KI im Münchner Finanzwesen

In München trifft die deutsche Versicherungswirtschaft auf KI-Forschung. Allianz und Munich Re haben hier ihre Zentralen, Munich Re versichert KI-Modelle gegen verfehlte Genauigkeit, und LMU und TUM betreiben eines der sechs nationalen KI-Kompetenzzentren. Termine zum Thema stehen im Kalender unten.

Finance-Loop-Meetup in München mit Fachleuten aus Finanzwesen, IT und KI

Warum KI im Münchner Finanzwesen bei den Versicherern beginnt

Der Münchner Finanzplatz ist aus der Versicherung gewachsen. Allianz und Munich Re sitzen in der Stadt, dazu Generali Deutschland und das deutsche Geschäft von Swiss Re, und der InsurTech Hub Munich, getragen von Allianz, Generali und Munich Re, arbeitet mit Startups an Schadenautomatisierung und Betrugserkennung. Mehr dazu auf der Seite zu Fintech in München.

Wer nach KI in München sucht, landet deshalb meist bei Schaden, Zeichnung und Tarifierung. Die Allianz setzt ihren Insurance Copilot (auf Englisch) in Österreich für Kfz-Schäden ein und hat ihn auf Sachschäden ausgeweitet: Er sammelt Daten aus Schaden und Vertrag, liest Dokumente und Fotos, markiert Lücken und entwirft E-Mails, über Deckung und Zahlung entscheidet der Sachbearbeiter. Banken und Asset Management sind der kleinere Teil. Scalable Capital, der in München gegründete Robo-Advisor und Broker, und die Vermögensverwaltung von Munich Re suchen dieselben Quant- und Datenleute, wie die Seite zu WealthTech in München zeigt.

Munich Re versichert die KI selbst

Munich Re nähert sich der KI auch von der anderen Seite: Sie versichert sie. Das Produkt aiSure (auf Englisch) ist eine Leistungsgarantie für KI-Lösungen. Ein KI-Anbieter mit aiSure im Rücken kann seinen Kunden Ersatz zusagen, wenn ein Modell Fehler macht; die Police zahlt, wenn das Modell ein bei Vertragsbeginn vereinbartes Leistungsniveau verfehlt. Vorher prüft Munich Re die Lösung technisch, und die Garantie gilt nur für die dabei festgelegten Einsatzfälle.

Für eine Bank oder einen Versicherer, der KI einkauft, ändert das das Gespräch mit dem Anbieter. Ein Kredit- oder Schadenmodell mit gemessener Fehlerquote und einem Versicherer dahinter kommt leichter durch das Modellrisiko-Komitee. Die aufsichtliche Pflicht bleibt aber, wo sie ist: Gegenüber der BaFin haftet die Bank, die das Modell einsetzt.

Wo Münchner KI-Forschung auf Finanzen trifft

Das Munich Center for Machine Learning (MCML, auf Englisch) ist eine gemeinsame Initiative von LMU München und Technischer Universität München (TUM). Es wurde 2018 gegründet, ist eines der sechs nationalen KI-Kompetenzzentren und wird dauerhaft von Bund und Freistaat Bayern finanziert. Mehr als 80 Forschungsgruppen arbeiten dort an den Grundlagen des maschinellen Lernens, an Bild und Sprache und an Machine Learning für einzelne Fachgebiete. Für Quants und Risikomodellierer zählen vor allem die Sprachmodelle und die Fachanwendungen.

Die zweite Adresse ist das appliedAI Institute for Europe (auf Englisch), eine gemeinnützige Tochter der appliedAI Initiative, eines Joint Ventures von UnternehmerTUM und IPAI, 2022 in München gegründet. Das Institut bietet Trainings, Kurse und Events und veröffentlicht KI-Werkzeuge und Forschung zur Governance. Compliance- und IT-Teams Münchner Banken und Versicherer sehen dort, wie andere Modelle in Betrieb nehmen.

