Was ist der digitale Euro?
Der digitale Euro ist geplantes digitales Bargeld, ausgegeben vom Eurosystem und für alle im Euroraum nutzbar. Er wäre Zentralbankgeld für Zahlungen im Geschäft, online und zwischen Privatpersonen, mit und ohne Internetverbindung. Noch gibt es ihn nicht: Über die EU-Verordnung wird verhandelt. Der englische Begriff lautet digital euro.
Der digitale Euro im Überblick
| Begriff | Digitaler Euro. Englisch: digital euro. |
|---|---|
| Emittent | Das Eurosystem: die EZB und die nationalen Zentralbanken des Euroraums. |
| Rechtsgrundlage | Vorschlag der Kommission COM(2023) 369 vom 28. Juni 2023. Position des Rates vom 19. Dezember 2025, des Parlaments vom 9. Juli 2026, Trilog läuft. |
| Zeitplan | Pilot ab dem zweiten Halbjahr 2027 für zwölf Monate. Erste Ausgabe im Lauf des Jahres 2029 möglich, wenn die Verordnung 2026 verabschiedet wird. |
| Kosten für Banken | 4 bis 5,8 Mrd. Euro nach Schätzung der EZB. |
Wie funktioniert der digitale Euro?
Der digitale Euro läuft über ein Konto bei einer Bank oder einem öffentlichen Intermediär, bezahlt wird mit Smartphone oder Karte. Die EZB beschreibt ihn als digitale Form von Bargeld, ausgegeben von der Zentralbank und für alle im Euroraum verfügbar.
Wer das Konto für den digitalen Euro mit seinem Bankkonto verknüpft, kann auch Beträge über der Haltegrenze zahlen; der fehlende Betrag kommt sofort vom Bankkonto. Für Offline-Zahlungen lädt der Nutzer zuerst ein Offline-Konto auf und hält dann sein Smartphone an ein anderes Smartphone oder an das Terminal im Geschäft. Zinsen gäbe es keine. Die Abwicklung läuft über eine zentrale Plattform des Eurosystems; nach Angaben der EZB beruht der digitale Euro nicht auf Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Grundlegende Zahlungsdienste wären für Privatpersonen kostenlos (Artikel 17 des Vorschlags).
Wann kommt der digitale Euro?
Der Zeitplan reicht von einem ersten Bericht im Jahr 2020 bis zu einer möglichen Einführung im Lauf des Jahres 2029. Die EZB nennt diese Schritte (EZB, Stand des Projekts):
| Datum | Schritt |
|---|---|
| Oktober 2020 | „Report on a digital euro“ der EZB |
| Oktober 2021 bis Oktober 2023 | Untersuchungsphase: Gestaltung und Vertriebsmodelle |
| November 2023 bis Oktober 2025 | Vorbereitungsphase: Entwurf des Regelwerks, Auswahl der Plattformanbieter, Experimente |
| Oktober 2025 | Der EZB-Rat beschließt den Übergang in die nächste Phase |
| Juli 2026 | Entwurf des Regelwerks (Rulebook), Version 0.91 |
| Zweites Halbjahr 2027 | Pilot mit Beschäftigten der Zentralbanken und 36 Zahlungsdienstleistern, zwölf Monate |
| Im Lauf des Jahres 2029 | Mögliche erste Ausgabe |
Über die Ausgabe entscheidet die EZB nach eigener Aussage erst, wenn die EU-Verordnung verabschiedet ist.
Was steht im Gesetzentwurf zum digitalen Euro?
Der Gesetzentwurf der Europäischen Kommission macht den digitalen Euro zum gesetzlichen Zahlungsmittel und erlaubt der EZB, seine Nutzung als Wertaufbewahrungsmittel zu begrenzen. Die geplante Verordnung, COM(2023) 369, gehört zum Paket zur einheitlichen Währung vom 28. Juni 2023.
- Artikel 7: Status als gesetzliches Zahlungsmittel, mit Annahmepflicht zum vollen Nennwert und schuldbefreiender Wirkung.
- Artikel 16: Die EZB entwickelt Instrumente, die die Nutzung als Wertaufbewahrungsmittel begrenzen, etwa eine Obergrenze für den Bestand. Artikel 16 Absatz 8: Der digitale Euro wird nicht verzinst.
- Artikel 17: keine Gebühren für Privatpersonen bei den grundlegenden Zahlungsdiensten.
