Marktrisiko vs. Kreditrisiko: Was ist der Unterschied?
Marktrisiko ist das Risiko von Verlusten durch Bewegungen der Marktpreise; Kreditrisiko ist das Risiko, dass ein Kreditnehmer oder Vertragspartner nicht wie vereinbart zahlt. Eine Anleihe trägt beide: Ihr Kurs fällt, wenn die Zinsen steigen, und ihr Emittent kann ausfallen. In der Aufsicht heißen sie Marktpreisrisiko und Adressenausfallrisiko.
Marktrisiko und Kreditrisiko im Überblick
| Begriffe | Marktrisiko, aufsichtlich Marktpreisrisiko. Kreditrisiko, in der MaRisk Adressenausfallrisiko. |
|---|---|
| Basler Definitionen | Marktrisiko: das Risiko von Verlusten aus Bewegungen der Marktpreise (MAR11.1). Kreditrisiko: die Möglichkeit, dass ein Kreditnehmer oder Kontrahent seine Pflichten nicht vertragsgemäß erfüllt (Basler Ausschuss, 2000). |
| EU-Recht | Verordnung (EU) Nr. 575/2013 (CRR), Teil 3: Titel II für das Kreditrisiko, Titel IV für das Marktrisiko. |
| Interne Modelle | Für beide mit Erlaubnis der Aufsicht zulässig. Marktrisikomodelle rechnen mit dem Expected Shortfall zum 97,5-%-Perzentil (MAR33.3). |
| Aufsicht | EZB für bedeutende Banken im Euroraum, BaFin und Bundesbank in Deutschland, FMA und OeNB in Österreich, FINMA in der Schweiz. |
Was ist der Unterschied zwischen Marktrisiko und Kreditrisiko?
Der Unterschied liegt in der Ursache des Verlusts: Marktrisiko entsteht aus Preisen, Kreditrisiko aus einer Partei, die nicht zahlt. Die Tabelle zeigt, wie das Basler Rahmenwerk und die CRR beide Risikoarten einer Bank behandeln.
| Merkmal | Marktrisiko | Kreditrisiko |
|---|---|---|
| Ursache | Bewegungen bei Zinsen, Kreditspreads, Aktienkursen, Wechselkursen, Rohstoffpreisen | Ein Kreditnehmer oder Vertragspartner zahlt nicht wie vereinbart |
| Wichtigste Positionen | Handelsbuch; Fremdwährungs- und Rohstoffpositionen auch im Anlagebuch | Kredite, Anleihen, Garantien, Derivate-Kontrahenten |
| Basler Kapitel | MAR | CRE |
| CRR | Teil 3, Titel IV | Teil 3, Titel II |
| Standardmethode | Sensitivitätsbasierte Methode plus Ausfallrisikoanforderung | Feste Risikogewichte je Forderungsklasse |
| Internes Modell | Auf internen Modellen beruhender Ansatz, Zulassung je Handelstisch (MAR30.4) | IRB-Ansatz mit eigenen Schätzungen der Ausfallparameter (CRE30) |
| MaRisk-Modul | BTR 2 Marktpreisrisiken | BTR 1 Adressenausfallrisiken |
Was ist Marktrisiko bei Banken?
Bei Banken ist Marktrisiko das Risiko, dass Positionen an Wert verlieren, weil sich Marktpreise bewegen. Das Basler Rahmenwerk nennt die Arten, die Eigenkapital brauchen: Ausfallrisiko, Zinsrisiko, Kreditspreadrisiko, Aktienrisiko, Fremdwährungsrisiko und Rohstoffrisiko für Instrumente des Handelsbuchs sowie Fremdwährungs- und Rohstoffrisiko für das Anlagebuch (MAR11.1). Das sind die Risikofaktoren, die die Kapitalregeln abdecken. Außerhalb der Banken hat Marktrisiko dieselben Ursachen: Ein Fonds mit Aktien trägt Aktienrisiko.
Ein Beispiel für Marktrisiko: Eine Bank aus dem Euroraum hält US-Dollar-Anleihen im Handelsbuch. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, verliert die Position in Euro an Wert, auch wenn der Emittent jeden Kupon zahlt. Fällt der Emittent aus, ist dieser Verlust Kreditrisiko.
Wie wird Marktrisiko gemessen?
Marktrisiko wird mit einem Standardansatz gemessen oder, mit Erlaubnis der Aufsicht, mit einem internen Modell. Der Standardansatz des Basler Rahmenwerks beruht auf Sensitivitäten je Risikofaktor, dazu kommt eine Ausfallrisikoanforderung. Im Modellansatz braucht eine Bank die Zulassung für jeden Handelstisch (MAR30.4) und berechnet den Expected Shortfall mit einem einseitigen Konfidenzniveau von 97,5 % (MAR33.3).
Das Ergebnis ist die Eigenmittelanforderung für Marktrisiken in Säule 1. Artikel 92 Absatz 3 CRR rechnet sie in den Gesamtrisikobetrag ein, neben die risikogewichteten Positionsbeträge (RWA) für das Kreditrisiko. In der Bank arbeitet das Marktrisikomanagement mit Limits: Nach den MaRisk der BaFin darf kein Geschäft mit Marktpreisrisiken ohne Limit abgeschlossen werden (BTR 2.1). Beim Kreditrisiko darf kein Kredit ohne Limit für den Kreditnehmer vergeben werden (BTR 1).
Wo gehören Zinsrisiko und Kreditspreads hin?
