Wofür werden Stablecoins genutzt?
Mit Stablecoins bezahlen Unternehmen einander über Grenzen hinweg, und bei der Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte sind sie die Geldseite. Die meisten Stablecoin-Anwendungen betreffen aber den Kryptohandel, laut Europäischer Zentralbank (EZB) mit Abstand der wichtigste Anwendungsfall. Zahlungen außerhalb der Kryptomärkte sind neben Banküberweisungen klein.
Anwendungen auf einen Blick
| Begriff | Stablecoin, im EU-Recht E-Geld-Token oder vermögenswertereferenzierter Token. Englisch: e-money token, asset-referenced token. |
|---|---|
| Zahlungen zwischen Unternehmen | Rund 60 % des Zahlungsvolumens mit Stablecoins, aber 0,01 % der weltweiten B2B-Zahlungen (EZB, 8. Mai 2026). |
| Grenzüberschreitende Ströme | Rund 1,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 (IWF, 4. Dezember 2025). |
| Kryptohandel | An rund 80 % der Geschäfte auf zentralen Kryptohandelsplätzen sind Stablecoins beteiligt (EZB, November 2025). |
| Rechtsquelle in der EU | Titel III und IV der Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), seit 30. Juni 2024. |
| Aufsicht | BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz nach Schweizer Recht. |
Wie zahlen Unternehmen B2B mit Stablecoins?
Unternehmen nutzen Stablecoins, um Lieferanten und Tochtergesellschaften im Ausland zu bezahlen. Zahlungen zwischen Firmen (B2B) sind der größte Einsatz im Zahlungsverkehr. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bezifferte grenzüberschreitende B2B-Zahlungen auf rund 60 % des Zahlungsvolumens mit Stablecoins. Das entspreche nur 0,01 % der weltweiten B2B-Zahlungsströme. Der Umtausch in Stablecoins und zurück verursache Kosten, die diese Vorteile aufzehren können (EZB, 8. Mai 2026).
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht die Nachfrage dort, wo der Zugang zum Dollar schwer ist: Wer nur eingeschränkt an dollarbasierte internationale Zahlungsnetze kommt, findet Stablecoins für Auslandszahlungen und Handelsabwicklung besonders attraktiv (BIZ, 29. Juni 2025).
Wie funktioniert Settlement mit Stablecoins?
Beim Settlement mit Stablecoins ist der Stablecoin die Geldseite eines Geschäfts auf einer Blockchain. Wertpapier und Zahlung wechseln in einer einzigen Transaktion den Besitzer. Die EZB nennt Stablecoins die Standard-Geldseite für das sogenannte Atomic Settlement: Entweder werden beide Seiten abgewickelt oder keine, das Erfüllungsrisiko entfällt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) nennt einen Preis: Smart Contracts für Atomic Settlement können verlangen, dass Teilnehmer jederzeit Liquidität vorhalten.
Für Banken sieht die EZB eine Grenze. Stablecoins können unter Stress ihre Bindung verlieren, ihnen fehlt die Endgültigkeit von Zentralbankgeld. Tokenisierte Geschäftsbankeinlagen könnten sich für viele Wholesale-Anwendungen mit der Zeit als besser erweisen als Stablecoins, sagte Lagarde im Mai 2026. Sie kündigte auch an, das Eurosystem biete ab September über das Projekt Pontes Abwicklung in Zentralbankgeld an, das DLT-Plattformen mit TARGET verbindet. Für Wholesale-Settlement können Banken Stablecoins mit tokenisierten Einlagen vergleichen.
Werden Stablecoins für Auslandsüberweisungen genutzt?
Stablecoins werden für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt, für Rücküberweisungen von Migranten ist die Datenlage aber dünn. Der IWF beziffert grenzüberschreitende Stablecoin-Ströme 2024 auf rund 1,5 Billionen US-Dollar, ein kleiner Teil eines Markts für Auslandszahlungen, der 2024 fast eine Billiarde Dollar erreichte. Den größten Anteil nach Wert haben Ströme zwischen Schwellen- und Entwicklungsländern (IWF, 4. Dezember 2025).
Die EZB stellt fest, dass über 70 % der Stablecoin-Ströme zwischen Regionen fließen. Konkrete Belege für eine systematische Nutzung bei Rücküberweisungen fehlen ihr aber. Die BIZ nennt, wer am meisten gewinnt: Menschen in Ländern mit hoher Inflation, Kapitalverkehrskontrollen oder wenig Zugang zu Dollarkonten.
