Regulated Liability Network (RLN)
Ein Regulated Liability Network (RLN) ist ein gemeinsames Register, auf dem Zentralbankgeld, Bankeinlagen und Geld anderer regulierter Emittenten als Token nebeneinander liegen, in einer Währung und unter der bestehenden Aufsicht der Emittenten. Das Modell wurde zuerst in den USA getestet und führte in Großbritannien zu einem Pilot mit echten Einlagen. Termine stehen im Kalender unten.
Bankverbindlichkeiten auf einem gemeinsamen Ledger
Bankgeld ist eine Verbindlichkeit: Eine Einlage ist die Schuld der Bank beim Kunden, eine Zentralbankreserve die Schuld der Zentralbank bei einer Bank. Ein RLN legt diese Verbindlichkeiten auf ein programmierbares Register, ohne zu ändern, wer wem etwas schuldet. Die Federal Reserve Bank of New York beschrieb ihre Variante als stets verfügbare, programmierbare Infrastruktur für digitale Abbilder von Verbindlichkeiten der Zentralbank, der Geschäftsbanken und regulierter Nichtbanken in US-Dollar, wie The Block (auf Englisch) zum Start im November 2022 berichtete.
Der zwölfwöchige Machbarkeitstest lief nur mit simulierten Daten. Beteiligt waren BNY Mellon, Citi, HSBC, Mastercard, PNC, TD Bank, Truist, U.S. Bank und Wells Fargo, dazu Swift für die Anbindung. Ein RLN-Token ist eine Forderung gegen eine beaufsichtigte Bank oder die Zentralbank, ein Stablecoin eine Forderung gegen die Firma, die ihn ausgibt.
Vom Experiment zu echten Zahlungen in Großbritannien
UK Finance kündigte im April 2024 eine Experimentierphase für ein britisches RLN an. Laut einer Zusammenfassung der Kanzlei Addleshaw Goddard (auf Englisch) zeigte die Phase programmierbare Zahlungen und das Sperren und Freigeben von Geld, und das britische Recht erwies sich als flexibel genug für eine solche Plattform. Offen sind laut den Anwälten der Abgleich mit der Buchhaltung der Banken, Integrationskosten und Ausfallsicherheit, ein Geschäftsmodell mit Governance und Finanzierung, Streitbeilegung für Anwendungen Dritter und Datenschutz.
Darauf folgt der Pilot Great British Tokenised Deposit (GBTD). Barclays, HSBC UK, Lloyds Banking Group, Monzo, Nationwide, NatWest und Santander nutzen eine Plattform, die Quant als gemeinsame Infrastruktur für tokenisiertes Bankgeld gebaut hat; das Projekt wurde ins Synchronisation Lab der Bank of England aufgenommen. Im September 2026 meldete UK Finance (auf Englisch) den Abschluss der Retail-Piloten: zwei Umschuldungen von Hypotheken, bei denen das Geld gesperrt und zum Abschluss automatisch freigegeben wurde, und ein Marktplatzkauf, bei dem das Geld erst nach Übergabe der Ware floss.
Dieselben Bausteine im Euroraum
Im Euroraum laufen die Bausteine eines RLN unter anderen Namen. Deutsche Banken arbeiten am Commercial Bank Money Token, einem gemeinsamen Einlagen-Token, beschrieben auf der Seite zu tokenisierten Einlagen. Das Eurosystem wickelt DLT-Geschäfte über Pontes in Zentralbankgeld ab, und sein Strang Appia wägt ein gemeinsames Netz gegen mehrere verbundene ab. Die BIZ testet ein ähnliches Modell über Währungen hinweg in Project Agorá, mit tokenisierten Reserven und Einlagen auf einer Plattform.
Die rechtliche Grenze in der EU folgt dem Emittenten. Eine tokenisierte Einlage bleibt eine Bankeinlage; ein Euro-Token eines E-Geld-Instituts oder einer Bank außerhalb der Einlagenbeziehung ist ein E-Geld-Token nach MiCA.
Kommende Events zu digitalem Geld und Zahlungen in Deutschland
Finance Loop und tokenisiertes Bankgeld
Venturebloxx und Finance Loop bereiten den Bericht The Future of Money in Europe vor, mit Beiträgen etwa von J.P. Morgan Kinexys und Commerzbank zum Wettbewerb der Banken mit Stablecoin-Emittenten. Bei Capital & Code in Frankfurt, wo Finance Loop Medienpartner ist, debattieren Bundesbank, J.P. Morgan und Ubyx über Zentralbankgeld, Einlagen, tokenisierte Einlagen und Stablecoins. Finance Loop ist außerdem strategischer Partner der Digital Euro Association.
Was ist ein Regulated Liability Network?
Ein gemeinsames, programmierbares Register für tokenisiertes Geld regulierter Emittenten: Zentralbankreserven, Bankeinlagen und E-Geld in einer Währung. Jeder Token bleibt eine Verbindlichkeit seines Emittenten unter dessen Aufsicht.
Ist ein RLN digitales Zentralbankgeld?
Nein. Zentralbankgeld ist eine der Verbindlichkeiten im Netz, die meisten Token sind Einlagen von Geschäftsbanken. Eine Wholesale-CBDC ist ein anderes Design, bei dem die Zentralbank selbst einen Token ausgibt.
Welche Banken sind im britischen Pilot dabei?
Barclays, HSBC UK, Lloyds Banking Group, Monzo, Nationwide, NatWest und Santander, auf einer Plattform von Quant, organisiert von UK Finance.
Was unterscheidet ein RLN von einem Stablecoin?
Der Emittent. Ein Token im RLN ist eine Einlage oder Reserve bei einer beaufsichtigten Bank oder einer Zentralbank. Ein Stablecoin ist eine Forderung gegen die ausgebende Firma, gedeckt durch Reserven, und braucht in der EU eine MiCA-Lizenz.
Regulated Liability Networks und Finance Loop
Finance Loop behandelt Regulated Liability Networks im Themenfeld Payments & Digital Money, neben tokenisierten Einlagen, Stablecoins und Wholesale-CBDC. Finance Loop bringt Fachleute von Banken, Zentralbanken, Zahlungsdienstleistern und Kanzleien bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg zusammen.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Adoption neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment & Digital Assets, Payments & Digital Money, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.