TARGET2 und TIPS: wo Euro-Zahlungen wirklich abgewickelt werden

Jede Euro-Zahlung endet auf einem von wenigen Konten bei einer Zentralbank, und in den TARGET-Diensten liegen diese Konten. Scheitert eine Zahlung um vier Uhr nachmittags, sitzt der Annahmeschluss in diesem System. T2 wickelt Großbeträge einzeln in Zentralbankgeld ab, TIPS Echtzeitüberweisungen in rund zehn Sekunden, T2S Wertpapiere gegen Geld.

Die Europäische Zentralbank betreibt die TARGET-Dienste gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken, der technische Betrieb liegt bei vier von ihnen. TARGET2 hieß die Echtzeit-Bruttoabwicklung bis zur Konsolidierung, heute läuft der Dienst unter T2.

Ein gesicherter Abwicklungsserver, ein Hardware-Sicherheitsmodul und eine Netzwerkkonsole stehen für Eurozahlungen in Zentralbankgeld.

Was T2, TIPS und T2S abwickeln

T2 ist die Echtzeit-Bruttoabwicklung für den Euro. Jede Zahlung wird einzeln, sofort und endgültig abgewickelt, ohne Verrechnung mit anderen Zahlungen. Hier laufen die geldpolitischen Geschäfte des Eurosystems, Interbankzahlungen und die Geldseite kommerzieller Geschäfte. Die Beträge sind groß: Das System bewegt alle wenigen Tage etwa das Jahres-BIP des Euroraums, und über 1.700 Banken senden Zahlungen hinein.

TIPS wickelt Echtzeitüberweisungen rund um die Uhr ab, auch an Wochenenden und Feiertagen, in Zentralbankgeld. T2S wickelt Wertpapiergeschäfte ab, Geld- und Wertpapierseite an einem Ort. Seit der Konsolidierung haben die drei einen Zugang und eine Liquiditätssicht.

ECMS, Pontes und die Dienste jenseits der Zahlung

Zwei weitere Dienste gehören zur Familie, und ein Zahlungsverkehrsteam trifft beide. Das Eurosystem Collateral Management System ist die einheitliche Plattform für die Werte, die eine Bank für Notenbankkredit verpfändet. Davor führte jede nationale Zentralbank eigene Verfahren, und eine Bank in mehreren Ländern hielt mehrere Prozesse. Innertageskredit und Auto-Besicherung in T2 greifen auf ECMS zu, deshalb läuft eine Liquiditätsplanung heute darüber.

Pontes ist das neueste Mitglied: eine DLT-Lösung, die Markt-DLT-Plattformen mit den TARGET-Diensten verbindet, damit dortige Geschäfte in Zentralbankgeld abgewickelt werden. Diese Arbeit behandelt Finance Loop unter Wholesale CBDC. Alles davon liegt beim Market Infrastructure Board, folgt dem einen TARGET-Betriebskalender und spricht ISO 20022.

Konsolidierung und zentrale Liquiditätssteuerung

Vor der Konsolidierung hielt eine Bank getrennte Liquidität für Zahlungen und für die Wertpapierabwicklung und schob das Geld von Hand hin und her. Die Konsolidierung von T2 und T2S hat das durch ein Modul für zentrale Liquiditätssteuerung ersetzt. Eine Bank hält heute ein Hauptgeldkonto und zweckgebundene Geldkonten für die einzelnen Dienste, und das Modul verschiebt die Liquidität im Tagesverlauf.

Für ein Zahlungsverkehrsteam ändert sich praktisch die Reihenfolge. Prioritäten, Reservierungen und Limite bestimmen, welche Zahlung bei knapper Liquidität zuerst durchläuft, und diese Einstellungen liegen im zentralen Modul statt an zwei Stellen.

Wer ein TARGET-Konto halten darf

Kreditinstitute mit Sitz im Europäischen Wirtschaftsraum bekommen direkten Zugang über ihre nationale Zentralbank. Für deutsche Teilnehmer ist die Bundesbank der Ansprechpartner. Wertpapierfirmen, Clearinghäuser und andere Finanzinstitute können unter den Bedingungen der TARGET-Leitlinie zugelassen werden.

