Bitcoin als Kreditsicherheit: Geld gegen Münzen, die bleiben
Ein bitcoinbesicherter Kredit zahlt Ihnen Geld gegen Bitcoin, die Sie verpfänden und weiter besitzen. Die Chance der Münzen bleibt bei Ihnen, auf das Geld zahlen Sie Zinsen, und der Kreditvertrag regelt, was bei fallendem Kurs passiert. Diese Klausel, nicht der Zinssatz, entscheidet, wie die Sache endet.
Der Grund dafür ist einfach: Der Verkauf einer lang gehaltenen Münze realisiert einen Gewinn und beendet die Position, eine Beleihung tut beides nicht. Für einen deutschen Halter nach Ablauf der Jahresfrist hat der Unterschied auch eine steuerliche Seite, die weiter unten steht.
Beleihungsquote, Abschlag und die Nachschussschwelle
Drei Zahlen beschreiben die ganze Vereinbarung, und ein Kreditnehmer sollte alle drei vor der Unterschrift kennen.
Die Beleihungsquote ist der Kredit geteilt durch den Marktwert der verpfändeten Münzen. Ein Kreditgeber mit 50 Prozent leiht 50.000 Euro gegen 100.000 Euro Münzwert, und die Differenz ist der Abschlag, der einen Kursverlust auffängt. Wegen der Schwankung von Bitcoin ist dieser Abschlag so groß: Ein Kreditgeber gegen Staatsanleihen arbeitet mit wenigen Prozent.
Die Nachschussschwelle ist die Quote, ab der der Kreditgeber mehr verlangt. Fällt der Kurs, bleibt der Kredit gleich und die Sicherheit schrumpft, also steigt die Quote von allein auf diese Schwelle zu. Die Verwertungsschwelle liegt darüber, und wird sie erreicht, darf der Kreditgeber einen Teil oder die ganze Sicherheit verkaufen, um den Kredit zu tilgen. Lightspark beschreibt denselben Ablauf von der Verpfändung bis zur Freigabe. Praktisch zählt, wie viel Zeit ein Nachschussaufruf lässt und ob der Kreditgeber überhaupt warnen muss, denn manche Verträge erlauben den automatischen Verkauf.
Wo die Sicherheit liegt
Hier trennt sich ein sauberer Kredit von einer Wiederholung des Jahres 2022, und entschieden wird das im Vertrag, nicht über den Zinssatz.
In der schwächsten Gestaltung wandern die Münzen in die eigene Wallet des Kreditgebers und in seine Bilanz, wo sie seinem Geschäft ausgesetzt sind. In einer getrennten Gestaltung gehen sie an einen beaufsichtigten Verwahrer, auf ein Konto in Ihrem Namen, verpfändet an den Kreditgeber, und ein Ausfall des Kreditgebers lässt die Münzen identifizierbar und außerhalb seiner Insolvenzmasse. Eine Dreiparteien-Gestaltung stellt ein drittes Institut zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber, das die Sicherheit hält, bewertet und die Nachschussmechanik führt, so wie dasselbe Problem in der Wertpapierleihe gelöst wird.
Weiterverpfändung und die Pleiten von 2022
Weiterverpfändung heißt, dass der Kreditgeber Ihre Münzen anderswo als eigene Sicherheit einsetzt. Der Vertrag erlaubt das oder verbietet es, und wer diese Klausel nicht gelesen hat, weiß nicht, ob die Münzen noch da sind.
Die Pleiten zentraler Krypto-Kreditgeber 2022 machten daraus einen Verlust für tausende Kreditnehmer. Firmen hatten Kundensicherheiten weiterverpfändet, um eigene Positionen zu finanzieren, und als der Markt fiel, waren die Münzen weg und die Kredite blieben. Kreditnehmer wurden unbesicherte Gläubiger einer insolventen Gesellschaft und warteten Jahre auf einen Bruchteil. Die Frage an einen Kreditgeber lautet deshalb nicht, welchen Zins er bietet, sondern ob der Vertrag die Wiederverwendung der Sicherheit erlaubt und welcher Verwahrer sie hält.
Zentraler Kredit gegen DeFi-Kredit auf derselben Sicherheit
Beide geben Geld gegen Bitcoin, und sie scheitern auf unterschiedliche Weise.
Ein zentraler Kreditgeber macht KYC, fällt eine Kreditentscheidung, hält die Sicherheit und ist verhandelbar. Ein Nachschussaufruf kommt als Nachricht, und ein Mensch kann eine Stunde geben. Das Risiko ist der Kreditgeber selbst: seine Solvenz, seine Verwahrpraxis und sein Recht, Ihre Münzen weiterzuverwenden.
