach dem deutschen eWpG, oder für einen Anspruch auf einen Wert außerhalb des Ledgers.
- Verwahrung. Ein Wert außerhalb des Ledgers geht an eine Verwahrstelle oder eine Zweckgesellschaft.
- Ausgabe. Ein Smart Contract auf dem Ledger erzeugt die Token und erfasst die ersten Inhaber.
- Vertrieb. Der Emittent prüft Anleger und lässt ihre Wallets zu. Laut ESMA macht eine Übertragung nur an freigegebene Adressen einen Token nicht schon deshalb zu etwas anderem als einem übertragbaren Wertpapier (ESMA, 19. März 2025).
- Handel und Abwicklung. Token wechseln an einem Handelsplatz oder bilateral den Besitzer, bezahlt mit Zentralbankgeld, tokenisierten Einlagen oder Stablecoins.
- Laufende Betreuung. Kupons, Dividenden und Fondspreise kommen auf das Ledger, oft über ein Blockchain-Orakel.
Wie man einen Wert in der Praxis tokenisiert, hängt vom Recht des Landes ab, in dem Wert und Emittent sitzen.
Was lässt sich tokenisieren?
Finanzwerte und Sachwerte lassen sich beide tokenisieren. Das FSB nennt diese Beispiele (FSB, 22. Oktober 2024):
| Gruppe | Beispiele für Tokenisierung |
|---|---|
| Abwicklungswerte | Tokenisierte Bankeinlagen, Stablecoins zur Abwicklung |
| Finanzwerte | Geldmarktfondsanteile, Unternehmensanleihen und Aktien, Anteile an einem REIT |
| Sachwerte | Bruchteile an Immobilien, Bruchteile an Gold |
Der CPMI nennt tokenisierte Anleihen, tokenisierte Geschäftsbankeinlagen und tokenisierte Repos als Projekte regulierter Institute. Tokenisierte Wertpapiere haben eine eigene Seite: Was sind tokenisierte Wertpapiere?
Warum tokenisieren, und wo liegt das Risiko?
Die Initiatoren von Tokenisierungsprojekten nennen laut FSB schnellere Abwicklung und weniger Intermediäre als Gründe. Als mögliche Vorteile listet das FSB atomare Abwicklung, bei der ein Teil nur abgewickelt wird, wenn auch der andere abgewickelt wird, automatisierte Nachhandelsprozesse, kleinere Anlagebeträge durch Bruchteilseigentum und leichter prüfbare Aufzeichnungen. Das FSB fügt hinzu, dass viele der behaupteten Vorteile noch nicht voll belegt sind und dass atomare Abwicklung den Liquiditätsbedarf der Marktteilnehmer erhöhen kann.
Das Verwahrrisiko bleibt nach der Tokenisierung. Laut CPMI kann es sowohl den Token als auch die zugrunde liegenden Werte betreffen. Wer einen Token auf eine Anleihe bei einer Verwahrstelle hält, trägt auch das Verwahrrisiko dieser Stelle.
Tokenisierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Deutschland hat mit dem eWpG ein Gesetz für elektronische Wertpapiere. Danach kann ein Emittent eine Anleihe oder Aktie als elektronisches Wertpapier begeben, und ein elektronisches Wertpapier gilt als Sache im Sinne des BGB (§ 2). Ein Kryptowertpapier steht in einem Kryptowertpapierregister, das Daten vor unbefugter Löschung und nachträglicher Änderung schützen muss (§ 16). Das Führen eines solchen Registers ist eine Finanzdienstleistung, für die eine BaFin-Erlaubnis nach § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 8 KWG nötig ist. Von der EZB in Frankfurt aus startete das Eurosystem am 21. September 2026 Pontes: Darüber werden Großbetragsgeschäfte mit tokenisierten Werten in Zentralbankgeld abgewickelt; längere Betriebszeiten und alle Funktionen sollen bis 2028 folgen.
In Österreich gelten die EU-Regeln unmittelbar: Das DLT-Pilotregime ist eine Verordnung, die in allen Mitgliedstaaten unmittelbar gilt, und die FMA ist nach § 1 MiCA-VVG die zuständige Behörde für Kryptowerte.
Die Schweiz erlaubt Registerwertrechte seit 1. Februar 2021 und DLT-Handelssysteme seit 1. August 2021. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen nennt BX Digital als erstes von der FINMA bewilligtes DLT-Handelssystem (2025) und eine digitale Anleihe der Weltbank über 200 Mio. Franken, abgewickelt in Zentralbankgeld der SNB (2024). Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- BIZ, Committee on Payments and Market Infrastructures: Tokenisation in the context of money and other assets: concepts and implications for central banks, 21. Oktober 2024
- Financial Stability Board: The Financial Stability Implications of Tokenisation, 22. Oktober 2024
- Europäische Zentralbank: Eurosystem brings central bank money to tokenised finance, 21. September 2026
- ESMA: Guidelines on the conditions and criteria for the qualification of crypto-assets as financial instruments, 19. März 2025
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2022/858 über eine Pilotregelung für auf Distributed-Ledger-Technologie basierende Marktinfrastrukturen, 30. Mai 2022
- Deutschland: Gesetz über elektronische Wertpapiere, 3. Juni 2021
- Deutschland: Kreditwesengesetz, § 1, Fassung vom 12. Mai 2026
- Österreich: MiCA-Verordnung-Vollzugsgesetz, BGBl. I Nr. 111/2024
- Staatssekretariat für internationale Finanzfragen: DLT / Blockchain / Tokenisierung, Bundesratsmitteilungen vom 11. Dezember 2020 und 18. Juni 2021
Über Finance Loop: Tokenisierung
Finance Loop ist der Treffpunkt für Emittenten und Verwahrer, die Anleihen, Fondsanteile und andere Vermögenswerte auf ein Ledger bringen. Das Netzwerk verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt und in ganz Deutschland, wo das eWpG seit dem 10. Juni 2021 Anleihen und Aktien als elektronische Wertpapiere zulässt.
CoreLedger, ein Softwarehaus für Tokenisierungstechnik, ist seit Dezember 2024 Partner von Finance Loop. Finance Loop war Partner des Point Zero Forum 2026 in Zürich, dessen Programm den Weg der Tokenisierung vom Pilotprojekt in den Einsatz behandelte.