Frankencoin (ZCHF), der dezentrale Stablecoin in Schweizer Franken
Der Frankencoin ist ein Stablecoin, der den Schweizer Franken abbildet. Kein Unternehmen gibt ihn aus: Wer zugelassene Krypto-Sicherheiten in seinen Smart Contracts hinterlegt, kann ZCHF erzeugen, und Auktionen prüfen deren Wert, wo DAI und ähnliche Coins ein Preisorakel abfragen. Termine zu Stablecoins stehen im Kalender unten.
Was der Frankencoin ist
Der Frankencoin beschreibt sich als „digitale Währung mit einem stabilen Wert von 1:1 zum Schweizer Franken“. Sein Token ZCHF ist ein ERC-20-Token auf Ethereum; der aktuelle Vertrag ging laut Etherscan am 28. Oktober 2023 live. Die Dokumentation nennt weitere ZCHF-Instanzen auf Optimism, Gnosis, Polygon, Sonic, Base, Arbitrum und Avalanche. Als diese Seite entstand, zeigte frankencoin.com rund 34 Millionen ZCHF im Umlauf, gedeckt durch Sicherheiten im Wert von rund 57 Millionen Franken.
Luzius Meisser entwarf das System in seiner Dissertation an der Universität Zürich, Essays in Decentralized Finance (auf Englisch), angenommen im Februar 2024. Darin schreibt er, dass er die Swiss Crypto Tokens AG mit angestoßen hat, die Firma hinter dem CryptoFranc (XCHF), einem Franken-Coin mit Emittent. Meisser und Marc Baumann kündigten im April 2023 eine öffentliche Beta an. Die Frankencoin Association, ein gemeinnütziger Verein in Zug mit Johannes Kern als Geschäftsführer, ist Anlaufstelle für das Ökosystem, kontrolliert nach eigener Aussage aber nicht das Protokoll selbst.
So entsteht ZCHF: Sicherheiten, Challenges und Auktionen
Neue ZCHF entstehen in Positionen. Wer leihen will, hinterlegt Sicherheiten wie ETH oder Wrapped Bitcoin (WBTC) in einer Position und erzeugt dagegen ZCHF bis zu einem gespeicherten Liquidationspreis. Die Dokumentation nennt zwei Wege: eine neue Position vorschlagen, gegen die Inhaber des Frankencoin Share Token in einer Wartefrist ein Veto einlegen können, oder eine akzeptierte Position mit ihren Konditionen klonen. Beim Minten fallen eine Vorabgebühr und eine Minter-Reserve an, die Wallet erhält also weniger als den Bruttobetrag. Die Sicherheiten bleiben gesperrt, bis die ZCHF zurückgezahlt sind.
Kein Preisorakel sagt dem System, was die Sicherheiten wert sind. Wer meint, sie notieren unter dem Liquidationspreis, kann die Position herausfordern und hinterlegt dafür denselben Collateral-Token. Es folgt eine Auktion in zwei Phasen. In der ersten können Bieter die Sicherheiten des Herausforderers zum Liquidationspreis kaufen; nehmen sie alles, bleibt die Position unberührt. Bleibt etwas übrig, sinkt der Preis, Bieter kaufen die Sicherheiten der Position, und in der aktuellen Vertragsversion erhält der Herausforderer 2 Prozent des Gebots. Auktionen können Tage dauern, das Protokoll reagiert also langsamer als eine Liquidation per Orakel, wie die Risikoseite einräumt. Der Code liegt offen auf GitHub.
Reserve, Pool Shares und Governance
Gebühren und Liquidationsergebnisse fließen in eine Reserve aus ZCHF, aufgeteilt in Minter-Reserven und Eigenkapital. Bleibt nach einer Liquidation ein Verlust, greift das Protokoll zuerst auf die Minter-Reserve der Position zurück, dann auf das Eigenkapital, dann auf die Reserven anderer Minter. Laut Dokumentation garantiert diese Reihenfolge nicht, dass jeder Verlust in die Reserve passt.
Das Eigenkapital gehört den Inhabern der Frankencoin Pool Shares (FPS). Der neuere Frankencoin Share Token (FCS) verpackt jede FPS eins zu eins und ist der Governance-Token. Die Governance arbeitet mit Veto: Ein Vorschlag, etwa eine neue Sicherheit oder ein Minting-Modul, gilt, wenn nicht Inhaber mit mehr als 1 Prozent der zeitgewichteten Stimmen ihn blockieren. Einen neuen Minter kann laut Governance-Seite jeder beantragen, gegen 1.200 ZCHF Gebühr und nach mindestens 60 Tagen Frist. FCS-Inhaber legen auch den Satz des Sparmoduls fest, das Zinsen auf eingezahlte ZCHF aus dem Eigenkapital zahlt.
