Kapitalmarktunion
Rund 70 Prozent der Ersparnisse privater Haushalte in der EU, etwa 10 Billionen Euro, liegen als Bankeinlagen. Die Kapitalmarktunion ist der Plan der EU, 27 nationale Kapitalmärkte zu verbinden, damit mehr von diesem Geld in Aktien, Anleihen und Fonds fließt und Firmen über Grenzen hinweg Kapital aufnehmen können. Seit 2025 läuft sie als Spar- und Investitionsunion.
Vom Plan von 2015 zur Spar- und Investitionsunion
Die EU-Kommission startete die Kapitalmarktunion 2015 mit einem ersten Aktionsplan und legte im September 2020 einen zweiten vor, wie das österreichische Finanzministerium zusammenfasst. Ziele waren leichterer Zugang zu Kapital für junge und nicht börsennotierte Firmen, einfachere Börsengänge und der Abbau von Grenzen zwischen nationalen Märkten.
Am 19. März 2025 erweiterte die Kommission das Vorhaben zur Spar- und Investitionsunion (SIU, auf Englisch). Die Strategie hat vier Teile: Bürger und Ersparnisse, Investition und Finanzierung, Integration und Größe sowie Aufsicht. Sie verknüpft den Plan mit dem Investitionsbedarf aus dem Draghi-Bericht, 750 bis 800 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030. Die Mitteilung der Kommission nennt den Ausgangspunkt: rund 70 Prozent der Ersparnisse, 10 Billionen Euro, als Bankeinlagen.
Was sich bei Handel und Abwicklung ändert
Zwei Vorhaben aus den Aktionsplänen ändern die Arbeit von Banken und Brokern. Ein Consolidated Tape (auf Englisch) veröffentlicht Preise und Volumen aller EU-Handelsplätze in einem Datenstrom. Und die EU verkürzt den Abwicklungszyklus: Ab dem 11. Oktober 2027 (auf Englisch) ist eine an einem Dienstag gekaufte Aktie oder Anleihe spätestens am Mittwoch geliefert (T+1), nachdem sich Parlament und Rat am 18. Juni 2025 geeinigt hatten.
Das Paket zu Marktintegration und Aufsicht (auf Englisch) vom 4. Dezember 2025 betrifft Handel, Nachhandel, Vermögensverwaltung, Innovation und Aufsicht. Es geht von einer Lücke aus: Die Marktkapitalisierung der EU-Börsen lag 2024 bei 73 Prozent des BIP, in den USA bei 270 Prozent.
Aufsicht und tokenisierte Werte
Das Paket sieht eine direkte Aufsicht durch die ESMA in Paris vor, für bedeutende Handelsplätze, Zentralverwahrer und zentrale Gegenparteien sowie für Kryptowerte-Dienstleister. Eine Zusammenfassung von Deloitte (auf Englisch) nennt als Anlaufphase Mitte 2027 bis Mitte 2029. Heute erteilt in Deutschland die BaFin die MiCA-Erlaubnis; die Seite zu MiCA in Deutschland beschreibt das Verfahren.
Für die Tokenisierung ändert das Paket das DLT Pilot Regime, die EU-Lizenz für Handel und Abwicklung tokenisierter Wertpapiere, die 21X und 360X in Frankfurt nutzen. Die Gruppe Börse Stuttgart verbindet ihre Abwicklungsplattform Seturion mit demselben Ziel eines einheitlichen europäischen Kapitalmarkts.
Warum Frankfurt die Debatte verfolgt
Viel von der Infrastruktur, die die Union verbinden soll, sitzt in und um Frankfurt: die Deutsche Börse mit Xetra und Eurex, Clearstream als deutscher Zentralverwahrer und die Europäische Zentralbank, deren Eurosystem T2S betreibt, die Wertpapierabwicklung in Zentralbankgeld. Die Seite zum Kapitalmarkt Frankfurt beschreibt diese Akteure. Für Vermögensverwalter geht es um grenzüberschreitenden Fondsvertrieb und einfachere Produkte für Privatanleger; die Seite zu Asset Management in Deutschland zeigt die deutsche Seite.
Kommende Events zu Kapitalmarkt und Digital Assets
Finance Loop und die Kapitalmarktunion
Finance Loop verfolgt die Kapitalmarktunion dort, wo sie auf neue Technik trifft: tokenisierte Wertpapiere, DLT-Marktinfrastruktur und digitales Abwicklungsgeld. Finance Loop hat eine strategische Kooperation mit 21X, und das Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications, über das Finance Loop berichtet, nannte das Marktintegrationspaket unter den Regeln, die DLT in den Kapitalmarkt bringen.
Investment & Digital Assets
Payments & Digital Money
Was ist die Kapitalmarktunion?
Das EU-Vorhaben, seit 2015, die nationalen Kapitalmärkte zu einem Markt zu verbinden, damit Sparer über Grenzen hinweg anlegen und Firmen Geld außerhalb ihres Heimatmarkts aufnehmen können. Seit März 2025 ist sie Teil der Spar- und Investitionsunion.
Was unterscheidet Kapitalmarktunion und SIU?
Die Spar- und Investitionsunion ist die breitere Strategie. Sie behält die Ziele der Kapitalmarktunion und ergänzt die Seite der Sparer, etwa Anlageprodukte und Altersvorsorge, und die Integration des Bankensektors.
Wann kommt T+1 in der EU?
Am 11. Oktober 2027. Ab dann werden Geschäfte in Aktien und Anleihen an EU-Handelsplätzen einen Geschäftstag nach dem Handel abgewickelt. Wertpapierfinanzierungsgeschäfte sind ausgenommen.
Kapitalmarktunion und Finance Loop
Finance Loop behandelt die Kapitalmarktunion im Themenfeld Investment & Digital Assets, vom Abwicklungszyklus bis zu den Regeln für tokenisierte Wertpapiere. Finance Loop bringt Fachleute von Banken, Vermögensverwaltern, Börsen und Aufsicht bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg zusammen.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Adoption neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment & Digital Assets, Payments & Digital Money, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.