Zinsrisiko und Kreditspreadrisiko sind Marktrisiken, wenn die Position im Handelsbuch liegt (MAR11.1). Marktrisiko und Zinsrisiko unterscheiden sich also im Umfang: Das Zinsrisiko ist einer von mehreren Risikofaktoren. Im Anlagebuch behandeln die MaRisk es in Modul BTR 2.3, „Marktpreisrisiken des Anlagebuches (einschließlich Zinsänderungsrisiken)“.
Kreditrisiko und Zinsrisiko: Ein Festzinskredit verliert an Wert, wenn die Zinsen steigen, auch wenn der Kreditnehmer voll zahlt. Dieser Verlust ist Zinsrisiko. Der Verlust, wenn der Kreditnehmer nicht mehr zahlt, ist Kreditrisiko. Derivate verbinden beides: Was ein Kontrahent schuldet, schwankt mit den Marktpreisen. Das Basler Rahmenwerk spricht von einem beidseitigen Verlustrisiko (CRE51.2). Das ist das Kontrahentenrisiko.
Wie gelten beide Risiken für Kryptowerte?
Hält eine Bank Kryptowerte, trägt sie beide Risiken. Artikel 5a Absatz 3 CRR, eingefügt durch die Verordnung (EU) 2024/1623, definiert eine Kryptowerte-Risikoposition als Posten, der Kreditrisiko, Gegenparteiausfallrisiko, Marktrisiko, operationelles Risiko oder Liquiditätsrisiko verursacht. Der Basler Standard für Kryptowerte gilt seit dem 1. Januar 2026. Er hat getrennte Kapitalregeln für Kredit- und Marktrisiko bei Kryptowerten der Gruppe 1 und ein Risikogewicht von 1.250 % für Gruppe 2b (SCO60).
Markt- und Kreditrisiko in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland und Österreich gilt die CRR unmittelbar, und die EZB beaufsichtigt die bedeutenden Banken. Das MaRisk-Rundschreiben 06/2024 (BA) der BaFin vom 29. Mai 2024 zählt Adressenausfallrisiken und Marktpreisrisiken zu den Risiken, die eine Bank mindestens als wesentlich behandeln muss (AT 2.2). In Österreich beaufsichtigen FMA und OeNB die weniger bedeutenden Banken (OeNB).
Anleger im Euroraum sichern Zinsrisiken, also Marktrisiken, mit Futures auf Bundeswertpapiere ab. Gehandelt werden diese Futures an der Eurex, der Terminbörse der Gruppe Deutsche Börse, betrieben von der Eurex Frankfurt AG (Finanzagentur, Eurex). Der Euro-Bund-Future hat einen Kontraktwert von 100.000 Euro und bezieht sich auf Anleihen mit 8,5 bis 10,5 Jahren Restlaufzeit (Eurex).
Die Schweiz gehört nicht zur EU, die CRR gilt dort nicht. Seit dem 1. Januar 2025 regeln die Kreditrisikoverordnung (KRV-FINMA) und die Marktrisikoverordnung (MarV-FINMA) der FINMA die technischen Details. Die MarV-FINMA umfasst den Standardansatz, den Modellansatz und einen vereinfachten Standardansatz (FINMA, 27. März 2024). Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- BIZ: Basel Framework, MAR11 Definitions and application of market risk, gültig ab 1. Januar 2023
- BIZ: Basel Framework, MAR30 Internal models approach: general provisions, gültig ab 1. Januar 2023
- BIZ: Basel Framework, MAR33 Internal models approach: capital requirements calculation, gültig ab 1. Januar 2023
- BIZ: Basel Framework, CRE30 IRB approach: overview and asset class definitions, gültig ab 1. Januar 2023
- BIZ: Basel Framework, CRE51 Counterparty credit risk overview, gültig ab 1. Januar 2023
- BIZ: Basel Framework, SCO60 Cryptoasset exposures, gültig ab 1. Januar 2026
- Basler Ausschuss für Bankenaufsicht: Principles for the Management of Credit Risk, 27. September 2000
- Europäische Union: Verordnung (EU) Nr. 575/2013 über Aufsichtsanforderungen an Kreditinstitute, 26. Juni 2013
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1623 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 575/2013, 31. Mai 2024
- BaFin: Rundschreiben 06/2024 (BA), Mindestanforderungen an das Risikomanagement, 29. Mai 2024
- Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur: Terminmarkt, abgerufen am 29. September 2026
- Eurex: About us, abgerufen am 29. September 2026
- Eurex: Euro-Bund Futures (FGBL), abgerufen am 29. September 2026
- Oesterreichische Nationalbank: How banking supervision is organized in Austria, aktualisiert am 1. Juli 2026
- FINMA: FINMA veröffentlicht Verordnungen zur Umsetzung der finalen Basel-III-Standards, 27. März 2024
Über Finance Loop: Marktrisiko und Kreditrisiko
Finance Loop ist der Treffpunkt für Händler und Risikocontroller in Banken, die Markt- und Kreditrisiko nebeneinander messen. Finance Loop verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo die Eurex Frankfurt AG die Derivatebörse Eurex betreibt. Ihr Euro-Bund-Future ist ein gängiges Mittel gegen Zinsänderungsrisiken.
Die Frankfurt School of Finance & Management hat das Frankfurt Quantum Finance Forum am 19. Juni 2026 veranstaltet, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank, IBM, Finance Loop und Finteda. Die Seite zum Forum nennt Risikomodellierung als Anwendung von Quantencomputing im Finanzwesen.