Was den Frankencoin von anderen Stablecoins unterscheidet
Die größten Stablecoins beruhen auf einem Emittenten. Nach Meissers Dissertation stützen sich USDT und USDC auf das Versprechen eines Emittenten, sie stets zum Kurs der Referenzwährung zu verkaufen und zurückzukaufen. Der Frankencoin hat weder Emittent noch Rücknahmeversprechen. Am nächsten stehen ihm DAI und USDS von Sky, dem Protokoll, das aus MakerDAO hervorging: Auch sie entstehen gegen mehr Sicherheiten, als sie wert sind, beziehen ihre Preise aber von Orakeln.
| Frage | Frankencoin (ZCHF) | USDC und EURC | CHFAU | DAI und USDS |
|---|---|---|---|---|
| Wer neue Coins erzeugt | Jeder mit zugelassenen Sicherheiten, über die Smart Contracts | Circle als Emittent | AllUnity, für institutionelle und professionelle Kunden | Jeder mit Sicherheiten, über die Vaults von Sky oder im Tausch gegen USDC |
| Deckung | Krypto-Sicherheiten in Positionen plus Reserve | Bargeld und kurzfristige bargeldnahe Anlagen | Franken-Reserven bei EU-Kreditinstituten | Sicherheiten in Vaults und USDC im Tauschmodul |
| Rücktausch | Kein Anspruch gegen jemanden; Verkauf am Markt | 1:1 in Dollar oder Euro bei Circle | Zum Nennwert gegenüber AllUnity, ein Recht nach Artikel 49 MiCAR | Kein Anspruch gegen einen Emittenten; USDS tauscht 1:1 in USDC |
| Preisquelle für Liquidationen | Auktionen, kein Orakel | Nicht nötig | Nicht nötig | Chronicle-Orakel mit einer Stunde Verzögerung |
Tokenisierte Einlagen und Zentralbankgeld sind Forderungen gegen eine Bank oder eine Zentralbank und stehen damit noch weiter vom Frankencoin entfernt. Tokenisierte Einlagen sind Bankeinlagen auf einer Blockchain, und die Schweizerische Nationalbank sieht in einem digitalen Franken für das Publikum keine klaren Vorteile.
Regeln: FINMA in der Schweiz, MiCA in der EU
Die Aufsichtsmitteilung 06/2024 der FINMA geht vom Anspruch des Inhabers gegen einen Emittenten aus: Die FINMA stuft ihn meist als Bankeinlage oder kollektive Kapitalanlage ein, und der Emittent muss die Inhaber nach dem Geldwäschereigesetz identifizieren. Der Frankencoin begründet keinen solchen Anspruch. Auf ihrer Compliance-Seite stuft die Association ZCHF als Payment Token und währungsgebundenen Stablecoin nach den FINMA-Richtlinien ein: „es gibt keinen Emittenten ausser dem Smart-Contract-Code, der die Mint-Funktion ausführt.“ Im Interview mit finews macht Meisser diese Mitteilung dafür verantwortlich, dass die Schweiz keine eigenen Stablecoin-Emittenten mehr hat. Der Bundesrat schlägt eine neue Bewilligung für Zahlungsmittelinstitute vor, die Stablecoins ausgeben dürften.
In der EU ist ein Stablecoin, der eine amtliche Währung abbildet, nach MiCA ein E-Geld-Token, und nur eine Bank oder ein E-Geld-Institut darf ihn ausgeben. Erwägungsgrund 22 nimmt Dienste aus, die „in vollständig dezentraler Weise ohne Intermediär“ erbracht werden. Die Association argumentiert, ZCHF habe keinen identifizierbaren Emittenten, daher gälten die Emittentenpflichten der MiCA-Titel II, III und IV nicht. Trotzdem steht ein MiCA-White-Paper für ZCHF im Interimsregister der ESMA für Kryptowerte, die weder E-Geld- noch vermögenswertreferenzierte Token sind, eingereicht von der MiCA Crypto Alliance Opco Limited, zuständig ist die maltesische MFSA. So können EU-Börsen den Coin listen. finews berichtete kurz vor Ende der MiCA-Übergangsfrist darüber.
Weitere Franken-Stablecoins
AllUnity brachte CHFAU am 26. Februar 2026 als E-Geld-Token unter seiner BaFin-Lizenz heraus. AllUnity beschreibt sich als reguliertes E-Geld-Institut, gegründet von DWS, Flow Traders und Galaxy, und gibt auch den Euro-Stablecoin EURAU aus.
In der Schweiz testen UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, BCV, SIX, TWINT und die Swiss Stablecoin AG den Franken-Stablecoin CHFD in einer Sandbox (auf Englisch), dort ist er seit Ende Juni live. Bitcoin Suisse hat den CryptoFranc im August 2024 eingestellt, samt Ausgabe und Rücknahme. Für Banken stellt die Nationalbank seit Ende 2023 im Projekt Helvetia digitales Zentralbankgeld auf der SIX Digital Exchange bereit, ein Pilot, der mindestens bis Mitte 2027 läuft.
