Solaris Bank
Mit Solaris Bank ist meist die Solaris SE gemeint, eine Berliner Bank mit deutscher Vollbanklizenz, die früher Solarisbank AG hieß. Solaris stellt anderen Unternehmen Konten, Debit- und Kreditkarten, Zahlungen, Verbraucherkredite und Identitätsprüfungen bereit, die diese unter eigener Marke an ihre Kunden verkaufen. Solaris nennt dieses Modell Embedded Finance und Banking as a Service.
Ein Softwareanbieter, ein Automobilclub oder ein Elektronikhersteller kann über Solaris ein Bankkonto oder eine Kreditkarte anbieten, ohne selbst eine Banklizenz zu besitzen. Der Partner bindet diese Dienste über Software-Schnittstellen in seine App oder Website ein, während Solaris die Lizenz, die Einlagen und die aufsichtlichen Pflichten behält. Das Unternehmen wurde 2016 in Berlin gegründet und erhielt 2017 seine Banklizenz.
Banklizenz, Einlagen und EU-Pass
Solaris hat eine deutsche Vollbanklizenz als CRR-Kreditinstitut, erteilt 2017, und steht unter der Aufsicht der BaFin und der Europäischen Zentralbank. Die Lizenz umfasst Einlagen, Girokonten, Debit- und Kreditkarten, Zahlungsdienste und Verbraucherkredite. Kundeneinlagen sind nach dem Einlagensicherungsgesetz bis 100.000 Euro geschützt, und über den EU-Pass bietet Solaris diese Dienste von Berlin aus in allen Ländern von EU und EWR an.
Eine Vollbank darf Zinsen zahlen, Dispositionskredite gewähren und eigenes Geld verleihen, ein E-Geld-Institut darf das nicht. Solaris betrieb auch ein eigenes E-Geld-Geschäft, früher als Contis bekannt, und stellte am 20. September 2024 große Teile davon ein (auf Englisch), nachdem in einem schwierigen Markt wichtige Partner weggefallen waren. Welches der beiden Modelle eine Plattform betreiben kann, entscheiden die Lizenzregeln für jeden Anbieter von Banking as a Service in Deutschland.
Partner, die auf der Plattform aufbauen
Solaris gibt die ADAC Kreditkarte für den Automobilclub seit einer Programmmigration im September 2024 heraus, ein Beispiel für Embedded Finance in Deutschland. Im Oktober 2026 ergänzte Solaris ein Tagesgeldkonto für ADAC-Karteninhaber, nach einem Soft Launch, der 50.000 von ihnen erreichte. Die Berliner App Tomorrow arbeitet seit ihrer Gründung 2018 mit Solaris bei Girokonten, Gemeinschaftskonten, Dispokrediten und Debitkarten zusammen und führte im Februar 2025 Sparkonten mit Solaris ein.
Für Samsung Pay in Deutschland geben Solaris und Visa eine virtuelle Debitkarte im Samsung-Design aus, die sich mit fast jedem deutschen Bankkonto verbinden lässt. Für den Business-Software-Anbieter Lexware mit rund 500.000 Selbstständigen und kleinen Unternehmen als Kunden baute Solaris ein Geschäftskonto mit Visa Business Debitkarte, das an die Buchhaltungssoftware Lexware Office angebunden ist. Solaris gibt außerdem die Debitkarte von Bitpanda im Europäischen Wirtschaftsraum heraus und wickelt sie ab, und auch Coinbase und Kontist zählen zu den Partnern von Solaris.
SBI als Mehrheitsaktionär
Am 3. Februar 2025 schloss Solaris eine Series-G-Runde über 140 Millionen Euro ab, angeführt von der SBI Group und der Boerse Stuttgart Group, in der die SBI Group aus Tokio Mehrheitsaktionär wurde. SBI schloss das Inhaberkontrollverfahren am 25. März 2025 ab, und zugleich ersetzte Katharina Gehra Burkhard Eckes im Aufsichtsrat von Solaris. Die Series-F-Runde vom März 2024 hatte 96 Millionen Euro Eigenkapital und Finanzgarantien von bis zu 100 Millionen Euro gebracht, mit denen Solaris die Migration des ADAC-Kreditkartenprogramms bezahlte.
Die neuen Eigentümer kamen nach einem Umbau, denn im September 2024 baute Solaris Stellen ab und verschlankte die Führungsstruktur. Ende 2025 folgte Steffen Jentsch auf Carsten Höltkemeyer als CEO, zuvor CIO bei flatexDEGIRO, mit Matthias Heinrich als Chief Risk Officer. Im März 2026 kündigte Solaris den Umbau zur KI-nativen Bank an, und Yoshitaka Kitao, Chairman und CEO von SBI Holdings, nannte Solaris den zentralen europäischen Baustein der Gruppe.
