Projekt Nexus
Projekt Nexus ist ein Verfahren, das nationale Echtzeitzahlungssysteme verbindet, sodass eine Zahlung aus einem Land meist innerhalb von 60 Sekunden auf einem Konto in einem anderen Land ankommt. Jedes nationale System schließt sich einmal an das Nexus-Netz an, statt mit jedem Partnerland eine eigene Verbindung zu bauen. Der Absender kann die Zahlung an die Mobilnummer des Empfängers richten, sieht alle Gebühren vorab und kennt den genauen Betrag, der ankommt.
Nexus begann 2021 am Singapurer Zentrum des BIS Innovation Hub, der Einheit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die mit Zentralbanken Technologie entwickelt. Im April 2025 gründeten die Zentralbanken von Indien, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand Nexus Global Payments, ein gemeinnütziges Unternehmen in Singapur, das Nexus seither betreibt. Indonesien kam im Februar 2026 als sechster Rechtsraum hinzu, und der Livebetrieb ist für 2027 geplant.
Vom Entwurf 2021 zum Test mit dem Eurosystem
Der BIS Innovation Hub veröffentlichte den ersten Nexus-Entwurf im Juli 2021 (auf Englisch) und baute 2022 einen funktionierenden Prototyp. Der Prototyp verband Testkopien von drei bestehenden Systemen: TIPS, das die Banca d'Italia für das Eurosystem betreibt, die Real-time Retail Payments Platform von PayNet in Malaysia und das System FAST in Singapur. Echtes Geld floss nicht, doch der Test band auch die Aliasdienste TIPS Mobile Proxy Lookup, DuitNow und PayNow an, damit eine Zahlung eine Mobilnummer in einem anderen Land erreicht, wie der BIZ-Bericht vom März 2023 (auf Englisch) beschreibt.
In der dritten Phase erarbeiteten Zentralbanken und Zahlungssystembetreiber aus Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand die Regeln und das Geschäftsmodell für den Livebetrieb. Die BIZ schloss diesen Entwurf im Juli 2024 ab (auf Englisch), mit einem Regelwerk und technischen Leitfäden samt Nachrichtenformaten im Standard ISO 20022. Für die nächste Phase kam die Reserve Bank of India hinzu, und Agustín Carstens, damals Generaldirektor der BIZ, sagte, Nexus könne schon mit den ersten Ländern einen Markt von 1,7 Milliarden Menschen verbinden.
So gelangt eine Zahlung von Land zu Land
Jedes Echtzeitzahlungssystem schließt sich über ein Nexus Gateway an das Netz an, und ein später beitretendes Land ist sofort für alle bisherigen Mitglieder erreichbar. Die BIZ rechnete vor, dass 60 nationale Systeme 60 Anbindungsprojekte an Nexus bräuchten, aber 1.770 bilaterale Verbindungen, wenn jedes Paar direkt verbunden würde. Die meisten Verbindungen zwischen Echtzeitsystemen sind bis heute bilateral, etwa die Kopplung von PayNow in Singapur mit PromptPay in Thailand 2021 oder die Verbindung zwischen Singapur und Indien 2023.
Bevor eine Zahlung abgeht, nennen Devisenanbieter im Netz ihre Kurse, und die Bank des Absenders zeigt die Gebühren und den genauen Betrag, den der Empfänger erhält. Der Absender kann außerdem vor der Freigabe den Namen des Kontoinhabers prüfen und eine Fehlüberweisung abbrechen. Das Echtzeitsystem des Absenderlandes wickelt den ersten Teil in Landeswährung ab, und das System des Empfängerlandes zahlt den umgerechneten Betrag aus, in der Regel binnen 60 Sekunden, wie der BIZ-Bericht vom Juli 2024 (auf Englisch) erklärt. Devisenanbieter, die nicht Mitglied beider nationaler Systeme sind, halten Konten bei Settlement Account Providern, daher bleibt das Korrespondenzbankgeschäft für die Währungsliquidität im Hintergrund, während die Banken von Absender und Empfänger kein Konto im Ausland brauchen.
Nexus Global Payments übernimmt das Verfahren
Die fünf Zentralbanken der ersten Stunde, die Reserve Bank of India, Bank Negara Malaysia, Bangko Sentral ng Pilipinas, die Monetary Authority of Singapore und die Bank of Thailand, gründeten Nexus Global Payments im April 2025 (auf Englisch). NGP ist eine Company Limited by Guarantee nach dem Recht Singapurs und arbeitet ohne Gewinnabsicht. Die BIZ hat das Projekt übergeben und ist nicht Eigentümerin, unterstützt aber den Wissenstransfer bis zur ersten Livetransaktion. Die Europäische Zentralbank und Bank Indonesia, die beide an früheren Phasen teilnahmen, blieben mit besonderem Beobachterstatus dabei.
Im August 2025 ernannte NGP Andrew McCormack zum ersten Chief Executive Officer (auf Englisch), zuvor Chief Operating Officer von Etihad Payments in den VAE. Im Februar 2026 wurde José Beltrán, früher Programmdirektor des Systems STEP2 von EBA Clearing, erster unabhängiger Vorsitzender des Boards. In derselben Mitteilung wechselte Bank Indonesia vom Beobachterstatus zur vollen Teilnahme als sechster Rechtsraum (auf Englisch), und der Lateinamerikanische Reservefonds unterzeichnete eine Absichtserklärung zu künftigen Verbindungen. Ein Gemeinschaftsunternehmen von PayNet aus Malaysia und NETS aus Singapur wurde Nexus Technical Operator (auf Englisch) und baut und betreibt die Nexus-Infrastruktur.
