Top-Oracle-Netzwerke 2026
Ein Oracle-Netzwerk bringt einen Preis, einen Reservestand oder den Nettoinventarwert eines Fonds auf eine Blockchain, damit ein Smart Contract ihn lesen kann. Die Liste ordnet die führenden Oracle-Netzwerke nach Total Value Secured (TVS), dem Wert, der an ihren Preisfeeds hängt, und nach der Zahl der Protokolle, die sie bedienen.
Oracle-Netzwerke nach abgesichertem Wert
TVS-Werte und Protokollzahlen stammen aus dem Oracle-Ranking von DefiLlama, Stand September 2026, die Chain-Zahlen von den Netzwerken selbst. DefiLlama führt außerdem 8,2 Mrd. $ unter „Internal“, also Protokolle mit eigenen Preisfeeds; das ist kein Oracle-Netzwerk und fehlt deshalb in dieser Liste. Ein hoher TVS heißt: Fällt der Preisfeed aus oder wird er manipuliert, steht in anderen Protokollen viel Wert auf dem Spiel, derselbe Fehlerfall, den die Seite zu Oracle-Netzwerken am Fall Mango Markets beschreibt.
| Rang | Netzwerk | TVS | Protokolle | Chains |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Chainlink | 39,0 Mrd. $ | 534 | 60+ |
| 2 | Chronicle | 5,1 Mrd. $ | 13 | 15+ |
| 3 | RedStone | 4,3 Mrd. $ | 90 | 85+ |
| 4 | Pyth Network | 3,6 Mrd. $ | 320 | 100+ |
| 5 | UMA | 365 Mio. $ | 9 | 10+ |
| 6 | Supra | 205 Mio. $ | 15 | 50+ |
| 7 | DIA | 114 Mio. $ | 51 | 65+ |
| 8 | API3 | 22 Mio. $ | 44 | 30+ |
Die Reihenfolge ändert sich mit dem Markt, denn der TVS folgt dem Wert in den Kredit-, Derivate- und Tokenisierungsprotokollen, die jedes Netz beliefert. RedStones eigenes Dashboard meldete bis April 2026 rund 10 Milliarden Dollar abgesicherten Wert, mehr als DefiLlama hier ausweist; der Unterschied liegt darin, was jede Seite als abhängiges Protokoll zählt.
1. Chainlink
Chainlink ist das größte Oracle-Netzwerk nach abgesichertem Wert. Seine Node-Betreiber holen Daten aus mehreren unabhängigen Quellen, einigen sich auf einen Wert und schreiben ihn onchain, sodass jeder Smart Contract dieselbe Zahl liest. Die Data Feeds liefern Preise im Push-Modell, nach Zeitplan oder wenn der Preis eine Schwelle überschreitet. LINK bezahlt die Node-Betreiber und sichert das Netz über Staking. In Frankfurt veröffentlicht Deutsche Börse Market Data + Services Echtzeitdaten von Xetra, Eurex, 360T und Tradegate über den Chainlink-Dienst DataLink onchain (Deutsche Börse, Oktober 2025). Alle Produkte beschreibt die Seite zu Chainlink.
2. Chronicle
Chronicle kommt aus dem Team, das den ursprünglichen Preisfeed für MakerDAO betrieb, heute Sky, und ist bis heute das einzige Oracle von Sky. Es liefert Daten im Push-Modell über Scribe, ein Feed-Design, das viele Oracle-Meldungen zu einer einzigen Onchain-Signatur bündelt; laut Chronicle sinken die Gaskosten auf Ethereum damit um mehr als 60 Prozent gegenüber älteren Designs. Einen Chronicle-Token gibt es nicht, die Node-Betreiber werden über Serviceverträge mit den Protokollen bezahlt. Sky, Spark, Morpho und Euler beziehen den Großteil ihrer Preisfeeds von Chronicle, womit besicherte Kredite in Milliardenhöhe an seinen Daten hängen. Mehr zu Scribe und Chronicle Proof of Asset steht auf der Seite zum Chronicle Oracle.
3. RedStone
RedStone arbeitet im Pull-Modell: Es schreibt nicht jede Preisänderung nach Zeitplan onchain, es signiert Preisdaten offchain, und eine Anwendung holt sich den neuesten signierten Preis nur bei Bedarf. Das hält die Kosten für Chains und Werte mit wenig Handel niedrig. RED ist der Utility-Token des Netzes; Halter staken ihn über EigenLayer und sichern so die Datenfeeds mit ab. Am schnellsten wächst die Bewertung tokenisierter Fonds: RedStone ist das primäre Oracle für BlackRocks USD Institutional Digital Liquidity Fund (BUIDL), der im Februar 2026 mehr als 1,8 Milliarden Dollar in tokenisierten Werten hielt; die Kreditprotokolle Compound, Morpho und Spark lesen seinen BUIDL-Preisfeed (The Block, März 2025). Den RED-Token und die Fondsdaten-Feeds beschreibt die Seite zum RedStone Oracle genauer.
4. Pyth Network
Pyth Network ist ein First-Party-Oracle: Börsen, Market Maker und Handelshäuser melden ihre eigenen Preise direkt an Pyth, statt dass ein fremder Knoten sie aus einer öffentlichen API holt; laut Pyth verkürzt das den Weg von der Quelle zur Onchain-Nutzung. Pyth nutzt ein Pull-Modell für schnelle Märkte wie Perpetual Futures und bezahlt Datenlieferanten und Staker mit dem PYTH-Token. Das US-Handelsministerium wählte Pyth neben Chainlink, um offizielle US-Daten zu BIP und Inflation onchain zu veröffentlichen, mit BIP-Quartalsdaten fünf Jahre zurück (Pyth Network, August 2025). Später öffnete Pyth seinen Data Marketplace für institutionelle Lieferanten wie Euronext, Tradeweb und Fidelity Investments.