Wofür werden Stablecoins am Kryptomarkt genutzt?
Am Kryptomarkt sind Stablecoins die bevorzugte Handelseinheit und der Weg in den Markt und wieder hinaus. An rund 80 % aller Geschäfte auf zentralen Kryptohandelsplätzen sind Stablecoins beteiligt, und nur etwa 0,5 % des Volumens sind organische Überweisungen in typischer Privatkundengröße (EZB, November 2025). Der IWF schätzt, dass rund 80 % der Stablecoin-Transaktionen von Bots und automatisierten Systemen für Arbitrage und Rebalancing stammen. Wie die Token funktionieren, erklärt die Seite Was sind Stablecoins?
Stablecoin-Zahlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland und Österreich zahlt ein Unternehmen, das mit einem E-Geld-Token zahlt, mit E-Geld: Nach Artikel 48 Abs. 2 MiCA gelten E-Geld-Token als E-Geld. Der Inhaber hat eine Forderung gegen den Emittenten und kann jederzeit zum Nennwert zurücktauschen (Artikel 49). Weder der Emittent noch ein Kryptowerte-Dienstleister darf Zinsen auf den Token zahlen (Artikel 50). Die Treasury eines Unternehmens erhält auf Stablecoin-Guthaben also von keinem der beiden Zinsen. Die BaFin beaufsichtigt nach KMAG und, für E-Geld-Token, nach ZAG, in Österreich die FMA. Auf Euro lautende, nach MiCA zugelassene Stablecoins kamen auf rund 395 Mio. Euro (EZB, November 2025).
In Frankfurt haben die Gruppe Deutsche Börse und Circle am 30. September 2025 angekündigt, die Stablecoins EURC und USDC in die Infrastruktur der Deutschen Börse zu holen: Listing und Handel auf 3DX, der digitalen Börse von 360T, Verwahrung bei Clearstream. Die Gruppe erwartet für Banken und Vermögensverwalter weniger Erfüllungsrisiko und geringere Kosten (Gruppe Deutsche Börse, 30. September 2025).
Die Schweiz gehört nicht zur EU. Laut FINMA ist das Geldwäschereigesetz auf Stablecoins fast immer anwendbar. Für Stablecoins beaufsichtigter Institute verlangt sie vertragliche und technische Übertragungsbeschränkungen (FINMA, 26. Juli 2024). Für Unternehmen in der Schweiz heißt das: Jeder Inhaber wird identifiziert.
Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- Europäische Zentralbank: Stablecoins and the future of money: separating functions from instruments, Rede von Christine Lagarde, 8. Mai 2026
- Europäische Zentralbank: Stablecoins on the rise: still small in the euro area, but spillover risks loom, Financial Stability Review, November 2025
- Internationaler Währungsfonds: Understanding Stablecoins, Departmental Paper 2025/009, 4. Dezember 2025
- Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Annual Economic Report 2025, chapter III: The next-generation monetary and financial system, 29. Juni 2025
- Gruppe Deutsche Börse: Deutsche Börse Group and Circle Announce Collaboration to Advance Stablecoin Adoption in Europe, 30. September 2025
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte, 31. Mai 2023
- FINMA: Aufsichtsmitteilung 06/2024, Stablecoins: Risiken und Herausforderungen für Emittenten und Banken, die Ausfallgarantien stellen, 26. Juli 2024
Über Finance Loop: Stablecoin-Anwendungen
Finance Loop ist der Treffpunkt für Treasurer, Zahlungsdienstleister, Banken und Fintechs, die Stablecoins für Zahlungen zwischen Unternehmen und für die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte nutzen. Finance Loop verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities in Frankfurt, wo die Gruppe Deutsche Börse und Circle im September 2025 angekündigt haben, EURC und USDC in die Infrastruktur der Deutschen Börse zu holen.
Am 17. März 2026 haben Finance Loop und Venturebloxx den Report Stablecoins: The Operating Layer for Global B2B Payments vorgestellt. Er untersucht grenzüberschreitende Transaktionen, Treasury und Zahlungsströme zwischen Unternehmen, in denen Stablecoins heute im Einsatz sind.