Was ist der Kapitalmarkt?

Der Kapitalmarkt ist der Markt, auf dem Unternehmen und Staaten mit Aktien und Anleihen langfristig Geld aufnehmen und auf dem Anleger diese Wertpapiere danach handeln. Am Aktienmarkt geht es um Anteile, am Anleihemarkt um Schuldverschreibungen. Der englische Begriff ist capital markets.

Der Kapitalmarkt in Kürze

DefinitionKapitalmarkt: Markt für langfristige Finanzierung über Wertpapiere. Englisch: capital markets. Zwei Segmente: Eigenkapitalmarkt (Aktien) und Fremdkapitalmarkt (Anleihen).
EU-Recht zur EmissionVerordnung (EU) 2017/1129 (Prospektverordnung), gilt seit 21. Juli 2019.
EU-Recht zum HandelRichtlinie 2014/65/EU (MiFID II), in den Mitgliedstaaten anzuwenden seit 3. Januar 2018.
AufsichtBaFin und die Börsenaufsichtsbehörden der Länder, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz.
EU-PolitikKapitalmarktunion seit 2015, am 19. März 2025 zur Spar- und Investitionsunion erweitert.
Eine ZahlRund 70 % der Ersparnisse privater Haushalte in der EU, 10 Billionen Euro, liegen als Bankeinlagen (Europäische Kommission, 19. März 2025).

Was bedeutet Kapitalmarkt im Finanz- und Bankwesen?

Im Finanzwesen hat der Begriff eine enge Bedeutung: langfristige Finanzierung über Wertpapiere, die Anleger kaufen und verkaufen können. Ein Unternehmen, das Geld für zehn Jahre braucht, kann einen Bankkredit aufnehmen oder Aktien und Anleihen an Anleger verkaufen. Der zweite Weg führt über den Kapitalmarkt. In Banken heißt auch die Abteilung so, die solche Emissionen begleitet: Equity Capital Markets (ECM) für Aktien, Debt Capital Markets (DCM) für Anleihen.

Der Unterschied zwischen Kapitalmarkt und Geldmarkt liegt in der Laufzeit. Das EU-Prospektrecht zieht die Grenze bei einem Jahr: Artikel 2 Buchstabe a der Prospektverordnung nimmt Geldmarktinstrumente mit weniger als zwölf Monaten Laufzeit von der Definition der Wertpapiere aus. Finanzmarkt ist der weitere Begriff. Er umfasst Kapitalmarkt, Geldmarkt, Devisen und Derivate.

Wie funktionieren Eigen- und Fremdkapitalmarkt?

Beide Märkte arbeiten in zwei Stufen. Am Primärmarkt verkauft ein Emittent neue Wertpapiere und erhält das Geld. Am Sekundärmarkt handeln Anleger die Papiere untereinander, und der Emittent erhält aus diesen Geschäften nichts.

Am Eigenkapitalmarkt verkauft ein Unternehmen einen Teil seines Eigentums, zum Beispiel bei einem Börsengang (IPO). Am Fremdkapitalmarkt leiht sich ein Unternehmen oder ein Staat Geld für eine feste Laufzeit und zahlt den Anleihegläubigern Zinsen. In der EU dürfen Wertpapiere erst öffentlich angeboten werden, wenn vorher ein Prospekt veröffentlicht wurde (Artikel 3 Absatz 1 der Prospektverordnung). Gehandelt wird danach an einem Handelsplatz. Artikel 4 Absatz 1 Nummer 24 MiFID II zählt dazu den geregelten Markt, das multilaterale Handelssystem (MTF) und das organisierte Handelssystem (OTF).

Was ist die Kapitalmarktunion?

Die Kapitalmarktunion ist das EU-Projekt, die nationalen Kapitalmärkte der Mitgliedstaaten zu einem Kapitalmarkt für Europa zu verbinden. Die Europäische Kommission nennt sie einen Plan für einen Binnenmarkt für Kapital. Einen ersten Aktionsplan legte die Kommission im September 2015 vor, einen zweiten mit 16 Maßnahmen am 24. September 2020.

Am 19. März 2025 erweiterte die Kommission den Plan zur Spar- und Investitionsunion (SIU). Ihr Ausgangspunkt ist eine Zahl: Rund 70 % der Ersparnisse privater Haushalte in der EU, 10 Billionen Euro, liegen als Bankeinlagen. Sparer, die investieren wollen, sollen leichter an den Kapitalmarkt kommen. Am 4. Dezember 2025 legte die Kommission ein Paket zu Marktintegration und Aufsicht mit drei Gesetzesvorschlägen vor.

Kapitalmarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die größte Börse Deutschlands ist die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB). Sie ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, Betreiberin ist die Deutsche Börse AG, und eine unabhängige Handelsüberwachungsstelle der Börse überwacht den Handel. Die Börsenaufsichtsbehörde im hessischen Wirtschaftsministerium wacht über den ordnungsgemäßen Ablauf. Die BaFin verfolgt auf Bundesebene Verdachtsfälle von Insiderhandel und Marktmanipulation. In Österreich betreibt die Wiener Börse AG die Börsen in Wien und Prag. Nach § 3 Abs. 2 Börsegesetz 2018 braucht der Betrieb eines geregelten Markts eine Konzession der FMA. MiFID II und die Prospektverordnung gelten in beiden Ländern.

Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, diese Rechtsakte gelten dort nicht. Wer eine Börse betreibt, braucht nach Artikel 4 des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes (FinfraG) eine Bewilligung der FINMA, und nach Artikel 27 gibt sich die Börse ein eigenes Reglement, das die FINMA genehmigt. Artikel 35 des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) verlangt für ein öffentliches Angebot von Wertpapieren einen Prospekt. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Was sind digitale Kapitalmärkte?

Digitale Kapitalmärkte sind Märkte, auf denen Wertpapiere als Token auf einem Distributed Ledger (DLT) ausgegeben und abgewickelt werden. Die EZB beschreibt Tokenisierung als digitale Abbildung von Ansprüchen in Token, die Angaben zum Vermögenswert und Regeln auf einer programmierbaren Plattform tragen. Eine Anleihe kann direkt auf DLT begeben oder eine bestehende Anleihe dort erfasst werden.

Der Markt ist noch klein. Tokenisierte Vermögenswerte auf öffentlichen Blockchains erreichten im Februar 2026 geschätzt 38 Mrd. Euro, nach 7,4 Mrd. Euro Anfang 2024. Das Vermögen weltweit lag Ende 2025 bei geschätzt 241 Billionen Euro. Für Handel am Sekundärmarkt fand die EZB kaum Belege. Das Eurosystem arbeitet daran, DLT-Geschäfte bis Ende des dritten Quartals 2026 in Zentralbankgeld abzuwickeln (EZB, 13. April 2026).

Quellen

Über Finance Loop: Kapitalmarkt

Finance Loop ist der Treffpunkt für ECM- und DCM-Teams in Banken, für Emittenten und Investoren und für alle, die neue Technik in den Kapitalmarkt bringen. Das Netzwerk verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, dem Sitz der Frankfurter Wertpapierbörse, die von der Deutsche Börse AG betrieben wird.

Seit Oktober 2024 ist Finance Loop Mitglied von Frankfurt Main Finance, dem Verband des Finanzplatzes Frankfurt. Finance Loop war Partner von Frankfurt Digital Finance 2026 am 11. und 12. Februar 2026 im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt.

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