Ein Kredit auf der Kette ersetzt den Kreditgeber durch einen Smart Contract. Die Sicherheit liegt im Vertrag, die Bedingungen sind öffentlich, niemand kann sie weiterverpfänden, und die Verwertung läuft als Code, ohne Gespräch, zu jedem Preis. DeFi-Kredite erklären die Mechanik, und der Tausch ist klar: Sie geben Kontrahentenrisiko gegen Vertragsrisiko und verlieren jede Form von Nachsicht. Bitcoin selbst hat keinen eigenen Kreditvertrag, also läuft ein Kredit auf der Kette meist gegen eine verpackte Darstellung der Münze, was den Emittenten dieser Verpackung als drittes Exposure hinzufügt.
Ist die Verpfändung von Bitcoin in Deutschland eine Veräußerung?
Nein. Eine Verpfändung ist kein Verkauf, also realisiert ein deutscher Privathalter mit der Kreditaufnahme keinen Gewinn, und die Jahresfrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz läuft bei verpfändeten Münzen weiter. Das ist der steuerliche Grund für diese Gestaltung.
Die Verwertung ändert die Antwort. Verkauft der Kreditgeber die Sicherheit, um den Kredit zu tilgen, ist dieser Verkauf eine Veräußerung durch Sie, der Gewinn innerhalb der Jahresfrist steuerpflichtig, und Geld sehen Sie davon nicht, weil der Erlös an den Kreditgeber ging. Ein Zwangsverkauf kann einen Kreditnehmer also mit einer Steuerlast und ohne Erlös zurücklassen. Gezahlte Kreditzinsen sind bei einem Privathalter in der Regel nicht abziehbar. Krypto-Steuer in Deutschland nennt die Regeln, und bei einem betrieblichen Halter gilt etwas anderes.
Wer bietet das einem deutschen Kreditnehmer, und mit welcher Erlaubnis?
Gewerbliches Geldausleihen ist in Deutschland ein Bankgeschäft nach dem Kreditwesengesetz und braucht eine Erlaubnis der BaFin, also ist der Kreditgeber, mit dem ein deutscher Kreditnehmer zu tun hat, eine Bank, ein Institut mit Krediterlaubnis oder ein ausländisches Institut im Passporting. Die Verwahrung der Bitcoin ist eine eigene erlaubnispflichtige Tätigkeit, behandelt unter Krypto-Verwahrung in Deutschland.
Praktisch sind an einer Vereinbarung deshalb oft zwei beaufsichtigte Firmen beteiligt, ein Kreditgeber und ein Verwahrer, mit einem Pfandvertrag dazwischen. Eine Offshore-Plattform, die einem deutschen Kunden denselben Kredit ohne beide Erlaubnisse anbietet, ist die Konstellation, die 2022 zu den Verlusten führte, und dort hat der Kreditnehmer keine Einlagensicherung und keine Aufsicht, an die er sich wenden kann.
Was kann bei einem bitcoinbesicherten Kredit schiefgehen?
Vier Dinge, in der Reihenfolge, in der sie zuschlagen. Der Kurs fällt, und der Nachschussaufruf kommt mit Stunden Zeit. Der Kreditgeber verwertet am Tiefpunkt einer Bewegung und zementiert damit den Verlust, den der Kreditnehmer durch Nichtverkaufen vermeiden wollte. Der Kreditgeber fällt aus, und die Sicherheit war weiterverpfändet. Und das geliehene Geld steckte in etwas, das gleichzeitig mit Bitcoin fiel, was aus einer Position zwei Verluste macht.
Gegen die ersten zwei hilft eine niedrigere Quote als der Kreditgeber anbietet. Ein Kredit über 25 Prozent der Sicherheit überlebt einen Einbruch, der einen Kredit über 50 Prozent auslöscht, und der Zinsunterschied ist dagegen klein.
Bitcoin als Kreditsicherheit und Finance Loop
Finance Loop ist der Treffpunkt für die Kreditgeber, Verwahrer und Berater, die solche Vereinbarungen in Deutschland bauen, und für die Halter, die den Pfandvertrag lesen müssen. Mitglieder von Finance Loop arbeiten auf der Verwahrseite der Sicherheit und auf der Kreditseite, auf der die Nachschussbedingungen gesetzt werden.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, etwa KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.