Was sind tokenisierte Einlagen?
Eine tokenisierte Einlage ist eine Bankeinlage, die auf einem Distributed Ledger verbucht ist. Sie bleibt eine Forderung gegen die Bank und behält die Einlagensicherung eines normalen Kontos, in der EU bis 100.000 Euro je Einleger und Bank. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde fand 2024 im Europäischen Wirtschaftsraum einen einzigen Fall im Echtbetrieb. Auf Englisch heißen sie Tokenized Deposits.
Tokenisierte Einlagen in Kürze
| Begriff | Tokenisierte Einlage, auch tokenisiertes Giralgeld, Giralgeldtoken oder Deposit Token. |
|---|---|
| Rechtsnatur | Einlage nach der Definition in Art. 2 Abs. 1 Nr. 3 der Richtlinie 2014/49/EU; nach Art. 2 Abs. 4 MiCA nicht von MiCA erfasst. |
| Wer darf ausgeben | Nur Kreditinstitute, also Unternehmen, die Einlagen vom Publikum annehmen dürfen. |
| Einlagensicherung | 100.000 Euro je Einleger und Bank (Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 2014/49/EU); in der Schweiz 100.000 Franken. |
| Markt | Ein Fall im Echtbetrieb im Europäischen Wirtschaftsraum; 17 % von 85 befragten Banken wollen tokenisierte Einlagen in ein bis zwei Jahren oder später nutzen (EBA, Dezember 2024). |
| Aufsicht | BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz. |
Wie werden Einlagen tokenisiert?
Tokenisierte Einlagen funktionieren wie ein Kontoguthaben, das die Bank auf einem Distributed Ledger bucht. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) beschreibt sie in ihrem Bericht von 2024 als Einlagensaldo, der auf einer DLT oder einer ähnlichen Technologie erfasst ist. Die Bank kann den Ledger als Hauptbuch führen oder als zweite Ebene neben ihrem Kernbankensystem; dann muss sie beide Bestände abgleichen.
In den Fällen, die die EBA untersucht hat, ist die Forderung an den Kontoinhaber gebunden und kann nicht auf jemanden übergehen, der nicht Kunde der Bank ist. Zahlt ein Kunde an eine andere Bank, erlischt die Forderung gegen die Bank des Zahlers, und bei der Bank des Empfängers entsteht eine neue. Die beiden Banken rechnen miteinander ab, oft in Zentralbankgeld (EBA, Dezember 2024). Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schrieb 2023, tokenisierte Einlagen, die in Zentralbankgeld abgewickelt werden, schützten die Einheitlichkeit des Geldes besser (BIS Bulletin 73, 11. April 2023).
Gelten tokenisierte Einlagen als Kryptowerte?
Nein, tokenisierte Einlagen werden als Einlagen reguliert. Die EBA hält in ihrem Bericht fest, dass die Buchung auf einem Ledger an der Natur der Forderung und damit an ihrer Einordnung als Einlage für sich genommen nichts ändert. MiCA nimmt Einlagen aus. Es gelten die Bankregeln aus CRD und CRR sowie die Vorschriften gegen Geldwäsche. Dringenden Änderungsbedarf am Rechtsrahmen sah die EBA nicht.
Hier verläuft die Grenze zwischen einer tokenisierten Einlage und einem E-Geld-Token, den eine Bank ausgibt. In der Tabelle der EBA beruht die tokenisierte Einlage auf einer laufenden Kundenbeziehung, kann verzinst werden und ist am Sekundärmarkt nicht übertragbar. Der E-Geld-Token läuft um wie ein Inhaberpapier und bringt keine Zinsen. Den ganzen Vergleich finden Sie unter tokenisierte Einlagen vs. Stablecoins.
Sind tokenisierte Einlagen gesichert?
Ja, für tokenisierte Einlagen gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Die Tabelle der EBA nennt dieselben Bedingungen wie für herkömmliche Einlagen. In der EU sind das 100.000 Euro je Einleger und Bank (Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 2014/49/EU), ausgezahlt binnen sieben Arbeitstagen (Art. 8 Abs. 1). Ein E-Geld-Token ist nicht gesichert: Sein Whitepaper muss darauf hinweisen, dass er nicht unter die Einlagensicherung fällt (Art. 51 Abs. 4 MiCA).
Wofür nutzt man tokenisierte Einlagen, und was sind die Risiken?