Die Haltung der EZB zur Anbindung von TIPS
Der EZB-Rat beschloss im Oktober 2024 (auf Englisch), einen Beitritt zu Nexus als einen seiner Wege zu prüfen, TIPS mit Echtzeitzahlungssystemen außerhalb des Euroraums zu verbinden. Die EZB schrieb, mit einem Anschluss an Nexus könne TIPS zu einer Drehscheibe für grenzüberschreitende Echtzeitzahlungen in den und aus dem Euroraum werden, und das Eurosystem würde beitreten, wenn die Prüfung erfolgreich ist. Als Grund nennt die EZB die Gefahr eines zersplitterten weltweiten Zahlungsverkehrs und verweist auf die G20-Roadmap für grenzüberschreitende Zahlungen.
Im November 2025 brachte der EZB-Rat die bilaterale Verbindung mit Indien in die Umsetzungsphase, für Nexus entschied er dagegen, die Machbarkeitsprüfung fortzusetzen und parallel die rechtlichen Vereinbarungen abzuschließen. Der Jahresbericht 2025 zu den TARGET-Diensten nennt die offenen Fragen solcher Verbindungen: unterschiedliche Zahlungsstandards, Governance und Aufsicht, Geldwäscheregeln, nationale Regulierung und Endgültigkeit der Abwicklung. Nexus ist einer von drei Wegen dieser Arbeit, neben dem Fremdwährungsdienst von TIPS und einer bilateralen Verbindung mit dem indischen Unified Payments Interface, und das Eurosystem verfolgt alle drei als Teile seines Plans für Echtzeitüberweisungen ins Ausland.
Was eine Verbindung für Zahlungen aus Europa ändern würde
Eine Überweisung von einem Eurokonto auf ein Konto in Malaysia, auf den Philippinen oder in Thailand läuft meist über eine Kette von Korrespondenzbanken per Swift, und jede Bank in der Kette kann eine eigene Gebühr abziehen. Innerhalb des Euroraums verlangt die Verordnung über Sofortzahlungen bereits Euroüberweisungen, die zu jeder Uhrzeit binnen zehn Sekunden ankommen. Mit einem TIPS-Gateway zu Nexus könnte eine Bank, die Echtzeitzahlungen in TIPS abwickelt, über eine einzige Verbindung jedes Land im Netz erreichen, ohne eigene Vereinbarung je Korridor.
Die BIZ hat Nexus für Privatpersonen sowie für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen entworfen, daher sind Rücküberweisungen und kleinere Handelszahlungen die ersten Anwendungsfälle. Eine Zahlung in Euro bräuchte zusätzlich einen Währungstausch durch einen Devisenanbieter und eine Sanktionsprüfung bei der Empfängerbank, und die BIZ nennt die Sanktionsprüfung eine der größten Hürden bei grenzüberschreitenden Echtzeitzahlungen. Die EZB hat kein Datum für einen Anschluss von TIPS genannt, daher nehmen Eurozahlungen in die Nexus-Länder vorerst ihre bisherigen Wege.
Kommende Payments-Events
Was ist Projekt Nexus?
Projekt Nexus ist ein multilaterales Verfahren aus dem BIS Innovation Hub, das nationale Systeme für Echtzeitüberweisungen verbindet, sodass jedes Land sich einmal anschließt und alle anderen Mitglieder erreicht. Nexus Global Payments, gegründet von den beteiligten Zentralbanken, betreibt das Verfahren seit 2025, als die BIZ das Projekt übergab (auf Englisch).
Welche Länder machen mit?
Indien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand gründeten Nexus Global Payments, und Indonesien kam im Februar 2026 als sechster Rechtsraum hinzu. Die Europäische Zentralbank begleitet die Arbeit mit besonderem Beobachterstatus, und der Lateinamerikanische Reservefonds unterzeichnete eine Absichtserklärung für Vorarbeiten zu künftigen Verbindungen.
Welche Rolle spielen RBI und UPI?
Die Reserve Bank of India stieg in der Phase nach dem Entwurf vom Juli 2024 ein und brachte das Unified Payments Interface mit, das die BIZ als größtes Echtzeitzahlungssystem der Welt bezeichnet. Die RBI ist eine der fünf Zentralbanken, die Nexus Global Payments gründeten, während die EZB für eine eigene bilaterale Verbindung zwischen TIPS und UPI die Umsetzungsphase begonnen hat.
Tritt der Euroraum dem Netz bei?
Das Eurosystem würde TIPS an Nexus anschließen, wenn seine Machbarkeitsprüfung erfolgreich ist, so lautet die Bedingung der EZB vom Oktober 2024. Bis zu dieser Entscheidung behält die EZB ihren besonderen Beobachterstatus bei Nexus Global Payments und hat kein Datum für einen Anschluss genannt.
Wann laufen die ersten Livezahlungen?
Nexus Global Payments plant den Livebetrieb für 2027, nachdem das Gemeinschaftsunternehmen von PayNet und NETS Anfang 2026 mit dem technischen Aufbau begonnen hat. Die BIZ bleibt bis zur ersten Livetransaktion beteiligt und unterstützt den Wissenstransfer an den neuen Betreiber und seine Mitglieder.
Projekt Nexus und Finance Loop
Finance Loop behandelt Echtzeitzahlungen zwischen Ländern im Themenfeld Zahlungsverkehr und digitales Geld, von TIPS im Euroraum bis zu Verbindungen mit Zahlungssystemen in Asien. Finance Loop unterstützte das Frankfurter Seminar When Banks Say 'No' - Payments in Challenging Markets, das sich mit Sanktionen und De-Risking im internationalen Zahlungsverkehr befasste.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.