RTGS-System

Ein RTGS-System wickelt Zahlungen einzeln und fortlaufend ab, wobei RTGS für Real-time gross settlement steht. Bruttoabwicklung bedeutet, dass jede Zahlung in voller Höhe ohne vorherige Verrechnung mit anderen Zahlungen abgewickelt wird. Das System überträgt Geld zwischen den Abwicklungskonten der Teilnehmer, sobald die Zahlungsaufträge verarbeitet werden.

Banken und andere zugelassene Teilnehmer nutzen RTGS-Systeme für Zahlungen zwischen ihren Abwicklungskonten. T2, der RTGS-Dienst des Eurosystems, wickelt Zahlungen in Zentralbankgeld mit unmittelbarer Endgültigkeit ab. Teilnehmer benötigen ausreichende Liquidität für ihre Zahlungen und können Systemfunktionen nutzen, um Kontoguthaben und Zahlungsprioritäten zu steuern.

Abrechnungsbeleg neben einer Digitaluhr

Abwicklung ohne Saldierung

Echtzeit bedeutet eine Verarbeitung ohne vorgeschaltete Wartezeit, auch wenn die Verarbeitung selbst dauern kann. Brutto heißt, dass jede Transaktion einzeln abgewickelt wird, ohne Bündelung oder Netting. Danach ist die Zahlung final und unwiderruflich. Bargeld fließt nicht: Die Zentralbank belastet ein Konto und schreibt dem anderen gut. Je nach System dauert das von einem Augenblick bis zu 30 Minuten.

Zentralbanken betreiben ihr RTGS-System meist selbst, weil Großbetragszahlungen, Geldmarktgeschäfte und Geldpolitik davon abhängen. Den rechtlichen Zeitpunkt der Endgültigkeit regelt die Finalitätsrichtlinie.

Von Fedwire zu T2

Fedwire in den USA war 1970 das erste System mit RTGS-Merkmalen. Das britische CHAPS und das französische SAGITTAIRE folgten 1984. 1985 hatten drei Zentralbanken ein RTGS-System, Ende 2005 waren es 90. In Europa wickelt heute T2 den Euro ab, CHAPS das Pfund und SIC den Franken.

T2 löste TARGET2 bei der Konsolidierung der TARGET-Services ab, beschrieben unter TARGET2 und TIPS. In der deutschen T2-Komponente reichten Banken 2023 je Geschäftstag knapp 208.000 Zahlungen im Wert von rund 900 Mrd. Euro ein.

Brutto gegen netto

Ein Nettosystem sammelt Zahlungen und gleicht nur die Differenz zwischen Banken aus, ein- oder mehrmals am Tag. Das braucht weniger Liquidität, lässt die Banken aber bis zur Abwicklung im Risiko. RTGS beseitigt dieses Risiko und verlangt dafür mehr Liquidität, die Banken über Innertageskredit der Zentralbank gegen Sicherheiten beschaffen. Wie man sie steuert, steht unter Intraday-Liquidität.

Manche Systeme liegen dazwischen. EURO1 von EBA Clearing verrechnet die Zahlungen seiner 33 Teilnehmer netto und macht trotzdem jede Zahlung bei der Verarbeitung final.

T2 und DLT-Plattformen

Tokenisierte Wertpapiere werden auf DLT-Plattformen gehandelt, und ihr Geldteil kann jetzt im RTGS-System abgewickelt werden. Der Eurosystem-Dienst Pontes verbindet DLT-Plattformen des Markts mit den TARGET-Services: Teilnehmer wickeln mit Cash-Token auf einer DLT-Plattform des Eurosystems oder in T2 ab, und der Geldteil ist final, sobald die passende Transaktion in T2 abgeschlossen ist. Pontes startete am 21. September 2026.

Kommende Events zu Payments

Was unterscheidet RTGS von Echtzeitüberweisungen?

Ein RTGS-System wickelt große und eilige Zahlungen zwischen Banken an Geschäftstagen ab; T2 schließt an den TARGET-Feiertagen. Echtzeitüberweisungen sind Massenzahlungen rund um die Uhr. Im Euroraum wickelt TIPS sie ebenfalls brutto in Zentralbankgeld ab, als eigener Dienst für kleine Beträge in großer Zahl.

Wer kann ein RTGS-System nutzen?

Banken mit einem Konto bei der Zentralbank. In T2 erhalten Kreditinstitute aus dem Europäischen Wirtschaftsraum direkten Zugang über ihre nationale Zentralbank, in Deutschland die Bundesbank. Andere Unternehmen nutzen es über eine Bank, die das Konto für sie hält.

Ist eine RTGS-Zahlung dasselbe wie eine Eilüberweisung?

Die Eilüberweisung ist das, was der Kunde beauftragt. Zwischen Banken im Euroraum läuft eine eilige oder große Überweisung meist über T2, eine normale SEPA-Überweisung zuerst durch ein Nettosystem. Der Kunde merkt den Unterschied an Tempo und Entgelt.

RTGS-Systeme und Finance Loop

Finance Loop bringt Treasury- und Zahlungsverkehrsfachleute von Banken in Frankfurt zusammen, wo EZB und Bundesbank über T2 entscheiden. Finance Loop hat das Frankfurt Quantum Finance Forum an der Frankfurt School mit der Deutschen Bundesbank und IBM mitorganisiert.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk, das die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen fördert, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.

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