Was ist ein Robo-Advisor?
Ein Robo-Advisor ist ein Online-Dienst, der mit einem Algorithmus Anlageberatung leistet oder ein Portfolio verwaltet, mit wenig oder ohne menschlichen Kontakt. Der Kunde füllt einen Fragebogen aus, und das System schlägt eine Anlagestrategie vor oder setzt sie um, oft mit ETFs. Die ESMA nennt den Dienst Robo-Advice.
Robo-Advisor in Kürze
| Begriff | Robo-Advisor, Robo-Advice, Robo Advisory. Englisch: robo-advisor, robo-advice. |
|---|---|
| ESMA-Definition | Anlageberatung oder Portfolioverwaltung, ganz oder teilweise erbracht über ein automatisiertes oder halbautomatisiertes System, das der Kunde selbst bedient (ESMA35-43-3172). |
| EU-Recht | Artikel 25 Absatz 2 der Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II): Eignungsprüfung. |
| ESMA-Leitlinien | Leitlinien zu einigen Aspekten der MiFID-II-Anforderungen an die Eignung, ESMA35-43-3172, vom 23. September 2022; alle Sprachfassungen seit 3. April 2023. |
| Aufsicht | BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz. |
| Eine Zahl | 2 Robo-Advice-Anwendungen unter 833 KI-Anwendungen, die 395 Firmen in einer EU-Umfrage im Sommer 2025 meldeten (ESMA, 20. Februar 2026). |
Wie arbeiten Robo-Advisor?
Ein Robo-Advisor arbeitet mit einem Online-Fragebogen und einem Algorithmus. Die BaFin beschreibt den Ablauf: Der Kunde beantwortet Fragen zum Anlagebetrag, zu Kenntnissen und Erfahrungen und zur Risikobereitschaft. Ein Algorithmus macht daraus eine Anlagestrategie oder ein Musterportfolio. Die Strategie setzt meist auf ETFs.
Bei der automatisierten Finanzportfolioverwaltung führt ein Verwalter das Portfolio danach laufend im Rahmen der vereinbarten Richtlinien. Auch Vorschläge zum Rebalancing kommen vom Algorithmus, umgesetzt wurden sie laut BaFin bisher aber meist von Hand. Die Kosten sind meist ein Prozentsatz des Depotwerts, oft mit einer erfolgsabhängigen Komponente. Rechtlich hat der Begriff zwei Bedeutungen: eine einmalige Empfehlung oder die laufende Verwaltung eines Portfolios. Welche gemeint ist, regelt der Vertrag.
Was ist Robo Advisory nach MiFID II?
Robo Advisory ist Anlageberatung oder Portfolioverwaltung im Sinne von MiFID II, daher gelten die Eignungsregeln in vollem Umfang. Artikel 25 Absatz 2 verpflichtet die Firma, Kenntnisse und Erfahrungen, finanzielle Verhältnisse und Anlageziele des Kunden zu erfragen. Die Definition in den ESMA-Leitlinien vom 23. September 2022 erfasst Systeme, die diese Dienste ganz oder teilweise automatisiert erbringen.
In Europa verlangt die ESMA mehr als die allgemeinen Regeln. Anbieter von Robo Advisory sollen sehr klar erklären, wie weit Menschen beteiligt sind und ob und wie der Kunde einen Menschen sprechen kann (Randnummer 17). Sie sollen auch erklären, dass die Antworten des Kunden die Eignung des Ergebnisses direkt bestimmen. Randnummer 52 warnt, dass Kunden ihr Wissen überschätzen können, wenn sie über ein automatisiertes System antworten. Nach Randnummer 108 müssen Mitarbeiter, die die Tools festlegen, die Algorithmen verstehen und die erzeugte Beratung prüfen können.
Robo-Advisor vs. Finanzberater: Was ist der Unterschied?
Der Unterschied liegt darin, wie der Kunde bedient wird; die rechtlichen Pflichten bleiben dieselben. Ein Robo-Advisor erfasst die Antworten des Kunden am Bildschirm, ein Finanzberater im Gespräch. Beide müssen die Eignungsprüfung nach MiFID II durchführen.
Die BaFin nennt Vor- und Nachteile für Verbraucher. Automatisierte Tools können Kosten senken und den ganzen Ablauf dokumentieren. Kunden fällt es womöglich schwerer, nachzufragen, wenn sie etwas missverstehen, und oft bleibt unklar, warum das Tool ein bestimmtes Produkt empfiehlt. Anbieterinteressen können eine scheinbar neutrale Beratung prägen. Die BaFin warnt auch, dass die einfache Bedienung zu nachlässigen Antworten verleiten kann, die direkt in die Empfehlung einfließen. Anders als ein Berater wendet das Tool seine Regeln auf alles an, was der Kunde eingibt.
