Tokenisierung in Deutschland

Nach deutschem Recht kann eine Anleihe, ein Fondsanteil oder eine Aktie als Token auf einer Blockchain existieren, eingetragen in ein Kryptowertpapierregister, das ein von der BaFin zugelassener Registerführer betreibt. Banken, Börsen und Fintechs in Deutschland begeben solche Wertpapiere bereits, ihre Fachleute treffen sich bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg. Die nächsten Termine stehen im Kalender weiter unten.

Was Tokenisierung im deutschen Finanzwesen bedeutet

Tokenisierung von Vermögenswerten heißt: Eine Anleihe, ein Fondsanteil oder eine Aktie existiert als Eintrag auf einer Distributed Ledger statt als Papierurkunde im Tresor. Das Eigentum wechselt, wenn der Eintrag wechselt. Das Wort hat zwei weitere Bedeutungen, die in denselben Suchen auftauchen: Bei Kartenzahlungen ersetzt ein Token die Kartennummer (siehe Tokenisierung im Zahlungsverkehr), und in der KI zerlegt ein Sprachmodell Text in Tokens. Hier geht es um Vermögenswerte.

In Deutschland ist das Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) die rechtliche Grundlage. Es erlaubt einem Emittenten, ein Wertpapier ohne papierne Globalurkunde zu begeben und in eines von zwei Registern einzutragen: ein zentrales Register, das ein Zentralverwahrer oder eine Depotbank führt, oder ein Kryptowertpapierregister nach § 16 des Gesetzes, das in der Praxis auf einer Blockchain läuft. Ein Wertpapier im Kryptowertpapierregister ist ein Kryptowertpapier. Es ist ein Wertpapier im vollen rechtlichen Sinn, also gelten Wertpapierrecht, Prospektpflicht und der Anlegerschutz nach MiFID II wie bei einer Papieranleihe.

Kryptowertpapierregister und BaFin

Die Führung eines Kryptowertpapierregisters ist eine Finanzdienstleistung. Wer sie erbringt, braucht eine Erlaubnis der BaFin nach § 32 KWG, und die BaFin prüft das Register am eWpG und an der Verordnung über elektronische Wertpapierregister (eWpRV). Registerführer kann der Emittent selbst sein oder ein Dritter. Cashlink ist ein solcher Dritter: Das Unternehmen hat Erlaubnisse als Kryptowertpapierregisterführer und als Kryptoverwahrer und trägt tokenbasierte Anleihen, Fonds und strukturierte Produkte für Emittenten ein.

Aktien kamen später. Das Zukunftsfinanzierungsgesetz änderte Aktiengesetz und eWpG, sodass eine Aktiengesellschaft elektronische Aktien (auf Englisch) begeben kann. Namensaktien dürfen in ein Kryptowertpapierregister, wenn die Satzung es erlaubt; Inhaberaktien nur in ein zentrales Register. Das meinen die meisten, die nach tokenisierten Aktien in Deutschland suchen: die echte Aktie eines deutschen Unternehmens, auf einer Ledger begeben, und keinen Tracker-Token eines Dritten.

Wer in Deutschland tokenisierte Wertpapiere begibt und baut

Siemens begab nach dem eWpG eine digitale Anleihe über 60 Millionen Euro mit einem Jahr Laufzeit auf einer öffentlichen Blockchain und verkaufte sie direkt an Anleger, ohne papierne Globalurkunde und ohne zentrales Clearing. Hauck Aufhäuser Lampe führte das Register, DekaBank, DZ BANK und Union Investment kauften die Anleihe. Bei Immobilien genehmigte die BaFin laut Markets Media (auf Englisch) eine Blockchain-Anleihe der Fundament Group über 250 Millionen Euro auf Ethereum, besichert mit Immobilien in Berlin, Hamburg, Rostock, Jena und Fulda.

Clearstream, die Post-Trade-Sparte der Gruppe Deutsche Börse, betreibt D7 DLT für tokenisierte Wertpapiere unter der Zentralverwahrer-Verordnung; als erste Emissionen erwartet sie Commercial Paper und Medium Term Notes. 21X hat eine BaFin-Erlaubnis nach dem DLT-Pilotregime der EU für einen Handels- und Abwicklungsplatz für tokenisierte Wertpapiere. Gubbi AG betreibt den GDX Primary Market, der tokenisierte Real World Assets über die Fondskonzept AG zu Finanzberatern bringt.

Start-ups nutzen Token für ihr eigenes Kapital. Mit tokenize.it, heute beel, sammelten deutsche Start-ups Geld ein und führten Mitarbeiterbeteiligungen mit demselben fungiblen Token, mit Tickets ab 50 Euro und ohne Notar für jeden Investor.

Woran Fachleute für Tokenisierung gerade arbeiten

Eine tokenisierte Anleihe braucht eine Geldseite, und sie wickelt am schnellsten ab, wenn auch das Geld auf einer Ledger läuft. Das Eurosystem betreibt Pontes (auf Englisch), das Markt-DLT-Plattformen mit den TARGET-Diensten verbindet, damit wholesale DLT-Transaktionen in Zentralbankgeld abwickeln, mit Cash-Token auf der Eurosystem-Ledger oder über T2. Banken prüfen für dieselbe Aufgabe tokenisierte Einlagen und Euro-Stablecoins nach MiCA. Rechtlich offen ist die grenzüberschreitende Nutzung. In ihrer Antwort auf den Fragebogen der EU-Kommission zur Tokenisierung in Deutschland (auf Englisch) nennt die Gruppe Deutsche Börse die unterschiedlichen nationalen Gesetze zu entmaterialisierten Wertpapieren als Hürde zwischen den EU-Staaten und schlägt ein EU-weites „28. Regime“ für solche Wertpapiere vor.