Die EBA fand zwei Einsatzfelder: die Abwicklung von Wertpapiergeschäften und die Bezahlung von Waren auf einem Ledger. Beispiele in Europa sind noch selten. Der Fall im Echtbetrieb im EWR ist eine Bank mit eigenem, zugangsbeschränktem Ledger. Dort bezahlen Kunden Wertpapiere bei der Emission mit tokenisierten Einlagen, Lieferung gegen Zahlung. Ein Konsortium aus fünf Banken und Industrieunternehmen testete Zahlungen zwischen Kunden verschiedener Banken, abgewickelt im Echtzeit-Bruttosystem der Zentralbank, dazu Warenzahlungen, die Smart Contracts auslösen.
Die EZB sieht in dem Instrument einen Kandidaten für die Abwicklung unter Finanzinstituten: Tokenisierte Geschäftsbankeinlagen haben die Bonität regulierter Institute und könnten sich für viele Wholesale-Anwendungen mit der Zeit als besser erweisen als Stablecoins (EZB, 8. Mai 2026).
Die Risiken, die die EBA nennt, sind operationell: Ausfälle des Ledgers oder Angriffe darauf und die Abhängigkeit von externen Anbietern. Wie sich die Technik darauf auswirkt, wie schnell Einlagen eine Bank verlassen können, ist nach Ansicht der EBA noch offen.
Tokenisierte Einlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland und Österreich ist eine tokenisierte Einlage eine Bankeinlage, und die Bank braucht eine Banklizenz. Die BaFin beaufsichtigt Banken nach § 6 KWG, die FMA nach § 69 BWG. Gesetzlich gesichert sind in beiden Ländern 100.000 Euro je Einleger (§ 8 Einlagensicherungsgesetz; § 7 Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz). Die Deutsche Kreditwirtschaft veröffentlichte am 13. April 2023 ein Working Paper zum Commercial Bank Money Token, einer Form tokenisierter Bankeinlagen, für Lieferung gegen Zahlung, Pay-per-Use und automatisierte Zahlungen (Deutsche Kreditwirtschaft, 13. April 2023).
Die Deutsche Bundesbank in Frankfurt hat die Trigger Solution gebaut, eine Brücke zwischen dem Eurosystem-Zahlungssystem T2 und DLT-Plattformen. Am 7. November 2024 wickelten Deutsche Bank und UBS darüber fiktive Zahlungen von Firmenkunden zwischen beiden Banken auf Basis tokenisierter Einlagen ab (Deutsche Bundesbank, 29. November 2024).
Die Schweiz gehört nicht zur EU. Die Banklizenz erteilt die FINMA, und die Schweizer Einlagensicherung ist auf 100.000 Franken je Kunde und Bank begrenzt (esisuisse). Am 7. November 2024 meldete UBS einen Pilotbetrieb von UBS Digital Cash, einer Blockchain-Zahlungslösung für Firmen- und institutionelle Kunden, mit Zahlungen in US-Dollar, Franken, Euro und chinesischen Yuan (UBS, 7. November 2024).
Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- Europäische Bankenaufsichtsbehörde: Report on tokenised deposits, EBA/REP/2024/24, Dezember 2024
- Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Stablecoins versus tokenised deposits: implications for the singleness of money, BIS Bulletin 73, 11. April 2023
- Europäische Zentralbank: Stablecoins and the future of money: separating functions from instruments, Rede von Christine Lagarde, 8. Mai 2026
- Europäische Union: Richtlinie 2014/49/EU über Einlagensicherungssysteme, 16. April 2014
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte, 31. Mai 2023
- Deutschland: Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), § 8; Kreditwesengesetz (KWG), § 6, abgerufen am 29. September 2026
- Österreich: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG), BGBl. I Nr. 117/2015; Bankwesengesetz (BWG), § 69, abgerufen am 29. September 2026
- Deutsche Kreditwirtschaft: Digitalisierung von Bankeinlagen: Working Paper zum Commercial Bank Money Token, 13. April 2023
- Deutsche Bundesbank: Conducted trials and experiments with the Trigger Solution, 29. November 2024
- esisuisse: Einlagensicherung der Schweiz, abgerufen am 29. September 2026
- UBS: UBS successfully pilots blockchain-based multi-currency payment solution with UBS Digital Cash, 7. November 2024
Über Finance Loop: tokenisierte Einlagen
Finance Loop ist der Treffpunkt für Fachleute aus Treasury, Zahlungsverkehr und DLT-Projekten in Banken, die Einlagen auf einem Ledger buchen. Finance Loop verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo die Deutsche Bundesbank die Trigger Solution gebaut hat. Deutsche Bank und UBS wickelten damit am 7. November 2024 Testzahlungen auf Basis tokenisierter Einlagen ab.
Finance Loop hat mit dem London Blockchain Finance Summit am 12. März 2026 in Canary Wharf kooperiert. Auf dem Programm standen Sessions zu Stablecoins, CBDCs und tokenisierten Einlagen im Produktivbetrieb sowie zu programmierbarem Settlement im Treasury.