MiCA-Lizenz
Eine MiCA-Lizenz ist die Zulassung, die ein Unternehmen braucht, um Kunden in der Europäischen Union Kryptowerte-Dienstleistungen anzubieten. Die Verordnung über Märkte für Kryptowerte, Verordnung (EU) 2023/1114, nennt ein solches Unternehmen Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen, kurz CASP, und zählt zehn Dienste auf, die die Lizenz verlangen, von der Verwahrung und dem Betrieb einer Handelsplattform bis zu Beratung und Transfers. Eine nationale Aufsicht erteilt die Lizenz, und nach einer Anzeige gilt sie in jedem EU- und EWR-Staat.
Seit dem 1. Juli 2026 darf kein Anbieter EU-Kunden ohne sie bedienen, denn an diesem Tag endete die letzte nationale Übergangsfrist. Das Register der ESMA führte am 22. Oktober 2026 387 zugelassene oder angezeigte Anbieter, darunter Börsen wie Kraken, OKX und Coinbase sowie Banken, die ihre Aufsicht nach Artikel 60 informiert haben. Das Register nennt zu jeder Marke den Rechtsträger, mit dem ein Kunde den Vertrag schließt.
Was eine MiCA-Lizenz umfasst
MiCA definiert einen Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen in Artikel 3 Absatz 1 Nummer 15 als juristische Person, die gewerblich Kryptowerte-Dienstleistungen für Kunden erbringt, und Nummer 16 zählt die Dienste auf: Verwahrung und Verwaltung, Betrieb einer Handelsplattform, Tausch von Kryptowerten gegen Geld oder gegen andere Kryptowerte, Ausführung von Aufträgen, Platzierung, Annahme und Übermittlung von Aufträgen, Beratung, Portfolioverwaltung und Transferdienste. Die Lizenz nennt die Dienste, die eine Firma erbringen darf, ein Eintrag für Verwahrung und Transfers erlaubt also kein Orderbuch. Den Antragsweg nach Artikel 59 und 63 beschreibt die CASP-Lizenz, mit den drei Kapitalklassen von 50.000, 125.000 und 150.000 Euro.
Eine Bank, eine Wertpapierfirma, ein E-Geld-Institut oder ein Zentralverwahrer beantragt keine MiCA-Lizenz. Nach Artikel 60 zeigt eine solche Firma ihrer Aufsicht den Start mindestens 40 Arbeitstage vorher an und darf dann die Dienste erbringen, die ihrer bestehenden Lizenz entsprechen, wie MiCA Artikel 60 erklärt. Die ESMA-Datei kennzeichnet beide Wege: Am 22. Oktober 2026 enthielt sie 75 Zulassungen nach Artikel 63 und 136 Anzeigen nach Artikel 60 und ließ das Feld bei den übrigen leer.
Wer eine MiCA-Lizenz erteilt
Die Lizenz kommt von der zuständigen Behörde des Herkunftsstaats, nie von der ESMA. In Deutschland ist das die BaFin, in Frankreich die AMF, in den Niederlanden die AFM, in Österreich die FMA, in Luxemburg die CSSF, in Zypern die CySEC, in Malta die MFSA und in Irland die Central Bank of Ireland. Die Behörde prüft den Antrag anhand der technischen Standards zu Artikel 62, bestätigt die Vollständigkeit binnen 25 Arbeitstagen und entscheidet binnen 40 Arbeitstagen nach vollständigem Antrag, auch wenn die BaFin für den Antrag der futurum bank, Betreiberin von bitcoin.de, mehr als 15 Monate brauchte, bevor sie die Lizenz im Oktober 2026 verweigerte.