Eine Obergrenze steht noch nicht fest. Auf Bitte der Gesetzgeber testete die EZB hypothetische Grenzen von bis zu 3.000 Euro pro Person und fand keinen Schaden für die Finanzstabilität. Der Rat legte seine Position am 19. Dezember 2025 fest, das Europäische Parlament am 9. Juli 2026. Der Trilog über die Verordnung hat begonnen (EZB, FAQ).
Wie steht es um den Datenschutz?
Der digitale Euro hielte Zahlungsdaten von der Zentralbank fern: Laut EZB könnte das Eurosystem Zahlungen weder online noch offline bestimmten Personen zuordnen. Offline käme der Datenschutz dem von Bargeld nahe, denn nur Zahler und Empfänger kennen die persönlichen Daten der Zahlung. Die Bank oder ein anderer Anbieter prüft auf Geldwäsche, wenn der Nutzer das Konto auflädt oder leert, wie heute beim Abheben und Einzahlen von Bargeld. Für Online-Zahlungen identifiziert der Anbieter den Nutzer nach den Geldwäscheregeln, wie bei einem Bankkonto.
Ist der digitale Euro eine CBDC oder eine Kryptowährung?
Der digitale Euro ist eine CBDC und keine Kryptowährung. Die EZB nennt ihn digitales Zentralbankgeld, ein elektronisches Gegenstück zum Bargeld. Weil eine Zentralbank hinter ihm stünde, wäre er nach Aussage der EZB kein Krypto-Asset. Retail- und Wholesale-CBDC erklärt Was ist CBDC?, den Vergleich mit Stablecoins Stablecoin vs CBDC.
Der digitale Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Deutschland und Österreich gehören zum Euroraum. Die Deutsche Bundesbank und die Oesterreichische Nationalbank sind Teil des Eurosystems, das den digitalen Euro ausgeben würde, und die Verordnung gälte nach ihrer Verabschiedung unmittelbar. Nach dem Vorschlag bringen Banken den digitalen Euro zu ihren Kunden, und Händler, die digitale Zahlungen annehmen, müssen auch ihn annehmen. Die Anbieter beaufsichtigt in Deutschland die BaFin, in Österreich die FMA.
Die EZB, die das Projekt führt und über die Ausgabe entscheiden würde, hat ihr Hauptgebäude in der Sonnemannstraße 20 in Frankfurt am Main (EZB, Anschrift). Auch die Zentrale der Deutschen Bundesbank liegt in Frankfurt (Bundesbank, Anschrift).
Die Schweiz gehört nicht zum Euroraum. Für Einwohner eines Drittstaats wie der Schweiz setzt der Vorschlag ein Abkommen zwischen der EU und dem Land voraus oder Vereinbarungen zwischen der EZB und dessen Zentralbank. Die Schweizerische Nationalbank sieht „zum jetzigen Zeitpunkt keine klaren Vorteile“ eines digitalen Frankens für die breite Öffentlichkeit (SNB, CBDC). Die FINMA beaufsichtigt die Schweizer Banken. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- Europäische Zentralbank: Digitaler Euro, abgerufen am 29. September 2026
- Europäische Zentralbank: Fortschritte beim Projekt digitaler Euro, abgerufen am 29. September 2026
- Europäische Zentralbank: Digitaler Euro, häufig gestellte Fragen, abgerufen am 29. September 2026
- Europäische Kommission: Vorschlag für eine Verordnung zur Einführung des digitalen Euro, COM(2023) 369 final, 28. Juni 2023
- Schweizerische Nationalbank: Wird es den Franken bald nur noch digital geben?, abgerufen am 29. September 2026
- Europäische Zentralbank: Anschrift, abgerufen am 29. September 2026
- Deutsche Bundesbank: Anfahrt und Lieferadresse, abgerufen am 29. September 2026
Über Finance Loop: der digitale Euro
Finance Loop ist der Treffpunkt für Fachleute aus Banken, Zahlungsdienstleistern und Fintechs, die an digitalem Geld arbeiten. Finance Loop verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo die EZB das Projekt digitaler Euro führt.
Die Digital Euro Association, ein Frankfurter Thinktank für digitales Geld, ist seit November 2025 strategischer Partner von Finance Loop. Finance Loop war Partner der Digital Euro Conference am 26. März 2026 in Frankfurt.