Ein Zahlungs- oder E-Geld-Institut hat den schwereren Weg. Es ist kein Kreditinstitut und erreicht die Abwicklung meist mittelbar, über eine Bank, die das Konto hält, oder über einen Scheme-Teilnehmer bei Echtzeitzahlungen. Diese Abhängigkeit ist eine strategische Frage, und die Lizenzseite behandelt Finance Loop unter Regulierung im Zahlungsverkehr.

Wie TIPS eine Überweisung in zehn Sekunden abwickelt

Die Bank des Zahlers sendet die Überweisungsnachricht, die Bank des Empfängers prüft und antwortet, und TIPS belastet ein zweckgebundenes Geldkonto und schreibt dem anderen gut. In diesem Moment ist das Geld Zentralbankgeld, die Empfängerbank trägt also kein Kreditrisiko und kann den Betrag sofort freigeben.

Das Scheme setzt für den ganzen Austausch zehn Sekunden, und deshalb muss der Kontodienst auf beiden Seiten durchgehend erreichbar sein. Die Scheme-Regeln und die Verordnung behandelt Finance Loop unter Echtzeitüberweisung in Europa, die Namensprüfung davor unter Empfängerprüfung.

Geschäftstage, Annahmeschluss und eine Störung

T2 läuft an TARGET-Geschäftstagen, also ohne Wochenenden und sechs gemeinsame Feiertage, und der Tag hat feste Annahmeschlüsse: einen für Kundenzahlungen, einen späteren für Interbankzahlungen und ein Tagesendverfahren. Eine Zahlung nach ihrem Annahmeschluss wird am nächsten Geschäftstag abgewickelt, und daher kommt meist ein unerwartetes Valutadatum. TIPS hat keinen solchen Kalender und wickelt an jedem Tag des Jahres ab.

Eine Störung in T2 stoppt die Großbetragsabwicklung im Euroraum, und das ist vorgekommen. Das System hat Notverfahren für sehr kritische Zahlungen, und ein Teilnehmer muss seinen eigenen Rückfallweg getestet haben: Wer erklärt eine Zahlung für kritisch, wer sendet sie, und woher erfährt das Treasury, dass die Refinanzierung nicht durchgelaufen ist.

Warum das in Frankfurt läuft

Die EZB sitzt in Frankfurt und trägt die rechtliche Verantwortung für die TARGET-Dienste, die technischen Plattformen stellen Bundesbank, Banca d'Italia, Banque de France und Banco de España. Damit liegt die Steuerung der Abwicklungsebene des Euro in derselben Stadt wie EZB, Bundesbank und die europäische Geldwäscheaufsicht. Die Stadt behandelt Finance Loop unter Zahlungsverkehr in Frankfurt.

Was unterscheidet TARGET2 und SEPA?

Sie liegen auf verschiedenen Ebenen. SEPA ist das Regelwerk dafür, wie eine Euro-Überweisung oder eine Lastschrift aussieht und was Banken einander schulden. T2 und TIPS sind Abwicklungssysteme, in denen das Geld zwischen Banken in Zentralbankgeld bewegt wird. Eine SEPA-Überweisung wird in TIPS abgewickelt, über ein Clearing mit Nettopositionen in T2 oder innerhalb einer Bank.

Gibt es TARGET2 noch?

Der Name ist Geschichte. T2 hat TARGET2 bei der Konsolidierung als Echtzeit-Bruttoabwicklung des Eurosystems ersetzt und die Zahlungsfunktion mit der zentralen Liquiditätssteuerung verbunden. Im Markt sagen viele weiter TARGET2, Nachrichten und Unterlagen schreiben T2.

TARGET2, TIPS und Finance Loop

Finance Loop ist der Treffpunkt für den Zahlungsverkehr in Frankfurt, der Stadt, in der die Abwicklungsebene des Euro gesteuert wird. Finance Loop bringt die Häuser mit TARGET-Konto, die Zahlungsdienstleister mit mittelbarem Zugang und die Teams zusammen, die Echtzeit- und tokenisierte Wege darauf aufsetzen.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, etwa KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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