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA sammelt die Entscheidungen der nationalen Behörden in ihrem vorläufigen Register und veröffentlicht die Datei etwa wöchentlich. Eine in einem Staat erteilte Lizenz gilt nach einer Pass-Anzeige nach Artikel 65 in allen anderen, daher bedient Kraken deutsche Kunden mit einer irischen Lizenz und OKX mit einer maltesischen. Die Europäische Kommission schlug am 4. Dezember 2025 vor, die Aufsicht über alle CASPs zur ESMA zu verlagern, was die Wahl des Herkunftsstaats beenden würde, wenn Parlament und Rat zustimmen.
MiCA-Lizenz oder nationale Lizenz: Die Übergangszeit ist vorbei
Vor MiCA hielt eine Kryptofirma eine nationale Erlaubnis, etwa die deutsche Kryptoverwahrerlaubnis nach dem Kreditwesengesetz oder die französische PSAN-Registrierung. Artikel 143 Absatz 3 ließ eine solche Firma bis zu 18 Monate nach dem 30. Dezember 2024 weiterarbeiten, und jeder Staat setzte seine eigene Frist: Deutschland beendete sie am 31. Dezember 2025 nach § 50 KMAG, die Niederlande am 1. Juli 2025, Luxemburg, Zypern und Polen am 1. Juli 2026, wie die MiCA-Übergangsfrist nach Ländern auflistet. Die ESMA schrieb in ihrer Erklärung vom 17. April 2026 (auf Englisch), dass nach dem 1. Juli 2026 jeder Anbieter ohne MiCA-Lizenz gegen EU-Recht verstößt und seine Dienste für EU-Kunden einstellen muss.
Eine nationale Erlaubnis zählt daher nicht mehr als MiCA-Lizenz, und eine Firma ohne Lizenz musste abwickeln oder ihre Kunden an einen zugelassenen Anbieter übergeben. Die BaFin bestätigte in einer Meldung vom 8. Juli 2026, dass nur noch lizenzierte Anbieter Kryptowerte-Dienstleistungen in der EU erbringen dürfen, und bat zugelassene CASPs, Kunden von nicht lizenzierten Plattformen zu prüfen. Binance hatte in der ESMA-Datei vom 22. Oktober 2026 keinen Eintrag, und bitcoin.de setzte den Handel am 12. Juni 2026 aus, bevor die Betreiberin am 6. Oktober 2026 die Ablehnung meldete.
MiCA bei Finance-Loop-Events
Finance Loop hat beim Krypto-Abend von Bybit EU im TechQuartier Frankfurt über Compliance unter MiCAR gesprochen; Bybit EU hält seit dem 28. Mai 2025 eine MiCA-Lizenz der österreichischen FMA, und Mykolas Majauskas, Senior Director of Policy bei Bybit EU, sprach dort über Regulierung. MiCAR und Verwahrung waren Themen beim Forum für Digitale Vermögenswerte, einem deutschsprachigen Forum mit Finance Loop als Partner. Compliance-Verantwortliche, die einen strukturierten Kurs suchen, finden die MiCAR-Schulung von EBS Executive School und HEUKING im Bildungsangebot von Finance Loop.
Kommende Events zur Krypto-Regulierung
Welche Kryptobörsen haben eine MiCA-Lizenz?
Im ESMA-Register vom 22. Oktober 2026 stehen unter anderem Kraken über Payward Europe Solutions in Irland, OKX über OKX Europe in Malta, Coinbase über Coinbase Luxembourg, Crypto.com über Foris DAX MT in Malta, Bybit EU und KuCoin EU in Österreich, Bitpanda in Österreich und Deutschland, Bitvavo in den Niederlanden und Gemini in Malta. Binance hat in dieser Datei keinen Eintrag, und die Marke einer App ist oft eine andere Gesellschaft als der lizenzierte Rechtsträger, was Europäische Kryptobörsen im Einzelnen vergleicht.