Kommende Stablecoin-Termine
Stablecoins auf Partnerkonferenzen von Finance Loop
Der Frankencoin steht auf einer Seite der Frage, mit der Capital & Code in Frankfurt beginnt: Wer treibt Europas digitale Wirtschaft an, öffentliches oder privates Geld? AllUnity, der Emittent von CHFAU, richtet die Konferenz aus, und Finance Loop ist Medienpartner von Capital & Code 2026. Finance Loop ist auch strategischer Partner der Digital Euro Association, deren Digital Euro Conference Stablecoins neben digitalem Zentralbankgeld behandelt.
BTC-ECHO, Medienpartner von Finance Loop für Krypto-Assets und DeFi im deutschsprachigen Raum, veröffentlichte den Artikel Frankencoin: Stablecoin auf Basis der härtesten Währung Europas von Dominic Döllel. Die Schweizer Seite des Themas zeigen Crypto Valley und Fintech in Zürich.
Investment & digitale Vermögenswerte
Payments & digitales Geld
Risk & Compliance
Gibt es einen Franken-Stablecoin?
Ja, mehrere. ZCHF ist der dezentrale, gegen Krypto-Sicherheiten erzeugt. CHFAU von AllUnity ist ein E-Geld-Token mit Franken-Reserven und Rücktauschrecht. VNX gibt VCHF aus, laut VNX 1:1 durch Fiat-Reserven gedeckt und zum Nennwert rücktauschbar. CHFD der Swiss Stablecoin AG läuft in einer Sandbox Schweizer Banken. Den CryptoFranc (XCHF) von Bitcoin Suisse gibt es nicht mehr.
Wer gibt den Frankencoin aus?
Kein Unternehmen. ZCHF entsteht in Smart Contracts, sobald jemand gegen Sicherheiten mintet, und Inhaber haben gegen niemanden Anspruch auf Tausch in Franken. Die Frankencoin Association in Zug unterstützt das Ökosystem und betreibt eines von mehreren unabhängigen Frontends, kontrolliert das Protokoll aber nicht.
Notiert ZCHF immer bei einem Franken?
Eine Garantie gibt es nicht. Laut Dokumentation hat ZCHF kein festes Rücknahmeversprechen in Franken, und der Kurs kann von einem Franken abweichen; Sicherheiten, Reserven, Kreditkosten und Marktgeschehen stützen ihn. Auf frankencoin.com heißt es, der Coin sei seit 2023 ohne signifikante Abweichungen vom Peg geblieben.
Was sind Frankencoin Pool Shares (FPS)?
FPS sind die Eigenkapitalanteile der Frankencoin-Reserve. Ihre Inhaber gewinnen, wenn Gebühren eingehen, und verlieren, wenn Liquidationen Lücken hinterlassen; der Vertrag bewertet sie mit dem Dreifachen des Eigenkapitals. FCS verpackt FPS eins zu eins und trägt die Stimmen. ZCHF-Nutzer brauchen keinen der beiden Token. Die Association stuft FPS als Utility Token nach den FINMA-Richtlinien ein.
Wie unterscheidet sich der Frankencoin von DAI?
Beide entstehen gegen überbesicherte Positionen, ohne Firma, die den Rücktausch verspricht. DAI und USDS bilden den US-Dollar ab, ZCHF den Franken. Sky liest Preise von Chronicle-Orakeln mit einer Stunde Verzögerung und tauscht USDS 1:1 gegen USDC; der Frankencoin nutzt Auktionen und kennt keinen solchen Tausch in einen Emittenten-Coin.
Wo lässt sich ZCHF nutzen?
Die Frankencoin-Website nennt Zahlungen in über 100 Spar-Filialen der Schweiz, Debitkarten von Gnosis Pay und IBAN-Konten bei Mt Pelerin. Kaufen lässt sich ZCHF per Banküberweisung bei Mt Pelerin und DFX, handeln auf dezentralen Börsen wie Uniswap und Curve. Die Website nennt auch Aktionariat in Zürich, das Märkte für tokenisierte Aktien betreibt.
Bringt der Frankencoin Zinsen?
Das Sparmodul zahlt Zinsen auf eingezahlte ZCHF zu einem Satz, den FCS-Inhaber festlegen. Es ist ein einfacher Jahreszins aus dem Eigenkapital der Reserve, und neue Einlagen verzinsen sich nach drei Tagen. FCS-Inhaber gewinnen oder verlieren mit dem Eigenkapital selbst, ein anderes Risiko als bei ZCHF.
Stablecoins und digitales Geld
Schweiz und DeFi
Frankencoin und Finance Loop
Finance Loop ist Medienpartner von Capital & Code, der Frankfurter Stablecoin-Konferenz, die der CHFAU-Emittent AllUnity ausrichtet. Der Frankencoin gehört zum Track Payments & digitales Geld, und das Minten gegen Sicherheiten ist DeFi-Lending im Track Investment & digitale Vermögenswerte.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld und Risk & Compliance.