5. UMA
UMA arbeitet optimistisch: Die Knoten einigen sich nicht vorab auf einen Preis. Ein Proposer stellt einen Wert mit hinterlegter Sicherheit ein, und der Wert gilt, solange niemand innerhalb einer Frist widerspricht; sonst stimmen die UMA-Token-Halter über die richtige Antwort ab. Das passt für Fragen ohne laufenden Marktpreis, etwa welches Ergebnis ein Prognosemarkt abrechnet. Der Prognosemarkt Polymarket löst seine Märkte mit dem Optimistic Oracle von UMA auf, und die Cross-Chain-Bridge Across Protocol prüft damit, ob ein Transfer stattfand, bevor sie Mittel auf der Zielchain freigibt.
6. Supra
Supra verbindet ein Oracle mit einer eigenen schnellen Layer-1-Blockchain und liefert Preise im Push- und im Pull-Modus, sodass ein Protokoll das Update-Muster passend zu seinem Gasbudget wählt. Supra bezahlt Node-Betreiber und sichert sein Netz mit dem SUPRA-Token. Das Oracle-Geschäft konzentriert sich auf Chains mit der Sprache Move wie Aptos und Sui; dort stellt das Kreditprotokoll NAVI auf Sui heute den Großteil des Werts, der an Supras Feeds hängt, ein kleinerer, aber konkreter Einsatz im Onchain-Kreditgeschäft.
7. DIA
DIA baut für jedes Protokoll einen eigenen Preisfeed: Das Protokoll wählt Datenquellen, Preismethode und Update-Auslöser, und DIA stellt den Feed danach im Push-Modell bereit, live auf mehr als 65 Chains. Der DIA-Token dient Governance und Datenzugang. Die Feeds für Institute decken neben Kryptopreisen auch Realwerte wie Aktien, Rohstoffe und Wechselkurse ab, für Protokolle, die Onchain-Produkte auf Offchain-Märkte bauen, nah an der Tokenisierung realer Werte.
8. API3
API3 ist ein First-Party-Oracle-Netzwerk rund um Airnode, eine Software, mit der ein Datenanbieter seinen eigenen Oracle-Knoten betreibt und seinen Preis direkt signiert, ohne Betreiber dazwischen; die Daten kommen als verwaltete dAPIs im Push-Modell. Der API3-Token sichert das Netz über Staking und deckt dessen Versicherungspool. Mit dem OEV Network von API3 fängt ein Kredit- oder Derivateprotokoll den Wert ab, den sonst ein Bot abschöpft, der beim Oracle-Update gegen den veralteten Preis handelt; laut API3 gehen 80 Prozent davon an die Anwendung, die den Feed liest, gedacht für Protokolle mit besicherten Krediten.
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Was unterscheidet ein Oracle von einem Oracle-Netzwerk?
Ein einzelnes Oracle ist eine Partei, die Daten auf eine Blockchain schreibt; der Nutzer muss dieser einen Quelle vertrauen. Ein Oracle-Netzwerk verteilt dieselbe Aufgabe auf mehrere unabhängige Knoten und Quellen, die sich einigen müssen, bevor ein Wert onchain geht. So sind Chainlink, Pyth, RedStone und die anderen Netze dieser Liste aufgebaut.
Warum sind Push und Pull eine Kostenfrage?
Ein Push-Oracle, das Modell von Chainlink und Chronicle für die meisten Feeds, schreibt einen neuen Preis nach Zeitplan oder bei Überschreiten einer Schwelle onchain, egal ob eine Anwendung ihn in diesem Block liest. Ein Pull-Oracle, das Modell von Pyth und RedStone, signiert den Preis offchain und schreibt ihn erst onchain, wenn eine Anwendung ihn anfragt. Die Anwendung zahlt so nur Gas für die Updates, die sie nutzt.
Was ist ein First-Party-Oracle?
Beim First-Party-Oracle betreibt der Eigentümer der Daten, eine Börse, ein Market Maker oder ein Datenanbieter, den Oracle-Knoten selbst und signiert den Preis direkt. Pyth und API3 arbeiten so. Beim Third-Party-Modell holen unabhängige Node-Betreiber dieselben Daten für den Eigentümer aus einer öffentlichen Quelle; so funktionieren die meisten Feeds von Chainlink.
Welches Oracle-Netzwerk passt für Entwickler?
Das hängt von Chain, Asset und Budget ab. Chainlink und Chronicle decken die meisten etablierten DeFi-Protokolle und großen Assets ab. Pyth und RedStone bedienen mit ihren Pull-Modellen schnelle oder weniger liquide Werte. Supra und DIA passen für Teams, die einen eigenen Feed wollen oder vor allem auf Move-Chains arbeiten. UMA passt für eine Frage mit einer endgültigen Antwort, die über ein Einspruchsverfahren entschieden wird, etwa das Ergebnis eines Prognosemarkts, nicht für einen laufend schwankenden Preis. Einen Überblick auf Deutsch gibt Daniel Wenz bei Bitcoin2Go.
Oracle-Netzwerke und Finance Loop
Finance Loop, Chainlink und TechQuartier veranstalteten in Frankfurt ein Panel zu dezentralen Oracle-Netzwerken für Smart Contracts, ein Vorab-Event der Crypto Assets Conference 2024, und Chainlink gehört zu den Event- und Netzwerkpartnern von Finance Loop. Oracle-Netzwerke gehören zum Track Investment & digitale Vermögenswerte, als Teil der Infrastruktur, die tokenisierte Fonds bewertet und DeFi-Kredite absichert.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld und Risk & Compliance.