Im Alltag geht es auch um die Wahl zwischen zentralem Register und Kryptowertpapierregister, um die Verwahrung der privaten Schlüssel (eine eigene Erlaubnis, siehe Kryptoverwahrung), um den Sekundärhandel, der einen Handelsplatz wie eine DLT-Handelseinrichtung braucht, und um den Vertrieb: Die meisten Privatanleger in Deutschland kaufen über Banken und Berater, ein tokenisiertes Produkt muss also in deren Systeme passen. Wer aus einer Bank oder von einem Vermögensverwalter in dieses Feld wechselt, lernt am besten zuerst das eWpG und den Unterschied zwischen Emission und Handel.

Kommende Tokenisierungs-Events in Deutschland

Finance Loop, der Treffpunkt für Tokenisierung in Deutschland

Finance Loop ist der Treffpunkt für alle, die bei deutschen Banken, Vermögensverwaltern, Börsen, Kanzleien und Fintechs an Tokenisierung arbeiten. Das Netzwerk verbindet Finanzwelt, IT und KI, mit Events in Frankfurt und auch in München, Berlin und Hamburg.

Finance Loop war Partner der Crypto Assets Conference von Frankfurt School und Deutscher Börse, bei der Tokenisierung und Marktinfrastruktur einen großen Teil des Programms ausmachen, und des Forums für Digitale Vermögenswerte, eines deutschsprachigen Forums zu tokenisierten Wertpapieren, digitaler Verwahrung und MiCAR. Vor einer Crypto Assets Conference erklärten CoreLedger, Finemetal und S-Pro bei einem Real-World-Assets-Abend im TechQuartier, wie sich Gold und Immobilien tokenisieren lassen. Finance Loop listet auch das Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications von d-fine mit Panels zu DLT-Marktinfrastruktur und in München den Digital Assets Day des Bundesblock, der unter anderem Tokenisierung und Real World Assets behandelt. Finance Loop hat eine strategische Kooperation mit 21X, dem regulierten Handelsplatz für digitale Wertpapiere, und berichtete über den GDX Primary Market der Gubbi AG, über den Berater mit der Fondskonzept AG tokenisierte Real World Assets anbieten. Bei Capital & Code in Frankfurt sprechen Franklin Templeton, KfW und Union Investment über tokenisierte Geldmarktfonds. Tokenisierung und Real World Assets sind eines von vier Themenfeldern der CONF3RENCE in Dortmund, und die German Blockchain & AI Week 2025 in Berlin hatte Panels zu Real World Assets und Tokenisierungsstrategien. Alle kommenden Termine stehen auf der Eventseite.

Was bedeutet Tokenisierung bei Banken?

Bei Banken bedeutet Tokenisierung, Finanzwerte wie Anleihen, Einlagen oder Fondsanteile als Token auf einer Distributed Ledger zu begeben oder zu halten. Eine deutsche Bank kann Emittentin sein, Registerführerin nach dem eWpG, Verwahrerin der Schlüssel oder Käuferin, wie DekaBank und DZ BANK bei der Siemens-Anleihe. Bei Kartenzahlungen meint dasselbe Wort den Ersatz der Kartennummer durch einen Token.

Was ist das eWpG?

Das eWpG ist das Gesetz über elektronische Wertpapiere. Es erlaubt Wertpapiere ohne Papierurkunde, eingetragen in ein zentrales Register oder in ein Kryptowertpapierregister auf einer Blockchain. Wer ein Kryptowertpapierregister führt, braucht eine Erlaubnis der BaFin. Das Gesetz gilt für Anleihen und Fondsanteile und seit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz auch für Namensaktien.

Kann man Immobilien in Deutschland tokenisieren?

Ja, meist über ein Wertpapier, das Mieten oder Verkaufserlöse ausschüttet, in der Regel eine Anleihe nach dem eWpG. Der Anleger hat eine Forderung gegen den Emittenten, keinen Anteil am Grundbucheintrag. Die Fundament-Anleihe, besichert mit Immobilien in fünf deutschen Städten, war die erste Blockchain-Immobilienanleihe, die die BaFin genehmigt hat.

Gibt es Meetups und Events zur Tokenisierung in Deutschland?

Ja. In Frankfurt gibt es die Crypto Assets Conference und Abend-Meetups im TechQuartier, in München den Digital Assets Day während der TUM Blockchain Conference. Ein Tokenisierungs-Meetup in Frankfurt oder Berlin finden Sie im Eventkalender und auf der Meetup-Seite.

Tokenisierung und Finance Loop

Finance Loop bringt Fachleute aus Banken, Vermögensverwaltern, Börsen und Fintechs zusammen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz tokenisierte Wertpapiere begeben, registrieren, verwahren und handeln. Bei Finance-Loop-Events tauschen sie sich über eWpG, Verwahrung und Abwicklung aus.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld und Risk & Compliance.

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