Robo-Advisor oder ETF: Was gehört dem Kunden?
Ein Robo-Advisor ist eine Dienstleistung, ein ETF ein Fondsprodukt, das diese Dienstleistung oft kauft. Die ETF-Anteile gehören dem Kunden und liegen in einem Depot bei einer Depotbank. Laut BaFin erhält der Verwalter eine Vollmacht, in diesem Depot zu handeln, aber kein Recht, Eigentum oder Besitz an Geld oder Wertpapieren des Kunden zu erlangen.
Die Wahl zwischen Robo-Advisor und eigenem ETF-Kauf ist also eine Wahl zwischen zwei Wegen, dieselbe Art von Produkt zu halten: mit einem Verwalter, der die Fonds auswählt und umschichtet, oder ohne ihn. Im Finanzwesen meint der Begriff Robo-Advisor immer die Dienstleistung, nie den Fonds.
Robo-Advisor in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland beaufsichtigt die BaFin, die Dienstsitze in Bonn und Frankfurt am Main hat, Robo-Advisor, die Banken oder Finanzdienstleistungsinstitute sind; die IHK beaufsichtigen jene, die als Finanzanlagenvermittler arbeiten. Automatisierte Finanzportfolioverwaltung braucht eine Erlaubnis der BaFin nach § 32 Abs. 1 KWG oder § 15 Abs. 1 WpIG. Automatisierte Anlageberatung ist erlaubnispflichtig nach § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 1a KWG und § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 WpIG. Ein Robo-Advisor in Deutschland braucht also die Erlaubnis, die zu seinem Dienst passt. Robo-Advisor kaufen meist Fondsanteile; die privaten Haushalte erwarben im ersten Quartal 2026 netto Investmentfondsanteile für 27 Mrd. Euro, so die Deutsche Bundesbank in Frankfurt (16. Juli 2026).
In Österreich verlangt § 3 Abs. 2 WAG 2018 eine Konzession der FMA für Anlageberatung und Portfolioverwaltung. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, MiFID II und die ESMA-Leitlinien gelten dort nicht. Artikel 12 des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG), in Kraft seit 1. Januar 2020, verlangt eine Eignungsprüfung für portfoliobezogene Beratung und Vermögensverwaltung, und Vermögensverwalter brauchen eine Bewilligung der FINMA. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- ESMA: Guidelines on certain aspects of the MiFID II suitability requirements (ESMA35-43-3172), 23. September 2022
- ESMA: AI adoption and trends in securities markets: EU evidence, 20. Februar 2026
- BaFin: Robo-Advice, abgerufen am 29. September 2026
- BaFin: Automatisierte und signalbezogene Beratungs- und Handelssysteme, abgerufen am 29. September 2026
- BaFin: BaFin at a glance, abgerufen am 29. September 2026
- Deutsche Bundesbank: Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im ersten Quartal 2026, 16. Juli 2026
- Deutsche Bundesbank: Anfahrt und Lieferadresse (Zentrale in Frankfurt am Main), abgerufen am 29. September 2026
- Europäische Union: Richtlinie 2014/65/EU über Märkte für Finanzinstrumente, 15. Mai 2014
- Republik Österreich, RIS: Wertpapieraufsichtsgesetz 2018, § 3, Fassung vom 29. September 2026
- Schweizerische Eidgenossenschaft, Fedlex: Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG), Stand 1. März 2024
- FINMA: Vermögensverwalter und Trustees, abgerufen am 29. September 2026
Über Finance Loop: Robo-Advisor
Finance Loop ist der Treffpunkt für Vermögensverwalter, digitale Broker und die Produktteams hinter automatisierter Anlageberatung. Das Netzwerk verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt und in ganz Deutschland, wo automatisierte Finanzportfolioverwaltung eine BaFin-Erlaubnis nach § 32 Abs. 1 KWG oder § 15 Abs. 1 WpIG braucht.
Finance Loop war Partner von AI in Finance Paris am 3. Juni 2026, einer Veranstaltung zu angewandter KI für Fachleute aus Vermögensverwaltung, Marktdaten und quantitativer Forschung. Es sprachen unter anderem Vertreter von BNP Paribas, Deutscher Bank, Berenberg und Fincite.