MiCA-Lizenz nach Land: Zypern, Malta, Luxemburg, Lettland
Zypern hatte am 22. Oktober 2026 25 Einträge im ESMA-Register, Malta 23, Luxemburg 13 und Lettland 12, gegenüber 117 für Deutschland, 36 für Frankreich und 29 für die Niederlande. Zypern und Malta ziehen Broker und Handelsplattformen an, die EU-weit passporten, darunter eToro, Trading 212 und Revolut in Zypern sowie OKX, Crypto.com und Blockchain.com in Malta, während zu den Luxemburger Einträgen Coinbase, Bitstamp und Clearstream gehören. Die Länderseiten Krypto in Zypern, Krypto in Malta und MiCA in Luxemburg beschreiben die einzelnen Regime.
So prüfen Sie eine MiCA-Lizenz
Beginnen Sie beim Rechtsträger aus dem Vertrag oder dem Impressum der App, denn eine Marke betreibt oft mehrere Gesellschaften, und der MiCA-Schutz gilt nur gegenüber der zugelassenen EU-Gesellschaft. Suchen Sie diesen Rechtsträger in der CASP-Datei des vorläufigen ESMA-Registers, lesen Sie die Buchstaben der Dienste und die Länder des Eintrags und bestätigen Sie den Status im Register der nationalen Behörde, in Deutschland der Unternehmensdatenbank der BaFin. Die Dateien und die nationalen Register beschreibt das MiCA-Register, und jeder Eintrag vom 22. Oktober 2026 steht nach Land geordnet in der MiCA-Lizenz-Liste.
MiCA-Lizenz beantragen: Verfahren und Kosten
Ein Antragsteller reicht das Formular der Durchführungsverordnung (EU) 2025/306 mit den Inhalten der technischen Standards zu Artikel 62 ein: Geschäftsplan, Governance und Geschäftsleitung, Kontrollen gegen Geldwäsche, IT-Aufstellung nach DORA, Beschwerdeverfahren und bei Verwahrung die Trennung der Kundenvermögen. Das Mindestkapital beträgt 50.000 Euro für Beratung, Auftragsausführung oder Transfers, 125.000 Euro für Verwahrung oder Tausch und 150.000 Euro für eine Handelsplattform, oder ein Viertel der fixen Gemeinkosten des Vorjahres, wenn das mehr ist. Die BaFin berechnet eine Gebühr nach Zeitaufwand, erwartet vor dem Antrag ein Einführungsgespräch mit ihrem Referat ZK 4 und lehnt einen Antrag ab, der nach einer Frist von vier Wochen unvollständig bleibt, wie ihre Seite zu Kryptowerte-Dienstleistungen beschreibt.
BaFin-Kryptolizenz: MiCA in Deutschland
In Deutschland benennt das Kryptomärkteaufsichtsgesetz die BaFin als zuständige Behörde für die Lizenz, und MiCA in Deutschland beschreibt die nationalen Regeln. Das ESMA-Register vom 22. Oktober 2026 zeigte 117 Einträge mit Deutschland als Herkunftsstaat: acht MiCA-Lizenzen nach Artikel 63 bei Boerse Stuttgart Digital Custody, Bitpanda Asset Management, Crypto Finance (Deutschland), BitGo Europe, Tangany, Bullish Europe, Hauck Aufhäuser Digital Custody und Tradevest Digital Assets sowie 109 Anzeigen von Banken und Wertpapierfirmen, von Trade Republic und DZ BANK bis zu Dutzenden Volksbanken. Die deutsche Übergangsfrist endete am 31. Dezember 2025, daher braucht eine Firma mit der alten KWG-Verwahrerlaubnis heute einen dieser beiden Wege.
MiCA-Lizenz und Finance Loop
Finance Loop behandelt die MiCA-Lizenz von Kryptofirmen, Banken und Brokern im Bereich Risiko & Compliance und die Verwahrung und den Handel dahinter im Bereich Investment & digitale Vermögenswerte. Finance Loop bringt bei seinen Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg Compliance-Verantwortliche mit Juristen und Aufsehern zusammen.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.