Euronext

Euronext ist eine paneuropäische Börsengruppe, die die regulierten Wertpapierbörsen von Amsterdam, Athen, Brüssel, Dublin, Lissabon, Mailand, Oslo und Paris betreibt. Die Gruppe entstand im Jahr 2000 aus der Fusion der Börsen von Amsterdam, Brüssel und Paris und ist seit 2014 als Euronext N.V. selbst börsennotiert. Unternehmen und Staaten nehmen an ihren Märkten Kapital auf, Banken, Broker und Investoren handeln dort.

Mehr als 1.800 Emittenten mit einem Börsenwert von zusammen rund sieben Billionen Euro sind an den Märkten von Euronext notiert. Die Gruppe verrechnet Geschäfte zudem über Euronext Clearing und wickelt Wertpapiere in den Zentralverwahrern von Euronext Securities ab. Außerdem gehören MTS, eine elektronische Plattform für Staatsanleihen, und der europäische Strommarkt Nord Pool zu Euronext.

Märkte in acht europäischen Ländern

Euronext nennt seine Struktur ein föderales Modell, in dem jede nationale Börse ihren Namen, ihr Team und ihre Emittenten behält, während alle Märkte die Handelsplattform Optiq teilen. Die Gruppe wuchs durch Fusionen und Käufe, 2002 kam Lissabon hinzu, 2018 die Irish Stock Exchange in Dublin, 2019 Oslo Børs und 2021 die Borsa Italiana in Mailand. Im November 2025 übernahm Euronext die Mehrheit an der Börse Athen, die den griechischen Kapitalmarkt mit eigenem Clearinghaus und Zentralverwahrer betreibt.

Die Aufsichtsbehörden von Belgien, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen und Portugal stimmen ihre Aufsicht über die Gruppe in einem gemeinsamen Kollegium ab. Euronext Dublin, deren Wurzeln bis 1793 zurückreichen, ist in der Gruppe das Zentrum für die Notierung von Anleihen, Fonds und ETFs. Über alle Handelsplätze entfielen im September 2026 laut Monatsstatistik 29 Prozent des europäischen Aktienhandels an transparenten Börsen auf Euronext.

Börsengang: Aktien, Anleihen und ETFs

Euronext bezeichnet sich als größten Handelsplatz für Aktienlistings in Europa und größten Listingplatz für Anleihen weltweit. Unternehmen können an den regulierten Hauptmärkten oder an Euronext Growth und Euronext Access notieren, zwei Segmenten mit leichteren Regeln für kleine und mittlere Firmen. Neben Aktien und Anleihen notieren Emittenten dort ETFs, Fonds, Optionsscheine, Zertifikate und strukturierte Produkte.

IPOready ist das paneuropäische Schulungsprogramm von Euronext für Gründer und Führungskräfte, die einen Börsengang planen. Im zweiten Quartal 2026 stammte fast die Hälfte der Neuzugänge an den Märkten der Gruppe von Unternehmen mit Sitz außerhalb der Euronext-Länder. An der Euronext Athens führt ein beschleunigtes Verfahren ein Unternehmen in weniger als acht Wochen vom Antrag bis zur Notierung.

Clearing, Abwicklung und Verwahrung

Euronext Clearing mit Sitz in Rom ist der zentrale Kontrahent der Gruppe nach der europäischen Marktinfrastrukturverordnung EMIR. Das Haus übernahm das Clearing für die Kassamärkte in Frankreich, Irland, den Niederlanden und Portugal im November 2023, für Warenderivate im Juli 2024 und für Finanzderivate im September 2024, womit der Vertrag mit LCH SA endete. Euronext Clearing verrechnet außerdem Geschäfte in europäischen Staatsanleihen und Repos von MTS, BrokerTec, MOT, EuroTLX und Vorvel.

Die Zentralverwahrer von Euronext Securities in Kopenhagen, Mailand, Oslo und Porto wickeln Geschäfte ab und verwahren Wertpapiere. Beim Start des Verbunds im November 2021 verwahrten diese vier Häuser Vermögen von mehr als 6,5 Billionen Euro. Seit September 2026 wickelt Euronext Securities auch die Aktiengeschäfte von Euronext Amsterdam, Brüssel und Paris ab, ein Schritt, den die Gruppe mit dem geplanten Wechsel Europas zur T+1-Abwicklung verbindet.

Kommende Fintech- und Finanz-Events in Europa

Euronext-Aktie, Zahlen und Indizes

Die Aktie der Euronext N.V. wird in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon gehandelt und gehört seit dem 22. September 2025 zum französischen Leitindex CAC 40. Der Jahresumsatz stieg von 458,5 Millionen Euro im Jahr 2014 auf mehr als 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Börsenwert der Gruppe von 1,4 Milliarden Euro beim Börsengang auf 14,5 Milliarden Euro im August 2025. Euronext berechnet auch Indexfamilien wie den CAC 40 ESG, dessen Zusammensetzung im März, Juni, September und Dezember überprüft wird.

Im zweiten Quartal 2026 stiegen die bereinigten Erträge um 16,9 Prozent auf 544,4 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA erreichte 360,0 Millionen Euro bei einer Marge von 66,1 Prozent. Stéphane Boujnah ist Chief Executive Officer und Vorsitzender des Vorstands und führt die Gruppe nach ihrem Strategieplan Innovate for Growth 2027.

Handelstage und Börsenfeiertage

Die Kassa- und Derivatemärkte von Euronext öffnen von Montag bis Freitag und bleiben an allen Plätzen an Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, am 1. Mai und am ersten Weihnachtstag geschlossen. Am 24. und 31. Dezember handeln die meisten Plätze nur einen halben Tag, Mailand und Oslo bleiben an beiden Tagen geschlossen. Dublin schließt zusätzlich an irischen Bankfeiertagen, Oslo an norwegischen Feiertagen wie Gründonnerstag, Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag.

Krypto-ETPs bei Euronext

Euronext notiert börsengehandelte Produkte auf Kryptowerte neben seinen ETFs, und Euronext Clearing ist seit dem 3. März 2025 zentraler Kontrahent für diese Produkte. Die Gruppe erwartet, dass das zentrale Clearing die Auswahl an Krypto-ETPs für Anleger erweitert, die sie an einem regulierten Markt halten wollen.

Geschichte seit 2000

Euronext N.V. entstand im Jahr 2000 als erste paneuropäische Börse und kaufte im Dezember 2001 die Londoner Terminbörse LIFFE. Die Börse von Lissabon und Porto kam 2002 hinzu, und 2007 schloss sich Euronext mit der New York Stock Exchange zu NYSE Euronext zusammen. Nachdem Intercontinental Exchange im November 2013 NYSE Euronext übernommen hatte, behielt das Unternehmen LIFFE und brachte die kontinentaleuropäischen Börsen im Juni 2014 als eigenständige Euronext an die Börse.

Euronext und Finance Loop

Stéphane Boujnah, Vorstandschef von Euronext, sprach bei Frankfurt Digital Finance 2026, einer Konferenz, deren Partner Finance Loop ist. Michael Wellenbeck aus dem Advisory Board von Finance Loop hatte leitende Positionen bei der Deutschen Börse, der NYSE und Euronext und berät heute zu Kapitalmärkten. Mitglieder von Finance Loop bei Banken und Vermögensverwaltern in Frankfurt beschäftigen sich mit denselben Fragen zu zentralem Clearing und kürzeren Abwicklungszyklen, die die europäischen Börsengruppen beantworten.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.

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