Maßnahmen der BaFin seit 2021
Die BaFin griff zuerst nach einer Sonderprüfung ein: Am 27. Dezember 2021 legte sie zusätzliche Eigenmittelanforderungen fest für die damalige Solarisbank AG, wegen zahlreicher Mängel in der Geschäftsorganisation. Mit Bescheid vom 24. Januar 2022 bestellte die BaFin außerdem einen Sonderbeauftragten für die Bank. Am 16. Dezember 2022 verpflichtete die BaFin die Solaris SE, Risikomanagement und Geldwäscheprävention in Ordnung zu bringen, unter anderem mit Adressprüfungen bei der Kontoeröffnung und Limits für Überweisungen und Barabhebungen bei bestimmten Konten. Dieselbe Anordnung untersagte Solaris neue Kooperationspartnerschaften, neue Tochtergesellschaften und neue Beteiligungen ohne Zustimmung der Aufsicht.
Am 7. März 2024 verhängte die BaFin eine Geldbuße von 6,5 Millionen Euro, weil die Bank Geldwäscheverdachtsmeldungen systematisch zu spät abgegeben hatte. Im Juli 2024 setzte die Aufsicht Fristen für die Beseitigung von Mängeln in Geldwäscheprävention, Meldewesen, Auslagerungsmanagement und IT, drohte ein Zwangsgeld an und verlängerte das Mandat des Sonderbeauftragten. Am 13. Juni 2025 setzte die BaFin Bußgelder von insgesamt 500.000 Euro fest, weil Solaris zwischen Januar 2022 und März 2024 mehrfach die Obergrenze für Großkredite nach der CRR überschritten hatte. Die Melde- und Sorgfaltspflichten hinter diesen Anordnungen gelten für jede Bank nach den Regeln zur Geldwäschebekämpfung in Deutschland.
Kryptoverwahrung und digitale Vermögenswerte
Solaris stieg im Dezember 2019 mit der Tochter Solaris Digital Assets GmbH (auf Englisch) in die Kryptoverwahrung ein, die Partnern eine White-Label-Verwahrung per API anbot und 2020 eine Erlaubnis der BaFin für das Kryptoverwahrgeschäft beantragen wollte. Im November 2020 entschied sich die Krypto-Banking-App Bitwala für diesen Dienst (auf Englisch), um Bitcoin und Ether ihrer Kunden zu verwahren, mit privaten Schlüsseln über die Multi-Party-Computation-Technik von Curv. Solaris Digital Assets hatte die Erlaubnis damals beantragt und arbeitete mit einer vorläufigen Erlaubnis für die Kryptoverwahrung.
Seit einer im Mai 2024 angekündigten Partnerschaft (auf Englisch) nutzt Solaris die Verwahrinfrastruktur von Bitpanda Technology Solutions für Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether. Partner von Solaris erhalten darüber Sparpläne, Tausch zwischen Assets und Staking, eine Form von Crypto as a Service, bei der ein lizenzierter Anbieter die Coins hinter der App verwahrt. Die Boerse Stuttgart Group, Co-Lead der Series-G-Runde, arbeitet seit Jahren in ihrem Digital- und Kryptogeschäft Boerse Stuttgart Digital mit Solaris zusammen. Zu den Partnern von Solaris gehören auch die Kryptobörse BSDEX und die Bison App, beide aus der Boerse Stuttgart Group.
Payments-Events in Europa
Was ist Solaris für eine Bank?
Solaris ist ein deutsches Kreditinstitut mit Vollbanklizenz, das seine Dienste vor allem an andere Unternehmen verkauft, die sie an ihre eigenen Kunden weitergeben. Wer Kunde von Tomorrow, der ADAC Kreditkarte oder Samsung Pay ist, hat Konto oder Karte bei der Solaris SE, während App und Marke dem Partner gehören.
Welche Bank steht hinter der ADAC Kreditkarte?
Die Solaris SE gibt die ADAC Kreditkarte heraus, seit das Programm im September 2024 zu ihr gewechselt ist. Mit der Funktion EuroAbruf können Karteninhaber bis zu 5.000 Euro aus ihrem Kreditrahmen per SEPA-Echtzeitüberweisung auf ihr Referenzkonto holen, und seit Oktober 2026 können sie neben der Karte ein Tagesgeldkonto eröffnen.
Einlagensicherung bis 100.000 Euro
Einlagen bei Solaris sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro geschützt, weil Solaris eine CRR-Banklizenz hat und keine E-Geld-Lizenz. Ein E-Geld-Institut muss Kundengelder stattdessen bei einer anderen Bank sichern, was die Rückzahlung verzögern kann, wenn das Institut ausfällt.
Verbraucherkredite und Splitpay
Solaris vergibt Verbraucherkredite und bietet Splitpay an, ein Buy-now-pay-later-Produkt, das Partner an eine Karte koppeln können. Bei Samsung Pay lassen sich Käufe über 100 Euro bis zu 90 Tage nach dem Kauf aufteilen und über bis zu 24 Monate zurückzahlen, während Solaris Scoring, Risikomanagement und Kreditvergabe übernimmt.
Banking as a Service und Fintech in Berlin
Solaris und Finance Loop
Finance Loop behandelt Banking as a Service und Embedded Finance im Bereich Zahlungsverkehr und digitales Geld, in dem Solaris ein deutsches Beispiel für eine lizenzierte Bank ist, die über Partnermarken arbeitet. Die Fragen zu Lizenz und Auslagerung in diesem Modell, vom Kreditwesengesetz bis DORA, verfolgt Finance Loop beim Thema Banking as a Service in Deutschland.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.