Krypto-Liquidity-Provider

Ein Krypto-Liquidity-Provider ist ein Handelshaus, das institutionellen Kunden Kauf- und Verkaufspreise für Kryptowerte stellt und mit ihnen auf eigene Rechnung handelt. Ein Fonds, eine Bank oder ein Broker fragt einen Preis für eine bestimmte Menge an, der Provider antwortet mit einem festen Kurs für wenige Sekunden, und das Geschäft wird genau zu diesem Preis ausgeführt.

Der Provider übernimmt das Marktrisiko und sichert es über Börsen und andere Gegenparteien ab. Der Kunde bekommt einen bekannten Preis für einen großen Auftrag, ohne die Slippage, die ein großer Auftrag im Orderbuch einer einzelnen Börse verursacht. Liquidity Provider liefern auch Preise an Broker, Banken und Zahlungsfirmen, die ihren Kunden Krypto anbieten.

Hardware-Wallets, eine versiegelte Transfertasche und Münzen auf einer dunklen Steintheke für ein privat vereinbartes Kryptogeschäft.

Liquidity Provider und Market Maker

Ein Market Maker stellt laufend Kauf- und Verkaufsaufträge ins Orderbuch einer Börse und verdient den Spread dazwischen. Ein Liquidity Provider im institutionellen Sinn beantwortet Anfragen bekannter Kunden mit Kursen, die nur diese Kunden annehmen können, meist über ein Request-for-Quote-System, einen Chat oder einen Preisstrom über eine Schnittstelle. Viele Firmen tun beides, und beide Geschäfte versorgen sich gegenseitig mit Preisen und Beständen.

Im Tokenmarkt hat der Begriff Liquidity Provider noch eine dritte Bedeutung. Ein Liquidity Provider an einer dezentralen Börse legt zwei Token in einen Liquidity Pool und erhält einen Anteil an den Handelsgebühren, eine passive Anlage mit Verlustrisiko, wenn sich die Preise der beiden Token auseinanderbewegen.

Blockhandel über einen Liquidity Provider

Ein Request for Quote, kurz RFQ, ist der übliche Weg für einen Blockhandel mit Krypto und läuft in vier Schritten:

  1. Der Kunde fragt einen Preis an, etwa für den Kauf von 50 Bitcoin gegen Euro.
  2. Der Provider nennt einen festen Preis für ein kurzes Zeitfenster, oft wenige Sekunden.
  3. Der Kunde nimmt an, und das Geschäft ist zu diesem Preis vereinbart.
  4. Beide Seiten wickeln ab: Der Kunde liefert Euro oder Stablecoins, der Provider die Bitcoin.

Ein Fonds dokumentiert danach die Ausführung: Der Verwalter vergleicht den Preis mit dem Markt in diesem Moment, und Verwahrstelle und Verwahrer bestätigen den Eingang im Wallet des Fonds. Banken und Broker leiten solche Geschäfte oft über einen OTC-Desk, der mehrere Provider gleichzeitig anfragt.

Slippage bei Krypto

Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten Preis und dem Preis, zu dem ein Auftrag tatsächlich ausgeführt wird. An einer Börse nimmt eine große Market-Order zuerst die besten Angebote im Buch und füllt dann zu schlechteren Preisen, sodass der Durchschnittspreis gegen den Käufer läuft. Ein fester Kurs eines Liquidity Providers beseitigt diese Unsicherheit, weil der Provider den ganzen Preis vor dem Geschäft festlegt. An einer dezentralen Börse setzt der Nutzer eine Slippage-Toleranz, ab der die Transaktion scheitert.

Abwicklung und Gegenparteirisiko

Ein Provider, der Bitcoin liefert, bevor er Euro erhält, trägt das Risiko, dass der Kunde nie zahlt, und der Kunde trägt das umgekehrte Risiko, wenn er zuerst zahlt. Firmen senken es mit vorab gedeckten Konten, Kreditlinien zwischen bekannten Gegenparteien oder Abwicklungsnetzen außerhalb der Börse wie ClearLoop von Copper, bei denen beide Seiten ihre Werte bei einem Verwahrer halten, der das Geschäft abwickelt.

On-Chain-Übertragungen sind endgültig, sobald das Netz sie bestätigt, also liegen die Kontrollen vor der Übertragung. Wallet-Adressen der Gegenparteien stehen vorab auf einer Whitelist, das Eigentum jeder Adresse wird geprüft, und eine geänderte Abwicklungsanweisung löst eine Wartezeit und einen Rückruf bei einem bekannten Kontakt aus. Zwischen regulierten Firmen verlangt die Travel Rule zusätzlich die Namen von Absender und Empfänger.

Veranstaltungen zu Krypto und Handel

Liquidity Provider unter MiCA

In der EU tauscht eine Firma, die Kunden Kurse stellt und auf eigene Rechnung mit ihnen handelt, Kryptowerte gegen Geld oder andere Kryptowerte und braucht eine Erlaubnis als Kryptowerte-Dienstleister. Artikel 77 der MiCA verlangt eine diskriminierungsfreie Geschäftspolitik, einen veröffentlichten festen Preis oder die Methode seiner Ermittlung und die Ausführung zum angezeigten Preis, wenn der Auftrag endgültig ist. Die Firma veröffentlicht auch Volumen und Preise ihrer Geschäfte, und die Marktmissbrauchsregeln der MiCA gelten für ihren Handel.

Was verdient ein Liquidity Provider?

Der Provider verdient den Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs, der mit Auftragsgröße, Volatilität und vorhandenem Bestand wächst. Für Broker und Börsen arbeiten manche Provider stattdessen mit Gebühren- oder Rabattvereinbarungen. Ein Fonds fragt mehrere Provider gleichzeitig an, um zu prüfen, ob sein Preis fair ist, und belegt so die bestmögliche Ausführung gegenüber Anlegern und Aufsicht.

Kryptohandel und Finance Loop

Finance Loop bringt Handelsteams von Banken und Brokern bei seinen Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Fondsverwaltern und Verwahrern zusammen. Kryptohandel und Abwicklung gehören zum Track Investment und digitale Vermögenswerte von Finance Loop.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.

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