Verhaltensbiometrie im Banking

Verhaltensbiometrie erkennt Bankkunden daran, wie sie tippen, wischen und das Smartphone halten. Die Europäische Bankenaufsicht EBA erkennt Tippverhalten und Haltewinkel als Inhärenzelement der starken Kundenauthentifizierung bei Zahlungen an, wenn die Umsetzung kaum zulässt, dass sich jemand anderes anmeldet. Termine zu Betrug und KI im Finanzwesen stehen im Kalender weiter unten.

Was Verhaltensbiometrie misst

Klassische biometrische Merkmale stammen vom Körper, etwa Fingerabdruck oder Iris. Verhaltensbiometrie misst, wie sich ein Mensch verhält. Das älteste Verfahren ist die Analyse des Tippverhaltens, also die Zeit bis zum Anschlag einer Taste und wie lange sie gedrückt bleibt (auf Englisch). Auf dem Smartphone kommen Wischmuster und der Winkel hinzu, in dem das Gerät gehalten wird, bei Wearables auch Bewegung und Herzschlag.

Das Ergebnis ist ein Konfidenzwert, den die Bank mit einem Schwellenwert vergleicht. Der Wikipedia-Artikel zum Tippverhalten weist darauf hin, dass sich das Tippen im Lauf eines Tages und von Tag zu Tag ändert, dass jedes System Fehler in beide Richtungen macht und dass sich der Schwellenwert pro Person einstellen lässt.

Verhaltensbiometrie und starke Kundenauthentifizierung

Nach der PSD2 braucht eine elektronische Zahlung zwei unabhängige Elemente aus den Kategorien Wissen, Besitz und Inhärenz. In ihrer Stellungnahme zu den Elementen der starken Kundenauthentifizierung (EBA-Op-2019-06 vom 21. Juni 2019, auf Englisch) zählt die EBA biologische und verhaltensbasierte Biometrie zur Inhärenz. In ihrer Beispieltabelle gelten Tippverhalten, Haltewinkel des Geräts sowie Herzschlag und andere Bewegungsmuster als zulässig, neben Fingerabdruck, Gesicht und Stimme. Ein auswendig gelerntes Wischmuster ist dagegen ein Wissenselement. Daten aus EMV 3-D Secure galten bei den damals bekannten Verfahren nicht als Inhärenz.

Entscheidend ist für die EBA die Umsetzung. Das Verfahren muss die Wahrscheinlichkeit sehr gering halten, dass ein Unbefugter als Zahler authentifiziert wird, wie es Artikel 8 der technischen Regulierungsstandards zur SCA verlangt. Ausnahmen und Haftung bei Kartenzahlungen erklärt die Seite zur starken Kundenauthentifizierung.

Wo Banken sie gegen Betrug einsetzen

Passwort und Einmalcode werden einmal geprüft, beim Login. Ein Verhaltenssignal lässt sich während der ganzen Sitzung lesen; die Forschung spricht von kontinuierlicher Authentifizierung. Übernimmt nach einem korrekten Login jemand anderes die Sitzung, ändern sich Tipp- und Wischmuster. Das passt zur Kontoübernahme, bei der der Betrüger die Zahlung selbst auslöst: Im Bericht 2025 von EBA und EZB zum Zahlungsbetrug (auf Englisch) entfiel auf diese Art mehr als 90 Prozent des Werts beim Kartenbetrug.

Schwerer zu erkennen sind Maschen, bei denen der echte Kunde zur Zahlung überredet wird, denn dann tippt die richtige Person. Laut demselben Bericht machte die Manipulation des Zahlers 2024 74 Prozent des Werts betrügerischer Überweisungen aus. Hier ist ein Verhaltenswert ein Signal unter mehreren im Betrugsmodell, neben Gerät, Empfänger und Betrag, wie die Seite zur KI-Betrugserkennung beschreibt. Biometrische Daten sind personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO, wie der Wikipedia-Artikel zur Biometrie (auf Englisch) festhält.

Kommende Events zu Betrug und KI im Finanzwesen in Deutschland

Ist Verhaltensbiometrie dasselbe wie biometrische Authentifizierung?

Verhaltensbiometrie ist ein Zweig der biometrischen Verfahren. Fingerabdruck, Gesicht und Iris beruhen auf körperlichen Merkmalen, Verhaltensbiometrie auf Tipp- und Bewegungsmustern. Für die starke Kundenauthentifizierung ordnet die EBA beide der Inhärenz zu.

Kann Verhaltensbiometrie ein Passwort ersetzen?

Bei einer Zahlung kann sie das Wissenselement ersetzen, allein reicht sie nicht. Die starke Kundenauthentifizierung verlangt zwei Elemente aus verschiedenen Kategorien, also neben der Inhärenz etwa den Besitz des registrierten Smartphones. Ein Besitzelement auf Basis eines Schlüsselpaars beschreibt die Seite zu Passkeys im Banking.

Verhaltensbiometrie und Finance Loop

Finance Loop ist der Treffpunkt für die Teams, die bei Banken und Zahlungsdienstleistern in Deutschland, Österreich und der Schweiz Authentifizierung und Betrugsabwehr bauen. Finance Loop stellte fAInance von Sopra Steria und Fraunhofer IAIS mit einer Station zu KI gegen Finanzkriminalität vor und kündigte die KI Exchange 2026 mit Betrugserkennung im Programm an.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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