Kernbankensystem
Ein Kernbankensystem ist die Software, mit der eine Bank Konten, Einlagen, Kredite und finanzielle Transaktionen erfasst. Das System führt Kontostände und verarbeitet Buchungen, Zinsen und Gebühren. Kunden-Apps, Filialen und Zahlungsschnittstellen greifen auf diese Daten zu, um Bankleistungen bereitzustellen.
Banken benötigen eine einheitliche Kontoführung, damit Zahlungen, Kredite und Kundeninformationen über alle Angebote hinweg stimmen. Änderungen am Kernbankensystem erfordern deshalb sorgfältige Tests der Daten und Transaktionsverarbeitung. In Deutschland nutzen viele Sparkassen gemeinsam OSPlus und Genossenschaftsbanken agree21, sodass diese Plattformen große Bankengruppen verbinden.
Was ein Kernbankensystem leistet
Das Kernbankensystem, auch Kernbanksystem, englisch Core Banking System, ist das Hauptbuch einer Bank. Das Kernbankensystem eröffnet und schließt Konten, bucht jede Zahlung, jeden Zins und jede Gebühr, führt Kredit- und Einlagenverträge und liefert die Zahlen für Bilanz und Meldewesen. Onlinebanking, App, Filiale und Zahlungsschnittstellen setzen darauf auf und schicken ihm ihre Aufträge.
Viele dieser Systeme sind Jahrzehnte alt, oft in COBOL für Großrechner geschrieben und seitdem erweitert. Eine Modernisierung dauert deshalb Jahre: Die Bank zieht Produkte und Kundendaten in Wellen um und betreibt Alt und Neu parallel, bis die letzte Welle durch ist. Die Datenmigration ist der riskanteste Schritt: Jedes Konto und jede Buchungshistorie muss vollständig ankommen, während die Bank täglich weiterbucht.
Zwei Gruppensysteme für die meisten Banken
Das deutsche Bankwesen hat drei Säulen: Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Banken. Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken teilen sich jeweils ein gemeinsames Kernbankensystem. Finanz Informatik mit Sitz in Frankfurt betreibt OSPlus für die Sparkassen-Finanzgruppe und nennt es eine einheitliche Gesamtbanklösung mit einem Kernbankensystem im Zentrum. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken nutzen agree21 von Atruvia, früher Fiducia & GAD IT. Ende 2019 waren nach drei Jahren Serienmigration 341 Genossenschaftsbanken mit rund 21,5 Millionen Kundenkonten auf diesem einen System.
Private Banken betreiben meist eigene Plattformen oder kaufen eine am Markt. Als die Deutsche Bank 2023 die Postbank-Kunden auf ihre eigene IT-Plattform zog, fanden Kunden gesperrtes Onlinebanking und lange Wartezeiten vor. Die BaFin bestellte am 29. September 2023 einen Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank, der den Abbau der Rückstände im Privatkundengeschäft von Postbank und DSL Bank überwachte.
DORA und die Anbieter hinter dem Kern
Seit dem 17. Januar 2025 gilt der Digital Operational Resilience Act (DORA) unmittelbar für deutsche Banken. Ein Kernbankensystem stützt, was DORA kritische oder wichtige Funktionen nennt. Die Bank führt den Vertrag im Informationsregister, testet die Belastbarkeit des Systems, meldet schwere IKT-Vorfälle und hält eine Ausstiegsstrategie für den Anbieter bereit. Die BaFin beaufsichtigt die deutschen Banken bei diesen Pflichten nach DORA in Deutschland.
DORA stellt große IKT-Anbieter auch unter direkte EU-Aufsicht. Am 18. November 2025 veröffentlichten die Europäischen Aufsichtsbehörden die erste Liste kritischer IKT-Drittanbieter (auf Englisch). Neben den großen Cloud-Anbietern stehen darauf Softwarehäuser, deren Produkte bei vielen Banken Kernbanken- und Treasury-Systeme tragen, etwa SAP, Oracle und FIS. Eine Bank mit solchem Anbieter behält ihre DORA-Pflichten, und die Aufsicht prüft nun auch den Anbieter selbst.
