Lieferkettenfinanzierung
Lieferkettenfinanzierung, auch Supply Chain Finance oder Reverse Factoring, lässt einen Lieferanten früher Geld für eine Rechnung erhalten, die sein Kunde schon freigegeben hat. Eine Bank oder ein anderer Geldgeber zahlt den Lieferanten abzüglich einer Gebühr nach dem Rating des Käufers, und der Käufer zahlt am Fälligkeitstag. Banken und Konzern-Treasurer treffen sich bei Finance Loop;
So funktioniert Reverse Factoring
Drei Parteien sind beteiligt: Käufer, Lieferant und Geldgeber. Das Glossar der Société Générale (auf Englisch) beschreibt fünf Schritte. Der Lieferant liefert und stellt die Rechnung, der Käufer gibt sie auf einer gemeinsamen Plattform frei, der Lieferant fordert die frühe Zahlung an, die Bank zahlt vorab, und der Käufer zahlt die Bank bei Fälligkeit. Weil das Risiko beim Käufer liegt, bekommt ein kleiner Lieferant Geld zu einem Satz, den ihm seine eigene Bank nicht gäbe.
Die Methode begann in den 1980er-Jahren bei Autoherstellern, darunter Fiat, so Wikipedia (auf Englisch). Die Finanzierung läuft auf Plattformen des Käufers, einer Bank oder mehrerer Banken, und das Onboarding jedes Lieferanten mit seinen KYC-Prüfungen ist der langsame Teil. TechTarget (auf Englisch) beschreibt die Technik als Cloud-Plattform von Käufer, Lieferant und Bank, auf der die Bank auch die Bestellungen hinter einer Rechnung sieht.
Reverse Factoring, Factoring und Dynamic Discounting
Beim Factoring verkauft der Lieferant seine Forderungen auf eigene Initiative, bepreist nach seiner eigenen Bonität, wie die Seite zum Factoring in Deutschland beschreibt. Beim Reverse Factoring richtet der Käufer das Programm ein, und sein Rating bestimmt den Preis. Dynamic Discounting kommt ohne fremdes Geld aus: Der Käufer zahlt aus eigener Liquidität früher und erhält dafür einen Abschlag, wie Tipalti beschreibt (auf Englisch).
Der Käufer erhält längere Zahlungsziele, ohne seinen Lieferanten zu schaden. Der Lieferant erhält Geld kurz nach der Freigabe. Lange Ziele haben in der EU eine Grenze: Die Zahlungsverzugsrichtlinie begrenzt Fristen zwischen Unternehmen auf 60 Tage, außer bei ausdrücklicher Vereinbarung, die nicht grob unbillig ist.
Angabepflichten und der Fall Greensill
Investoren beklagten, dass Lieferantenfinanzierung in Abschlüssen schwer zu erkennen war. Am 25. Mai 2023 änderte das IASB (auf Englisch) IAS 7 und IFRS 7. Für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2024 nennen Unternehmen die Bedingungen dieser Vereinbarungen, die Beträge, die Lieferanten schon vom Geldgeber erhalten haben, und die Spannen der Fälligkeiten.
Greensill Capital (auf Englisch), vor allem ein Anbieter von Reverse Factoring, meldete am 8. März 2021 Insolvenz an, nachdem Credit Suisse Fonds mit rund 10 Milliarden Dollar in Greensill-Produkten eingefroren hatte. In Deutschland ordnete die BaFin im März 2021 Maßnahmen und dann ein Moratorium gegen die Tochter Greensill Bank AG an.
Kommende Payments- und Treasury-Events
Finance Loop und Lieferkettenfinanzierung
Finance Loop ist der Treffpunkt für Banken und Treasury-Teams hinter der Lieferkettenfinanzierung. Finance Loop verbindet die Finance-, IT- und KI-Communitys in Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg.
Finance Loop unterstützt Wenn Banken „Nein“ sagen, ein halbtägiges Zahlungsverkehrs-Seminar in Frankfurt für Compliance, Treasury, Finanzen, Export und Recht zu blockierten Zahlungen, De-Risking und Sanktionen. Finance Loop ist außerdem Medienpartner von Capital & Code, einer Frankfurter Konferenz, zu deren Publikum Treasurer gehören, die Liquidität und Risiken steuern.
Payments & digitales Geld
Risk & Compliance
Was ist Lieferkettenfinanzierung?
Lieferkettenfinanzierung ist ein Verfahren, das ein Käufer einrichtet, damit seine Lieferanten freigegebene Rechnungen vor Fälligkeit bezahlt bekommen. Eine Bank zahlt früh und berechnet eine Gebühr nach dem Rating des Käufers.
Was unterscheidet Factoring und Reverse Factoring?
Beim Factoring verkauft der Lieferant seine Rechnungen zu einem Preis nach seiner eigenen Bonität. Beim Reverse Factoring startet der Käufer das Programm, und der Preis richtet sich nach seiner Bonität.
Was ist Dynamic Discounting?
Dynamic Discounting ist eine frühe Zahlung aus der Liquidität des Käufers. Der Lieferant erhält das Geld früher, der Käufer erhält dafür einen Abschlag.
Wer zahlt die Lieferkettenfinanzierung?
Der Lieferant, über die Gebühr, die der Geldgeber von der frühen Zahlung abzieht. Der Käufer zahlt den vollen Rechnungsbetrag am Fälligkeitstag an den Geldgeber.
Lieferkettenfinanzierung und Finance Loop
Finance Loop behandelt Lieferkettenfinanzierung im Track Payments & digitales Geld, neben Handelsfinanzierung und Factoring. Finance Loop unterstützt das Seminar Wenn Banken „Nein“ sagen für Treasury, Export und Finanzen. Termine stehen auf der Event-Seite.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.