DLT Pilot Regime

Eine Aktie oder Anleihe wird in der EU an einem Handelsplatz gehandelt und bei einem Zentralverwahrer abgewickelt. Das DLT Pilot Regime ist die EU-Verordnung, mit der ein lizenzierter Betreiber beides auf einer Blockchain erledigen darf, für tokenisierte Aktien, Anleihen und Fondsanteile bis zu festen Obergrenzen. In Deutschland hat die BaFin 21X und 360X in Frankfurt solche Erlaubnisse erteilt. Termine stehen im Kalender unten.

Wie ein Wertpapiergeschäft ohne Pilot abläuft

Klassisch bringt ein Handelsplatz, etwa eine Börse oder ein multilaterales Handelssystem (MTF), Käufer und Verkäufer zusammen. Die Abwicklung, also der Tausch von Wertpapier gegen Geld, folgt danach beim Zentralverwahrer, der das Register der Eigentümer führt; in Deutschland ist das Clearstream. Jeder Schritt hat eine eigene Lizenz und ein eigenes EU-Gesetz: MiFID II für den Handelsplatz, die Zentralverwahrer-Verordnung für die Abwicklung. Die Antwort zu Clearing und Settlement erklärt beide Schritte.

Diese Gesetze setzen Buchungen auf einem Depotkonto voraus, Teilnehmer wie Banken und Broker und Geld, das über ein Zahlungssystem fließt. Eine Blockchain, auf der Anleger Token in Wallets halten und ein Geschäft in einer Transaktion abgewickelt wird, passt zu keiner dieser Definitionen. Die Verordnung (EU) 2022/858, das DLT Pilot Regime, gilt seit dem 23. März 2023 und schafft für diesen Fall eine Ausnahme.

Drei Arten von DLT-Marktinfrastruktur

Die Verordnung unterscheidet drei Lizenzen. Ein DLT-MTF ist ein Handelsplatz für tokenisierte Finanzinstrumente, betrieben von einer Wertpapierfirma oder einem Marktbetreiber. Ein DLT-Abwicklungssystem (DLT SS) betreibt ein Zentralverwahrer auf einem verteilten Register. Ein DLT-Handels- und Abwicklungssystem (DLT TSS) vereint beides in einer Firma, was die klassischen Regeln nicht erlauben. Neue Anbieter dürfen laut ESMA (auf Englisch) zusammen mit dem DLT-Antrag eine befristete Zulassung als Wertpapierfirma oder Zentralverwahrer beantragen.

Im Gegenzug für die Ausnahmen begrenzt der Pilot, was zugelassen werden darf: Aktien von Emittenten mit weniger als 500 Millionen Euro Marktkapitalisierung, Anleihen mit weniger als 1 Milliarde Euro Emissionsvolumen und OGAW-Anteile mit weniger als 500 Millionen Euro verwaltetem Vermögen. Alle DLT-Finanzinstrumente einer Infrastruktur zusammen dürfen laut der Zusammenfassung auf EUR-Lex 6 Milliarden Euro nicht übersteigen. Die nationale Aufsicht erteilt die Erlaubnis, sie gilt in der ganzen EU, und jede Erlaubnis nennt die gewährten Ausnahmen, etwa von den Regeln der Zentralverwahrer-Verordnung zu Buchungsform, Abwicklungsfinalität oder Geldverrechnung.

Wer in Deutschland eine Erlaubnis hat

Die Liste der zugelassenen DLT-Marktinfrastrukturen der ESMA (auf Englisch) nennt zwei deutsche Betreiber. Die BaFin erteilte 21X am 3. Dezember 2024 die Erlaubnis für ein DLT-Handels- und Abwicklungssystem, mit Ausnahmen von der Zentralverwahrer-Verordnung unter anderem zu Abwicklungsfinalität, Geldverrechnung und Teilnahme. 360X erhielt am 29. April 2025 eine Erlaubnis für ein DLT-MTF. Dieselbe Liste nennt ein DLT-Abwicklungssystem des tschechischen Zentralverwahrers, ein DLT TSS in Litauen und eines in Frankreich.