KI und tokenisiertes Geld auf dem Kern
KI im Banking arbeitet mit den Daten des Kernbankensystems, etwa mit Konto- und Rückzahlungshistorien für Betrugsprüfung und Kreditscoring. Ein Modell, das die Kreditwürdigkeit einer Person bewertet, gilt nach der KI-Verordnung der EU als Hochrisiko-System, mit Pflichten zu Datenqualität und menschlicher Aufsicht.
Eine tokenisierte Einlage ist eine Bankeinlage auf einem Distributed Ledger, und die Bank muss Ledger und Kernbankensystem gleich halten, damit der Kunde einen Saldo sieht. Am 21. September 2026 startete das Eurosystem Pontes, das DLT-Plattformen mit den TARGET-Diensten verbindet, damit Großbetragsgeschäfte auf DLT in Zentralbankgeld abwickeln. Zum Start waren bereits 13 Banken und vier DLT-Betreiber an Pontes angebunden.
Kommende Banking-Events in Deutschland
Finance Loop und Kernbanken in Deutschland
Finance Loop ist der Treffpunkt für alle, die in Deutschland Bank-IT betreiben und umbauen, von Kernbanken-Teams und den Compliance-Leuten, die für DORA geradestehen, bis zu Fintechs, die an den Kern einer Bank andocken. Finance Loop verbindet die Finance-, IT- und KI-Communities in Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg.
Die DZ BANK, das Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken, ist Event- und Netzwerkpartner von Finance Loop. Sopra Steria zählt die Sparkassen-Finanzgruppe und die genossenschaftliche Gruppe zu seinen Bankkunden und richtete fAInance aus, eine KI-Konferenz für Finanzinstitute in Frankfurt, die Finance Loop angekündigt hat. Beim Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications sprachen Bundesbank, Deutsche Bank, Commerzbank und DZ Bank über Zahlungen in DLT-Märkten. Finance Loop präsentierte außerdem ein offizielles Side-Event der AI Week Frankfurt 2025 mit Vorträgen zu KI gegen Finanzkriminalität und zum Testen von KI.
Was ist ein Kernbankensystem?
Ein Kernbankensystem ist die zentrale Software einer Bank. Ein Kernbankensystem führt Kundenkonten, bucht Zahlungen, Zinsen und Gebühren, verwaltet Kredit- und Einlagenverträge und speist Buchhaltung und Meldewesen. Auch die Schreibweise Kernbanksystem ist üblich.
Welche Kernbankensysteme nutzen deutsche Banken?
Die meisten Sparkassen nutzen OSPlus von Finanz Informatik, die Volksbanken und Raiffeisenbanken agree21 von Atruvia. Private Banken und deutsche Filialen ausländischer Banken betreiben eigene Systeme oder zugekaufte Produkte.
Warum dauert eine Kernbanken-Migration Jahre?
Jedes Konto, jeder Vertrag und jede Buchungshistorie muss lückenlos umziehen, während die Bank weiter bucht. Banken ziehen Kunden in Wellen um, testen jede Welle gegen das Altsystem und betreiben beide bis zur letzten Welle. Die Postbank-Migration von 2023 zeigt, was Probleme nach der Umstellung kosten: Die BaFin schickte einen Sonderbeauftragten.
Gibt es ein Kernbanken-Event in Deutschland?
Kernbanken sind Thema bei Finance-Loop-Events zu digitalem Banking, KI und DORA in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg und bei Frankfurt Digital Finance, einer Konferenz mit Finance Loop als Partner. Der Kalender oben enthält die Termine dieser Veranstaltungen zu Bankthemen.
Kernbanken und Finance Loop
Kernbanken berühren zwei Tracks von Finance Loop: Konten und Zahlungen bei Zahlungsverkehr & digitales Geld, DORA- und KI-Regeln für Bank-IT bei Risiko & Compliance. Finance Loop veranstaltet Events in Frankfurt, wo Finanz Informatik und DZ BANK sitzen, sowie in München, Berlin und Hamburg. Die Event-Seite enthält die Termine für diese Veranstaltungen von Finance Loop.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk, das die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen fördert, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.