EZB Appia
Appia ist die langfristige Initiative des Eurosystems für einen europäischen tokenisierten Finanzmarkt, in dem Zentralbankgeld der Anker der Abwicklung bleibt. Die EZB und die nationalen Zentralbanken des Euroraums starteten Appia 2025 und wollen 2028 einen Blueprint mit Ergebnissen, Empfehlungen und Grundsätzen für diesen Markt vorlegen.
Appia läuft neben Pontes, dem Dienst, der DLT-Plattformen mit den TARGET-Diensten verbindet und am 21. September 2026 startete. Pontes wickelt DLT-Geschäfte heute in Zentralbankgeld ab, Appia fragt, wie Geld, Werte und Sicherheiten in Europa auf Registern fließen sollen und welche Netze und Standards das braucht.
Die Appia-Roadmap
Das Eurosystem veröffentlichte die Appia-Roadmap (auf Englisch) am 11. März 2026 und stellte sie am Tag darauf in einer Focus Session der EZB vor. Die Roadmap nennt Ziele, Vorgehen, Zeitplan und Methode und wägt ein gemeinsames Register für Geld und Werte gegen mehrere verbundene Netze ab.
Die Arbeit umfasst Interoperabilität und Standards für Werte, Geldpolitik und Sicherheitenverwaltung auf DLT, eine Infrastruktur für tokenisiertes Zentralbankgeld, grenzüberschreitende Integration, den Rechtsrahmen und eine Umsetzungsstrategie. Die EZB nennt vier Ziele: Zentralbankgeld als Vertrauensanker, einen stärker integrierten Zahlungs- und Wertpapiermarkt, strategische Autonomie Europas und die internationale Rolle des Euro.
Appia-Konsultation und Kontaktgruppe
Mit der Roadmap startete eine öffentliche Konsultation, Antworten waren bis zum 22. April 2026 fällig. Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, sagte in einer Rede am 6. Oktober 2026 (auf Englisch), sie habe „127 responses“ erhalten, und 90 Prozent der Antwortenden hätten mindestens einen Vorschlag gemacht.
Im Juni 2026 suchte die EZB Mitglieder für eine Appia-Kontaktgruppe, die heute 61 Mitglieder aus mehr als 100 Bewerbern hat. Sie ersetzt die früheren Kontaktgruppen für Pontes und für neue Technologien in der Großbetragsabwicklung. In der Presse genannt sind unter anderem der Euro-Stablecoin-Emittent Qivalis, das Abwicklungsnetz Fnality, Clearstream, Euroclear, Eurex, Euronext und Swift sowie die Verbände AFME, ICMA und ISDA.
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Pontes und Appia
Pontes und Appia gehen auf dieselbe Entscheidung zurück: Am 1. Juli 2025 kündigte die EZB beide Projekte nach den Tests von 2024 an, in denen die Trigger-Lösung der Bundesbank und zwei weitere Zentralbanklösungen DLT-Geschäfte in Zentralbankgeld abwickelten. Pontes ist die kurzfristige Brücke und läuft als Dienst, die Ergebnisse von Appia sollen Pontes schrittweise verbessern.
Piero Cipollone erwartet den vollen Ausbau von Pontes bis Mitte 2028, mit Betrieb rund um die Uhr, mehr Programmierbarkeit und mehreren Währungen. Am Starttag von Pontes begann die EZB außerdem Vorarbeiten, einen kleinen Teil ihrer Eigenmittel (auf Englisch) in tokenisierte, über Pontes abgewickelte Wertpapiere anzulegen, zuerst in Euro-Papiere öffentlicher und supranationaler Emittenten.
Appia-Zeitplan
- 1. Juli 2025: Die EZB kündigt Pontes und Appia an
- 11. März 2026: Appia-Roadmap und öffentliche Konsultation
- 22. April 2026: Frist für Antworten
- Juni 2026: Aufruf für die Appia-Kontaktgruppe
- 21. September 2026: Erststart von Pontes
- Mitte 2028: voller Ausbau von Pontes mit Betrieb rund um die Uhr
- 2028: Blueprint von Appia
Sicherheiten auf DLT, eines der Themen von Appia, sind schon im Einsatz: Seit Juni 2026 nimmt das Eurosystem auf Clearstream D7 DLT emittierte Wertpapiere als Sicherheit in seinen Kreditgeschäften an.
Appia und Finance Loop
Finance Loop behandelt Appia im Track Zahlungsverkehr und digitales Geld, zusammen mit Pontes, Wholesale-CBDC und tokenisierten Einlagen, und im Track Digitale Infrastruktur und Souveränität, weil Appia fragt, welche DLT-Netze unter europäischer Governance laufen sollen. Finance Loop trifft sich in Frankfurt, dem Sitz der EZB, mit Banken, Marktinfrastrukturen und DLT-Betreibern, die die Arbeit am Blueprint verfolgen.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und hat das Ziel, den institutionellen Einsatz neuer Technologien im Finanzwesen voranzubringen, etwa KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in diesen Feldern Wissen und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.