21X wickelt Geschäfte zwischen tokenisierten Wertpapieren und E-Geld-Token on chain ab, das Geld fließt also in einem regulierten Euro-Stablecoin. Die Seite zu E-Geld-Token erklärt diese Kategorie, die Seite zu Wholesale-CBDC die Pläne des Eurosystems für die Abwicklung in Zentralbankgeld. Welches deutsche Gesetz ein Wertpapier als reinen Registereintrag zulässt, regelt das eWpG: Es bestimmt das Instrument, das Pilot Regime lizenziert Handelsplatz und Abwicklung.

Vom Pilot zur Dauerregel

Die Verordnung begann als Versuch mit Prüfklausel. Im Juni 2025 schlug die ESMA vor (auf Englisch), das Regime dauerhaft zu machen und Schwellen und zulässige Werte nach dem Risiko des Geschäftsmodells festzulegen, nach einer anfangs geringen Nutzung. Das Paket zur Marktintegration und Aufsicht der EU-Kommission vom 4. Dezember 2025 greift das Pilot Regime als Teil der Spar- und Investitionsunion auf. Die Seite zur Kapitalmarktunion beschreibt den Rest des Pakets.

Für eine Bank oder einen Vermögensverwalter in Deutschland zählen praktische Fragen: Wo lässt sich eine tokenisierte Anleihe listen, welcher Verwahrer hält den Token für Kunden, und mit welchem Geld wird das Geschäft abgewickelt? Darum ging es im Panel zu DLT-Marktinfrastrukturen beim Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications, mit DekaBank, 360X, 21X und Seturion.

Kommende Events zu tokenisierten Wertpapieren in Deutschland

Finance Loop und das DLT Pilot Regime

Finance Loop und 21X, Inhaber der deutschen DLT-TSS-Erlaubnis, haben eine strategische Kooperation zu On-Chain-Finance mit gemeinsamen Events und Wissensaustausch vereinbart. Das Pilot Regime ist außerdem regelmäßig Thema der Crypto Assets Conference von Frankfurt School und Deutscher Börse, deren Partner Finance Loop war.

Was ist das DLT Pilot Regime?

Die EU-Verordnung 2022/858, gültig seit dem 23. März 2023. Sie erlaubt lizenzierten Betreibern, tokenisierte Aktien, Anleihen und Fondsanteile auf einem verteilten Register zu handeln und abzuwickeln, mit Ausnahmen von MiFID II und der Zentralverwahrer-Verordnung und innerhalb fester Obergrenzen.

Wer hat in Deutschland eine DLT-Erlaubnis?

21X in Frankfurt hat eine BaFin-Erlaubnis für ein DLT-Handels- und Abwicklungssystem, 360X eine für ein DLT-MTF. Die ESMA führt die vollständige EU-Liste mit den Ausnahmen jedes Betreibers.

Welche Finanzinstrumente sind zugelassen?

Aktien von Firmen mit weniger als 500 Millionen Euro Marktkapitalisierung, Anleihen unter 1 Milliarde Euro Emissionsvolumen und OGAW-Anteile mit weniger als 500 Millionen Euro Vermögen. Kryptowerte wie Bitcoin fallen unter MiCA.

Wird das DLT Pilot Regime dauerhaft?

Die ESMA hat das im Juni 2025 empfohlen, und das Marktintegrationspaket der Kommission vom 4. Dezember 2025 enthält Änderungen am Regime. Das Ergebnis hängt vom Gesetzgebungsverfahren in Europäischem Parlament und Rat ab.

DLT Pilot Regime und Finance Loop

Finance Loop behandelt das DLT Pilot Regime im Themenfeld Investment & Digital Assets, neben tokenisierten Anleihen, Fonds und dem eWpG. Finance Loop kooperiert strategisch mit 21X und bringt Fachleute von Banken, Vermögensverwaltern, Börsen und Kanzleien bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg zusammen.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Adoption neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment & Digital Assets, Payments & Digital Money, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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