ESRB
Der ESRB, der Europäische Ausschuss für Systemrisiken, ist das EU-Gremium für die makroprudenzielle Aufsicht über das Finanzsystem. Der ESRB bewertet Risiken, die zwischen Instituten oder Märkten übergreifen und Finanzdienstleistungen in der Wirtschaft beeinträchtigen können. Der Auftrag umfasst Banken, Versicherer, Investmentfonds und Finanzmarktinfrastrukturen.
Der ESRB spricht Warnungen und Empfehlungen aus, wenn Risiken für die Finanzstabilität Maßnahmen erfordern. Die Empfehlungen können sich an EU-Institutionen, Mitgliedstaaten und Aufsichtsbehörden richten. Die Europäische Zentralbank unterstützt das ESRB-Sekretariat in Frankfurt bei den analytischen und administrativen Arbeiten für diese systemweite Aufsicht.
Gegründet nach der Finanzkrise
Der de-Larosière-Bericht von 2009 empfahl eine EU-Stelle, die das Finanzsystem als Ganzes überwacht. Der ESRB entstand durch die Verordnung (EU) Nr. 1092/2010, die am 16. Dezember 2010 in Kraft trat, und nahm Anfang 2011 die Arbeit auf. Die Verordnung (EU) 2019/2176 änderte seine Regeln. Der ESRB blickt auf Banken, Versicherer, Vermögensverwalter, Schattenbanken und Finanzmarktinfrastrukturen.
Mit den drei europäischen Aufsichtsbehörden, EIOPA, EBA und ESMA, bildet der ESRB das Europäische Finanzaufsichtssystem. Die Aufsichtsbehörden haben jeweils einen sektoralen Auftrag; der ESRB betrachtet, wie Risiken zwischen den Sektoren zusammenhängen. Beschlussorgan ist der Verwaltungsrat, in dem die Notenbankchefs der EU-Länder sitzen.
Warnungen und Empfehlungen
Der ESRB kann Warnungen und Empfehlungen aussprechen, wenn erhebliche Systemrisiken eine politische Reaktion erfordern. Adressaten sind EU-Institutionen, Mitgliedstaaten sowie europäische oder nationale Behörden. Eine Warnung benennt ein Risiko; eine Empfehlung fordert Gegenmaßnahmen.
Für Empfehlungen gilt das Verfahren handeln oder erklären. Adressaten berichten über ihre Maßnahmen oder begründen, warum sie eine Empfehlung nicht umsetzen. Der ESRB beurteilt diese Rückmeldungen und prüft, in welchem Umfang das erkannte Risiko begrenzt wurde.
Stablecoins, Krypto und KI auf der Agenda
Am 25. September 2025 beschloss der ESRB die Empfehlung ESRB/2025/9 zu Multi-Issuer-Stablecoins, bei denen ein Emittent in der EU und einer außerhalb austauschbare Token mit Reserven in verschiedenen Ländern ausgeben. Die Empfehlung ESRB/2025/9 fordert die Kommission auf, solche Modelle ohne eigenen Rahmen als unter MiCAR unzulässig zu behandeln, und nennt weitere Schritte zu Reservedaten, Stresstests und Aufsichtskonvergenz. Grenzüberschreitende Rückgabe- und Reserveverfahren gehören zur Prüfung von Stablecoins in Europa auf Finanzstabilitätsrisiken; MiCA in Europa ist der regulatorische Rahmen.
Der Beratende Wissenschaftliche Ausschuss des ESRB veröffentlichte im Dezember 2025 einen Bericht zu künstlicher Intelligenz und Systemrisiko (auf Englisch). Der Bericht nennt fünf Eigenschaften von KI, die Systemrisiken verstärken könnten: Konzentration und Markteintrittshürden, gleichförmige Modelle, schwierige Überwachung, übermäßiges Vertrauen und Tempo. Diese Risiken betreffen den Einsatz von KI im Finanzwesen durch Banken und andere Finanzinstitute.
Kommende Finanz-Events in Frankfurt
Systemrisiken und digitale Finanzdienste
Digitale Finanzdienste verändern die Übertragung von Risiken. Stablecoins verbinden Tokenmärkte, Reserveanlagen und Zahlungsnutzer. Der ESRB untersucht diese Verbindungen zusammen mit den Beziehungen zwischen Banken und Finanzinstituten außerhalb des Bankensektors.
Die Risikoanalyse des ESRB behandelt Liquidität, Verschuldung und konzentrierte Engagements im Finanzsystem. Ähnliche Technologien oder Finanzierungswege können Institute verbinden, die einzeln betrachtet voneinander getrennt erscheinen. Dieser systemweite Blick ist für Stablecoins in Frankfurt und für Gespräche über Zentralbankgeld bei der Digital Euro Conference relevant.
Was macht der ESRB?
Der ESRB ist für die makroprudenzielle Überwachung des EU-Finanzsystems zuständig. Der ESRB beobachtet und bewertet Systemrisiken und richtet, wenn nötig, Warnungen und Empfehlungen an EU-Stellen, Mitgliedstaaten und Aufseher.
Wer hat den Vorsitz im ESRB?
Den Vorsitz im ESRB-Verwaltungsrat führt die Leitung der Europäischen Zentralbank. Das ESRB-Sekretariat erledigt das Tagesgeschäft und erhält Unterstützung der EZB bei administrativen, analytischen und statistischen Arbeiten in Frankfurt.
Sind Empfehlungen des ESRB verbindlich?
Adressaten müssen einer Empfehlung folgen oder begründen, warum sie es nicht tun, nach dem Grundsatz „handeln oder erklären“.
Wo sitzt der ESRB?
Der ESRB sitzt in Frankfurt am Main, bei der Europäischen Zentralbank, die sein Sekretariat beherbergt.
Ausschuss für Systemrisiken und Finance Loop
Finance Loop behandelt die Themen, die der ESRB aufgegriffen hat, Stablecoins, Kryptowerte und KI im Finanzwesen, in den Feldern Zahlungsverkehr & digitales Geld und Risiko & Compliance. Finance Loop veranstaltet seine Events in Frankfurt, wo das ESRB-Sekretariat bei der EZB arbeitet.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk, das die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen fördert, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.