Gaia-X Association
Gaia-X ist eine internationale gemeinnützige Vereinigung nach belgischem Recht, die gemeinsame Regeln für das Teilen von Daten und die Nutzung von Cloud-Diensten in Europa entwickelt. Der volle Name lautet Gaia-X European Association for Data and Cloud AISBL, und als Mission nennt Gaia-X den De-facto-Standard für föderierte, vertrauenswürdige Daten- und Infrastruktur-Ökosysteme.
Mitglieder von Gaia-X sind Cloud- und IT-Anbieter, Anwenderunternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Wirtschaftsverbände. Gemeinsam schreiben sie das Trust Framework, ein Regelwerk mit Software, das automatisch prüft, ob ein Teilnehmer und seine Cloud- oder Datendienste die vereinbarten Anforderungen erfüllen. Akkreditierte Digital Clearing Houses führen diese Prüfungen durch, und nationale Hubs bringen die Anliegen ihrer Länder ein.
Trust Framework und Label-Stufen
Das Trust Framework von Gaia-X prüft die Identität der Teilnehmer und ihre Nachweise automatisch, sodass ein Käufer die Angaben eines Anbieters zu einem Dienst kontrollieren kann, bevor er sich darauf verlässt. Beim Gaia-X Summit 2025 in Porto stellte die Vereinigung Version 3.0 des Frameworks unter dem Namen Danube vor. Mit dieser Version können Datenökosysteme eigene Regelwerke für ihre Branche oder Region automatisieren und bleiben trotzdem miteinander interoperabel.
Cloud-Dienste können zusätzlich ein Gaia-X-Label tragen, und Level 3 ist die höchste dieser Stufen. Auf demselben Summit präsentierte der Anbieter Cloud Temple sein Gaia-X Label Level 3 als Beleg dafür, dass sein Cloud-Dienst sicher und interoperabel ist.
Digital Clearing Houses
Ein Gaia-X Digital Clearing House, kurz GXDCH, ist die Stelle, an der ein Teilnehmer gegen die Gaia-X-Regeln geprüft wird und sein Compliance-Ergebnis automatisch erhält. Die Clearing Houses bilden ein Netz von Knoten, auf denen die Compliance-Software von Gaia-X läuft, und die Vereinigung beschreibt es als verteiltes Vertrauensnetz ohne einzelnen Ausfallpunkt. Neun Organisationen betreiben ein Clearing House, darunter der Cloud-Verband CISPE, die Anbieter Aruba, OVHcloud und T-Systems sowie das Datenraum-Unternehmen deltaDAO.
Mitglieder und Vorstand
Gaia-X nimmt Cloud- und IT-Anbieter, Forschungseinrichtungen, Start-ups, Anwender und Verbände als Mitglieder auf. Der Jahresbeitrag richtet sich nach dem Umsatz und reicht von 1.000 Euro für Start-ups und gemeinnützige Organisationen bis 75.000 Euro für Unternehmen mit mindestens 10 Milliarden Euro Umsatz. Eine Logo-Mitgliedschaft für 750 Euro steht Firmen offen, die ein akkreditiertes Clearing House nutzen und mindestens fünf Gaia-X-konforme Dienste anbieten, ohne Stimmrecht und ohne Sitz in den Arbeitsgruppen. Vollmitglieder erhalten außerdem Zugang zu den Kursen und Zertifikaten der Gaia-X Academy.
Die Generalversammlung aller Mitglieder wählt den Verwaltungsrat für zwei Jahre, und Catherine Jestin von Airbus führt den Vorsitz in der Amtszeit 2025 bis 2027. Dem Gremium gehören auch Susanne Dehmel von Bitkom, Jérôme Léger von Crédit Agricole und Alberto Di Felice von DIGITALEUROPE an, dazu Vertreter von SAP, OVHcloud und Orange. Ulrich Ahle ist CEO von Gaia-X und leitet die Geschäftsführung gemeinsam mit den Verantwortlichen für Betrieb, Technik, Finanzen und Marketing.
Kommende Fintech- und Finanz-Events in Belgien
Hubs in europäischen Ländern
Gaia-X-Hubs sind nationale Anlaufstellen für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Als die Vereinigung 2021 ihren ersten Verwaltungsrat wählte, gab es Hubs in 19 europäischen Ländern. Jeder Hub vernetzt Akteure in seinem Land und über Branchen hinweg, sammelt Anwendungsfälle und stimmt Anforderungen mit der Vereinigung ab, damit sich nationale Initiativen nicht doppeln. Ein Fachausschuss von Gaia-X bündelt die Anliegen aus den Hubs, den Leuchtturmprojekten und den Datenökosystemen.
Gaia-X Summit
Der Gaia-X Summit ist die jährliche Konferenz, auf der die Vereinigung neue Versionen vorstellt und Mitglieder ihre Datenraum-Projekte zeigen. Die Ausgabe 2025 in Porto richteten Gaia-X Hub Portugal und Porto Digital aus, unter dem Titel Digital Ecosystems in Action und mit eigenen Bühnen für Technik, Wirtschaft und Partner. Zu den Rednern gehörten Bernardo Correia, Staatssekretär für Digitalisierung in Portugal, und Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär im deutschen Digitalministerium. Gaia-X-Mitglieder haben freien Zugang zum Summit und zu den weiteren großen Events der Vereinigung.
Aktueller Stand des Projekts
Die Wirtschaftsministerien Deutschlands und Frankreichs kündigten Gaia-X an, und die Vereinigung wurde im Januar 2021 mit 22 Gründungsmitgliedern gegründet. Heute veröffentlicht Gaia-X Dokumente zu Architektur, Compliance und Identitäten, und Projekte aus Luftfahrt und Kernenergie bauen ihre Datenräume auf dem Trust Framework auf. Bei der Generalversammlung im Juni 2026 meldete der Verwaltungsrat 65 Beschlüsse und 13 Sitzungen in einem Jahr. Deutschland, vertreten durch Robert Heinrich, übernahm den Vorsitz des Governmental Advisory Board, in dem europäische Regierungen und die EU-Kommission die Vereinigung beraten.
Datenräume im Finanzwesen
Für Banken und Versicherer zählt Gaia-X vor allem über Datenräume im Finanzwesen, in denen mehrere Institute Daten nach gemeinsamen Regeln zu Identität, Zugriff und erlaubter Nutzung austauschen. Crédit Agricole ist die einzige Bank im aktuellen Verwaltungsrat von Gaia-X, und Finanzfirmen, die Cloud-Dienste einkaufen, können einen Anbieter nach einem Gaia-X-Compliance-Nachweis für seinen Dienst fragen. Dieselben Fragen nach Kontrolle über Daten und Anbieter stellen sich, wenn eine Bank eine souveräne Cloud plant oder ihre Exit-Optionen nach den Wechselregeln des EU Data Act prüft.
Gaia-X und Finance Loop
Finance-Loop-Mitglieder, die Cloud- und Datendienste für Banken einkaufen, stellen die Fragen hinter Gaia-X: wo Daten liegen und nach welchen Regeln ein Anbieter sie verarbeiten darf. Finance Loop bespricht diese Fragen im Track Digitale Infrastruktur und Souveränität, bei Events in Frankfurt und anderen europäischen Städten.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.