Bargeld-Abschaffung

In einer bargeldlosen Gesellschaft laufen fast alle Zahlungen per Karte, Handy oder Überweisung, und Bargeld spielt im Alltag keine Rolle mehr. Kein Land ist so weit. Schweden kommt am nächsten, und seine Zentralbank verlangt inzwischen Gesetze, um Bargeld nutzbar zu halten.

Kontaktlose Zahlung an einem Gemüsestand auf dem Wochenmarkt

Was Schweden zeigt

Der Payments Report 2025 der Riksbank (auf Englisch) zählt in Schweden etwa jeden zehnten Kauf in bar, und rund 70 Prozent der kleinen Unternehmen sagen, sie nehmen Bargeld an. Die Riksbank nennt zwei Gründe: die frühe Sofortzahlungs-App Swish, die Bargeld zwischen Privatleuten ersetzte, und den Austausch der Banknoten und Münzen 2015 bis 2017.

Schweden verpflichtet große Banken seit einem Gesetz von 2020, ausreichende Bargelddienste anzubieten. Die Riksbank geht weiter und fordert eine Annahmepflicht für lebenswichtige Waren und Regeln für die gesamte Bargeldkette. Ihr Argument ist Widerstandsfähigkeit: Ein Zahlungssystem ohne Bargeld hängt ganz an Strom, Netzen und wenigen Anbietern.

Wo Deutschland steht

Deutschland ist weit von der Bargeldlosigkeit entfernt. In der Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten lagen unbare Zahlungen erstmals über der Hälfte, bei 55 Prozent, 45 Prozent wurden bar bezahlt. 80 Prozent halten es für wichtig, dass Barzahlung möglich bleibt, nur vier Prozent nutzen nie Bargeld.

Die Studie zeigt auch die Schwachstellen. Bargeld wurde bei 94 Prozent der Einkäufe vor Ort angenommen, seltener an Selbstbedienungskassen und im Nahverkehr, und 29 Prozent fanden den Weg zum Geldautomaten schwieriger als zwei Jahre zuvor. Wer auf Bargeld angewiesen ist, beschreibt finanzielle Inklusion.

Argumente dafür und dagegen

Befürworter nennen geringere Kosten für den Handel und Zahlungen, die für Steuer- und Geldwäscheprüfungen eine Spur hinterlassen. Kritiker nennen den Ausschluss von Menschen, die nicht digital zahlen können oder wollen, und den Verlust an Privatsphäre. Beide Seiten gehen von derselben Tatsache aus: Jede digitale Zahlung wird irgendwo erfasst.

Die EU hat sich für das Nebeneinander entschieden. Die Verordnung zum gesetzlichen Zahlungsmittel würde Geschäfte zur Annahme von Bargeld verpflichten, und der digitale Euro ist als digitales öffentliches Geld mit starkem Datenschutz geplant, damit nach dem Bargeld nicht nur privates Geld bleibt.

Kommende Payments-Events in Deutschland

Welches Land zahlt fast nur noch bargeldlos?

Schweden und Norwegen haben im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung am wenigsten Bargeld im Umlauf. In Schweden wird etwa jeder zehnte Kauf bar bezahlt, und die Riksbank fordert Gesetze, um Bargeld verfügbar zu halten.

Schafft Deutschland das Bargeld ab?

Nein. Deutschland zahlt zunehmend digital, 55 Prozent der Zahlungen waren in der letzten Bundesbank-Studie unbar. Bargeld bleibt nach Zahl der Vorgänge das meistgenutzte Zahlungsmittel, und die meisten Menschen wollen es behalten.

Darf ein Geschäft Bargeld ablehnen?

Nach geltendem Recht kann ein Geschäft Bargeld ausschließen, wenn es das vor dem Kauf deutlich macht. Die EU-Verordnung in Verhandlung würde das auf enge Ausnahmen begrenzen. Mehr unter gesetzliches Zahlungsmittel.

Bargeld-Abschaffung und Finance Loop

Finance Loop bespricht den Weg vom Bargeld zu digitalen Zahlungen mit den Banken und Zahlungsanbietern, die ihn gestalten, im Track Payments & digitales Geld. Finance-Loop-Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg behandeln Wero und den digitalen Euro.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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