EBICS

EBICS, der Electronic Banking Internet Communication Standard, ist ein Protokoll für den Austausch von Zahlungs- und Kontodateien zwischen Unternehmen und Banken über das Internet. Die deutsche Kreditwirtschaft entwickelte den Standard, der auch in Frankreich, Österreich und der Schweiz verwendet wird. Unternehmen versenden darüber Zahlungsdateien und rufen über dieselbe Verbindung Kontoauszüge ab.

EBICS bietet Finanzteams einen sicheren Übertragungsweg für Bankdaten aus ihrer Unternehmenssoftware. Verschlüsselung und elektronische Unterschriften schützen den Austausch und unterstützen die Zahlungsfreigabe durch festgelegte Nutzer. Das Protokoll ist vom Dateiformat unabhängig und kann deshalb unterschiedliche, mit der Bank vereinbarte Zahlungs- und Auszugsdateien übertragen.

Banking-Authentifizierungsgerät und Chipkarte auf einer Stahlfläche

Von BCS-FTAM zu EBICS 3.0

EBICS löste BCS/FTAM als Standard für die Kommunikation im Firmenkundengeschäft ab. Die Deutsche Kreditwirtschaft passte den Dateiaustausch an das Internet an und ergänzte die verteilte elektronische Unterschrift. Seit 2008 ist EBICS in Deutschland verpflichtend. Im November desselben Jahres vereinbarten Deutschland und Frankreich ihre Zusammenarbeit; heute pflegt EBICS SC den Standard. Die EBICS-Historie (auf Englisch) beschreibt diese Entwicklung.

EBICS 3.0 führte eine gemeinsame Kennzeichnung von Geschäftsvorfällen und Dateiformaten über BTF ein. Schweizer Institute unterstützen die Version seit November 2021; die Migration wird mit der jeweiligen Bank abgestimmt. SIX veröffentlicht die Schweizer Umsetzungshinweise.

Was über EBICS läuft

EBICS überträgt Dateien über eine verschlüsselte Internetverbindung. Für Überweisungen und Lastschriften kommt SEPA XML zum Einsatz; zurück kommen etwa Kontoauszüge im Format camt.053 und untertägige Berichte in camt.052. Übertragungsprotokoll und Dateiformat sind getrennte Dinge: Eine funktionierende Verbindung bedeutet nicht, dass die Bank jede Nachrichtenversion annimmt.

ERP- und Treasury-Systeme können EBICS ohne die Software der Bank nutzen. Dafür müssen Benutzer, Unterschriftsrechte und geschützte Schlüssel eingerichtet sein. Eine Datei zu übertragen, sie freizugeben und eine Rückmeldung zur Verarbeitung zu erhalten, sind unterschiedliche Schritte. Die Berechtigungen sollten zum Freigabeprozess des Unternehmens passen.

Bei der Einrichtung müssen auch die öffentlichen Schlüssel der Bank geprüft werden. Die PostFinance-Anleitung (auf Englisch) zeigt ein Beispiel: Kunden tauschen Signatur-, Authentifizierungs- und Verschlüsselungsschlüssel aus, senden einen Initialisierungsbrief und vergleichen die Hashwerte der Bankschlüssel vor der Verbindung mit den veröffentlichten Werten.

EBICS oder Banking-API?

EBICS tauscht Dateien aus; über eine Banking-API sendet Software Anfragen und erhält strukturierte Antworten. Entscheidend sind Bankanbindungen, Freigabeprozess und benötigte Kontoberichte. Die Anbindung allein bestimmt nicht, wie schnell eine Zahlung ankommt: Über EBICS können auch Echtzeitüberweisungen eingereicht werden, wie die Auftragsarten bei Goldman Sachs (auf Englisch) zeigen.

Unternehmen mit mehreren Bankverbindungen können die Dateiverarbeitung in einem Payment Hub bündeln. Vor der Wahl einer Anbindung sollten unterstützte Zahlungsarten und Kontoberichte, Freigaben und Rückmeldungen bei Verarbeitungsfehlern geklärt sein.

Kommende Events zu Payments

Welche Banken bieten EBICS an?

Jede Bank in Deutschland bietet EBICS an, seit die Unterstützung am 1. Januar 2008 Pflicht wurde. In Frankreich, Österreich und der Schweiz bieten es die großen Banken ebenfalls an; in der Schweiz ist die Nutzung für Institute freiwillig.

Was unterscheidet EBICS von FinTS?

FinTS, früher HBCI, ist der deutsche Standard für Online-Banking aus Finanzsoftware, für einzelne Aufträge und Kontoabfragen. EBICS ist für Unternehmen gebaut, die große Zahlungsdateien und Auszüge übertragen und mehrere Unterschriften je Datei brauchen.

Brauche ich EBICS 3.0?

Vor einem Wechsel des Clients sollten die unterstützte EBICS-Version und die Nachrichtenformate mit der Bank geklärt sein. Schweizer SPS-2022-Nachrichtenversionen setzen EBICS 3.0 voraus; Migrationen von 2.x werden mit jedem Institut abgestimmt. Die aktuelle Spezifikation ist 3.0.2 (auf Englisch). Protokollrevisionen, BTF-Codes und Sicherheitsanhänge werden unabhängig voneinander aktualisiert.

Die Sicherheitshinweise von 2026 (auf Englisch) behandeln auch die sichere Speicherung und Verwendung der Kunden- und Bankschlüssel. Die Empfehlungen zum Schlüsselschutz für bestehende Versionen sind von Anforderungen zu unterscheiden, die für EBICS 4.0 geplant sind.

EBICS und Finance Loop

Finance Loop bringt Treasurer und die Bankteams zusammen, die ihre EBICS-Anbindungen betreiben. Finance Loop hält Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg ab.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk, das die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen fördert, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.

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