Die Regeln für KI bei Münchner Banken und Versicherern

München hat keine eigene Finanzaufsicht. Die BaFin beaufsichtigt Münchner Banken und Versicherer von Bonn und Frankfurt aus und nach dem deutschen Durchführungsgesetz zur KI-Verordnung auch die KI, die diese Häuser unmittelbar für regulierte Geschäfte nutzen. Die KI-Verordnung nennt in Anhang III zwei Finanzanwendungen als hochriskant: die Bonitätsbewertung natürlicher Personen sowie Risikobewertung und Preisbildung in der Lebens- und Krankenversicherung. Die zweite trifft München stärker als jede andere deutsche Stadt, weil hier so viel Lebens- und Krankenversicherung gezeichnet wird.

Versicherer unterliegen zudem Solvency II und den Leitlinien der EIOPA (auf Englisch), deren Stellungnahme zu KI-Governance und Risikomanagement Tarifierung, Zeichnung, Schaden und Betrugserkennung abdeckt. Ein Schaden-Copilot, der nur E-Mails entwirft, ist nach der KI-Verordnung nicht hochriskant, läuft aber auf einem IT-Dienst, der ins DORA-Register gehört. Die Seite zur KI-Verordnung im Finanzsektor geht die Pflichten einzeln durch.

Kommende Events zu KI und Finanzen in München

Finance Loop, der Treffpunkt für KI im Münchner Finanzwesen

Finance Loop ist der Treffpunkt für Aktuare, Data Scientists, Compliance-Fachleute und Gründer, die in Münchner Versicherern, Banken und Vermögensverwaltern an KI arbeiten. Das Netzwerk startete sein Münchner Chapter mit einem Event in der Stadt, ist Netzwerkpartner von W3MUC, dem Münchner Web3-Hub, und verbindet die Finance-, IT- und KI-Communitys in Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit Events auch in Frankfurt, Berlin und Hamburg.

Mit Finteda und Frankfurt Data Science unterstützt Finance Loop Claude Hacker House, eine Praxisreihe zum Bauen mit Claude für Business und Finanzen. Die Veranstalter beschreiben sie als Reihe für Finanzplätze wie Frankfurt, Berlin, München und Zürich. Das Bitcoin-Seminar in München ist das Finance-Loop-Format für Anleger, die Bitcoin als Anlageklasse verstehen wollen.

Was deckt die KI-Versicherung der Munich Re ab?

aiSure deckt die Leistung einer KI-Lösung. Verfehlt ein Modell das zu Beginn vereinbarte Leistungsniveau, zahlt die Police, und der KI-Anbieter kann seine Kunden für Schäden aus Modellfehlern entschädigen. Munich Re prüft die Lösung vorher technisch und beschränkt die Deckung auf die dort festgelegten Einsatzfälle.

Gibt es eine KI-Konferenz zu Finanzen in München?

KI im Finanzwesen kommt in München vor allem auf allgemeinen KI-Konferenzen, Versicherungsevents und Meetups vor. Finance Loop listet seine Münchner Termine im Kalender oben und auf der Event-Seite. Die nächsten eigenen Konferenzen sind fAInance am Frankfurter Flughafen, von Sopra Steria und Fraunhofer IAIS für Beschäftigte von Finanzinstituten, und KI Exchange in Hamburg.

Welche Münchner Hochschulen forschen zu künstlicher Intelligenz?

LMU München und Technische Universität München betreiben gemeinsam das Munich Center for Machine Learning mit mehr als 80 Forschungsgruppen. Das appliedAI Institute for Europe, das auf UnternehmerTUM und IPAI zurückgeht, ergänzt Kurse und Trainings für Berufstätige.

Wo finde ich KI-Meetups in München?

Finance Loop veranstaltet Meetups in München mit seinem Chapter und mit W3MUC, und Claude Hacker House führt München unter seinen Städten. Das appliedAI Institute hat eigene Events und Hackathons. Termine zu KI im Finanzwesen in ganz Deutschland stehen auf der Event-Seite von Finance Loop.

KI in München und Finance Loop

KI in Versicherung, Kredit und Portfoliomanagement zieht sich durch alle drei Tracks von Finance Loop, und in München beginnt sie bei den Versicherern. Finance Loop hat ein Chapter in der Stadt, arbeitet mit W3MUC und unterstützt Claude Hacker House, ein Praxisformat, das München unter seinen Städten führt.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld und Risk & Compliance.

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