Tokenisierungsplattformen
Eine Tokenisierungsplattform ist die Technik und lizenzierte Infrastruktur, mit der ein Emittent einen Wert in einen Token verwandelt, das Register der Inhaber führt und den Token oft auch handelt und abwickelt. Manche, wie Securitize, begeben und verwalten Fonds für Vermögensverwalter; andere, wie 21X in Frankfurt, betreiben einen regulierten Handelsplatz; Marktinfrastrukturen wie DTCC oder Clearstream bauen eigene Plattformen für die Wertpapiere, die sie schon verwahren.
Emissionsplattformen: Securitize, Tokeny, Taurus
Securitize ist Tokenisierungsplattform und Transferstelle hinter BUIDL, dem tokenisierten Fonds von BlackRock, und übernimmt für den Fonds Anleger-Onboarding, Token-Emission und Inhaberregister. Tokeny aus Luxemburg bietet Emittenten eine Compliance-Schicht für tokenisierte Aktien, Anleihen und Fondsanteile auf öffentlichen Blockchains und prüft jede Übertragung vor der Abwicklung gegen die Zulassungsregeln des Emittenten. Taurus, ein Schweizer Unternehmen, verkauft Banken Technik, um digitale Vermögenswerte über mehrere Chains zu verwahren, zu tokenisieren, zu handeln und zu verwalten; die Deutsche Bank ist an Taurus beteiligt und nutzt dessen Technik.
Die Wahl der Chain gehört zur Plattform
Welche Blockchain eine Plattform unterstützt, zählt so viel wie ihre Funktionen. BENJI von Franklin Templeton läuft auf neun öffentlichen Chains, darunter Stellar, Ethereum und Solana; die Wahl der Wallet oder Börse entscheidet also, welche Version desselben Fondsanteils ein Anleger hält. Eine Plattform für nur eine Chain oder für eine private, zugangsbeschränkte Ledger wie die, die DTCC intern nutzt, passt zu einem Emittenten, der genau steuern will, wer den Token halten und bewegen darf; eine Plattform über mehrere öffentliche Chains passt zu einem, der möglichst viele kryptonahe Käufer erreichen will.
Marktinfrastruktur: D7 DLT, DTCC, 21X
Clearstream, die Post-Trade-Sparte der Gruppe Deutsche Börse, betreibt D7 DLT, eine Plattform für tokenisierte Wertpapiere mit Anschluss an die Handelsplätze der Deutschen Börse. Sie entstand aus den wholesale DLT-Versuchen der EZB 2024, in denen Clearstream Commercial Paper und Intraday-Repo auf einer Distributed Ledger begab. In den USA baute die Depository Trust Company einen Tokenisierungsdienst auf ihrer Verwahrung für die meisten US-Wertpapiere, 2026 schrittweise mit mehr als 30 Teilnehmern gestartet. In Frankfurt hat 21X eine BaFin-Lizenz nach dem DLT-Pilotregime der EU, um tokenisierte Wertpapiere auf dem eigenen Handelsplatz zu handeln und abzuwickeln, statt sie nur für den Handel anderswo zu tokenisieren.
Wie eine Bank eine Plattform wählt
Ein Emittent, der eine Tokenisierungsplattform wählt, klärt einige praktische Fragen: Begibt die Plattform den Token, führt sie das Register, bietet sie einen Handelsplatz oder mehreres davon; welche Blockchains unterstützt sie; und hat sie die nötige Lizenz schon, etwa in Deutschland die BaFin-Erlaubnis als Kryptowertpapierregisterführer, oder braucht der Emittent eine eigene. Cashlink, in Deutschland tätig, hat Lizenzen als Kryptowertpapierregisterführer und als Kryptoverwahrer, sodass ein Emittent beide Aufgaben bei einem Anbieter statt bei zweien einkaufen kann.
Selbst bauen oder kaufen?
Eine Bank baut eine Tokenisierungsplattform selten selbst. Die Beteiligung der Deutschen Bank an Taurus und ihre Nutzung der Taurus-Technik zeigen das übliche Muster: Eine Bank kauft oder lizenziert Ledger-, Verwahr- und Compliance-Software bei einem Spezialisten und legt ihre Kundenbeziehungen und Zulassungen darum. Eine Marktinfrastruktur wie Clearstream oder DTCC geht einen anderen Weg und erweitert ihr Verwahr- und Abwicklungsgeschäft um eine Tokenisierungsschicht, statt die ganze Plattform eines Anbieters zu übernehmen, weil sie Lizenzen, Kunden und Wertpapiere schon hat.
Kommende Events zu Investment und Digital Assets
Finance Loop und Tokenisierungsplattformen
Finance Loop ist der Treffpunkt für alle, die Tokenisierungsplattformen bauen, lizenzieren und auswählen. CoreLedger, seit Dezember 2024 Partner von Finance Loop, baut Technik für Asset-Tokenisierung und sprach bei einem Real-World-Assets-Abend im TechQuartier in Frankfurt über tokenisiertes Gold und Immobilien. Chainlink Labs, das Tokenisierungsplattformen über sein Oracle-Netzwerk mit externen Daten verbindet, saß bei Tokenization & On-Chain Capital Markets, einem Side Event des Point Zero Forum in Zürich, mit 21X, Franklin Templeton, DFNS und AMINA auf dem Podium.
Beim Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications von d-fine diskutierten DekaBank, 360X, 21X und Seturion über Kundenbedarf und Designentscheidungen für DLT-basierte Marktinfrastrukturen. Finance Loop hat eine strategische Kooperation mit 21X, nach eigener Aussage der ersten vollständig regulierten Börse der EU für digitale Wertpapiere. Gubbi, Premium-Partner von Finance Loop, betreibt den GDX Primary Market für digitale Vermögenswerte, und Fondskonzept AG und DGFRP haben sich daran angebunden, damit Finanzberater tokenisierte Real-World Assets anbieten können.
Investment & digitale Vermögenswerte
Risk & Compliance
Was macht eine Tokenisierungsplattform genau?
Eine Tokenisierungsplattform begibt den Token, führt das Register der Inhaber und prüft, ob jede Übertragung den Regeln des Emittenten folgt, etwa bei der Anlegerzulassung. Manche Plattformen bieten dazu Verwahrung, Handel oder Abwicklung.
Welche Tokenisierungsplattform ist die größte?
Eine größte Plattform über alle Anlageklassen gibt es nicht. Securitize verwaltet BUIDL von BlackRock, den nach Volumen größten tokenisierten Geldmarktfonds; DTCC ist nach dem Volumen der schon verwahrten Wertpapiere die größte Marktinfrastruktur auf dem Weg zur Tokenisierung.
Braucht eine Tokenisierungsplattform in Deutschland eine Lizenz?
Ja, wenn sie ein Kryptowertpapierregister nach dem eWpG führt oder einen Handelsplatz betreibt: Beides braucht eine BaFin-Lizenz, für den Registerführer nach § 32 KWG, für einen Handelsplatz wie 21X nach dem DLT-Pilotregime der EU.
Tokenisierungsplattformen und Finance Loop
Finance Loop behandelt Tokenisierungsplattformen über CoreLedger, seit Dezember 2024 Partner, das Technik für Asset-Tokenisierung baut, und über Chainlink Labs, das bei einem Side Event des Point Zero Forum in Zürich mit 21X, Franklin Templeton, DFNS und AMINA über Infrastruktur für tokenisierte Werte sprach. Tokenisierungsplattformen gehören zum Track Investment & digitale Vermögenswerte.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld und Risk & Compliance.