Agentic Commerce

Agentic Commerce bezeichnet Handel, bei dem KI-Agenten im Auftrag von Menschen oder Unternehmen nach Produkten suchen, Angebote vergleichen und Käufe vorbereiten oder ausführen. Der Auftraggeber legt fest, welche Entscheidungen der Agent treffen darf und welche Grenzen dabei gelten. Dazu können ein Ausgabenlimit und die Freigabe einer bestimmten Bestellung gehören.

Agentic Commerce verbindet Produktsuche und Bestellung mit den technischen Abläufen eines Händlers. Damit daraus ein verlässlicher Kauf wird, müssen Produktinformationen, Freigaben und Zahlungen auch für Software eindeutig verarbeitbar sein. Zahlungsdienstleister benötigen nachvollziehbare Nachweise darüber, was der Kunde erlaubt hat und welche Schritte der Agent übernommen hat.

Bestellbestätigung eines Einkaufsassistenten auf einem Smartphone neben einem Paket

So funktioniert Agentic Commerce

Ein Chatbot empfiehlt ein Produkt, und ein Agent führt den Kauf aus: Er liest die Produktdaten, stellt den Warenkorb zusammen, holt ein Angebot ein und schickt die Bestellung ab. IBM (auf Englisch) beschreibt gestufte Autonomie: Käufe mit geringem Risiko laufen allein, teure warten auf die Freigabe des Kunden. Bezahlt wird mit einem vorab erlaubten Zahlungsmittel, etwa einem Karten-Token für den Agenten. Auch nach dem Kauf kann er Aufgaben übernehmen, etwa eine Lieferung verfolgen oder eine Rückgabe veranlassen, soweit der Kunde dies erlaubt hat.

Für die Händlerseite gibt es mehrere offene Protokolle. Das Agentic Commerce Protocol von OpenAI und Stripe regelt Produktzugriff, Warenkorb, Checkout und Bestellstatus. Das Universal Commerce Protocol von Google, mit Shopify entwickelt, bindet Agenten an Handelssysteme an, und das Agent Payments Protocol von Google hält die Zustimmung des Kunden in signierten Mandaten fest. Mit Shared Payment Tokens von Stripe (auf Englisch) kann ein Agent ein gespeichertes Zahlungsmittel verwenden, ohne die Zugangsdaten zu erhalten. Ein Token kann auf einen Händler, einen Betrag und ein Zeitfenster begrenzt werden.

Banken und Kartennetze in Europa

Die Kartennetze starten ihre ersten Live-Programme in Europa. Banco Santander und Mastercard schlossen nach eigenen Worten Europas erste durchgängige Live-Zahlung durch einen KI-Agenten (auf Englisch) mit Mastercard Agent Pay ab, im regulierten Zahlungsrahmen von Santander und in den Grenzen des Kunden. Visa meldete beim Payments Forum in Paris, dass 31 Banken im Programm Agentic Ready (auf Englisch) KI-Agenten bei Händlern wie lastminute.com und Frasers einkaufen lassen. Darunter sind Commerzbank, comdirect und Deutsche Kreditbank, dazu ING, Nordea, Revolut und S-Payment, die Kartengesellschaft der Sparkassen.

Jede Transaktion im Programm von Visa wurde mit einem Visa Payment Passkey bestätigt, den Visa der starken Kundenauthentifizierung nach EU-Recht zuordnet. Händler erkennen den Agenten über das Trusted Agent Protocol, das Cloudflare und Akamai in ihre Netze einbauen.

Offene Fragen für Zahlungsteams

Kartenregeln setzen einen Menschen an der Kasse voraus; beim Agenten braucht der Emittent einen Nachweis, was der Kunde erlaubt hat, und der Händler muss wissen, welcher Agent bestellt hat. Prüfungen nach dem Muster Know Your Agent und die signierten Mandate von AP2 beantworten diese beiden Punkte heute; Chargeback-Regeln für einen Fehlkauf des Agenten fehlen noch.

Händler stehen vor einer Datenfrage, und der Leitfaden von Shopify (auf Englisch) rät zu vollständigen, maschinenlesbaren Produktdaten und klaren Rückgaberegeln, weil ein Agent nur vergleicht, was er auslesen kann. Im Embedded-Checkout-Modell von Stripe (auf Englisch) bleibt der Händler für Lieferung, Erstattungen und Kundenservice zuständig. Der Agent ändert nicht, wer zahlt, und Zahlungsteams müssen weiterhin ihre Pflichten nach PSD2 und Änderungen durch PSD3 prüfen.

Kommende Payments-Events in Deutschland

Was ist Agentic Commerce?

Agentic Commerce ist Handel, bei dem KI-Agenten für Verbraucher oder Unternehmen Waren und Dienste finden und bezahlen. Der Kunde setzt Ziel und Grenzen; der Agent führt den Kauf aus und zahlt mit einem vom Kunden erlaubten Zahlungsmittel.

Was unterscheidet Agentic Commerce von Agentic Payments?

Agentic Commerce ist der ganze Kauf, von der Produktsuche bis zur Lieferung. Agentic Payments sind der Zahlungsschritt darin: Mandat, Authentifizierung und Haftung, wenn ein Agent eine Überweisung oder Kartenzahlung auslöst.

Welche deutschen Banken testen Agentic Commerce?

Visa nennt Commerzbank, comdirect und Deutsche Kreditbank unter den Emittenten im europäischen Programm Agentic Ready; S-Payment, die Kartengesellschaft der Sparkassen, steht auf derselben Liste.

Agentic Commerce und Finance Loop

Finance Loop bringt Kartenemittenten, Acquirer und KI-Entwickler in Deutschland zusammen, um zu diskutieren, wie ein Agent bezahlt. Finance Loop ist Medienpartner von Capital & Code in Frankfurt, das einen Track zu Agentic Payments hat. Zahlungsanbieter stellen ihre Arbeit in einem Webinar oder Meetup vor, Fachleute kommen über die Mitgliedschaft dazu.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk, das die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen fördert, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.

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